@Mr.Eko:
Die steigende Nachfrage (von der ich persönlich meine, dass sie überzeichnet wird, aber dazu liegt keinerlei belastbares Material vor, Du könntest genausogut recht mit Deiner These haben) trifft allerdings auf ein ungemein manipulatives Marktfeld. Wie Du selber sagtest, ist die Informationslage eher schlecht als gut zu nennen, was die Arbeit der gewerblichen Verkäufer erheblich erleichtert. Ich vermute ehrlich gesagt auch illegale Absprachen zwischen den Verkäufern, es ist geradezu unwahrscheinlich, dass bisweilen drei oder vier Verkäufer denselben überteuerten Preis für ein Spiel nehmen. Und da setzt die Preisfalle beim interessierten Käufer ein: weil er tatsächlich glaubt, die Spiele wären so viel wert (immerhin bieten unterschiedliche Verkäufer es für einen (nahezu) identischen Preis an), glaubt er, ein "Schnäppchen" zu machen, wenn er eine der wenigen Auktionen gleichfalls gnadenlos überteuert gewinnt (bei der womöglich noch jemand den Preis treibt, also gleich ein doppeltes Verlustgeschäft für den Käufer!).
Zweifellos richtig ist, dass der Markt internationaler geworden ist, bei ausgemachten Raritäten sich also ein finanzstarker Bieterkreis deutlich eher bildet als noch vor ein paar Jahren - das wird aber schwerlich bei beispielsweise losen Videospielen gelten, bei denen ich mir nicht vorstellen kann, dass sie der Mühe für passionierte Sammler wert sind (und nach wie vor werden deutlich mehr lose als vollständige Spiele verkauft). Bei Extremwerten wird das aber fraglos eine Rolle spielen.
Und ob der Wert tendentiell mit dem Alter der Spiele steigt, ist eine interessante Frage. Eine klare Relation aufzumachen ist ungemein mühsam, es gibt Sammlerbereiche, bei denen es binnen kürzester Zeit gegenläufige Effekte haben kann, es mag solche geben, die tatsächlich immer gefragter werden. Auch hier fehlt mir empirisches Material, um befriedigende Antworten zu liefern.
Ich glaube allerdings tatsächlich, dass das organisiert wirkende Treiben der Verkäufer ausschlaggebend ist für die
allgemeine Preissteigerung; anbei möchte ich unbedingt erwähnen, dass es letztlich nicht zu beanstanden ist, wenn ein Käufer womöglich weiß, dass er überteuerte Ware kauft, wenn er sie so dringend besitzen will oder schlichtweg das Geld übrig hat. Allerdings bin ich mir sicher, dass den meisten diese Preisverzerrung eben nicht bewusst ist, mithin ungünstige Grundbedingungen auf der Nachfrageseite bestehen. Da war es beispielsweise überhaupt nicht hilfreich seitens eBay, dass man die Benutzerkonten der Mitbieter nicht mehr einsehen kann, das erleichtert das Treiben der Hochbieter und marktbeherrschenden Verkäufer extraordinär. Auch die Entwicklung der Provision und Startgebühren über die Jahre haben ihren Teil dazu beigetragen - glücklicherweise sinken die Börsenwerte für eBay seit einer geraumen Zeit, es mag also sein, dass man seitens der Leitung noch zur Besinnung kommt (angekündigt wurde es ja, ausgeführt leider - bislang? - noch nichts).
Kurzum: es mag auch am Konsumenten liegen, die tragende Last im Normalsektor sehe ich dennoch klar bei den gewerblichen Verkäufern und den sie begünstigenden Konditionen.
@TheRzarector:
eine soziale marktwirtschaft zeichnet sich dadurch aus, dass mittels staatlicher hand in den markt eingegriffen wird und genau das wird bei ebay getan. ebay hat sich genauso wie jede andere firma in deutschland an gesetze und regeln zu halten so z.B. dürfen keine illegalen waren angeboten. außerdem gibt es das modell einer freien marktwirtschaft (ich denke das meinst du mit "marktwirtschaft ") in der realität gar nicht. eine reine marktwirtschaft erfordert homogene güter, die transparenz des marktes, einen homo oeconomicus, kein eingreifen des staates usw.
Die Einhaltung des
strafgesetzlich abgesicherten Bereiches greift nicht in den Begriff der sozialen Marktwirtschaft nach der österreichischen Schule (Röpke, Eucken et al.) und die nachherige Begriffsfindung Erhards ein. Das Nichtdarbietenkönnen illegaler Ware hat mit sozialer Marktwirtschaft nichts zu tun.
Was mit "sozialer Marktwirtschaft" vornehmlich gemeint ist, ist der Eingriff des Staates (freilich nur im Notfall, nicht leichtherzig und allgegenwärtig) in die Marktmechanismen, um Existenzsicherung zu betreiben. Beispielsweise Sozialhilfe, allgemeine Krankenkassen oder Rentensysteme, die ohne Zutreiben des Staates nicht entstünden (oder zu so schlechten Konditionen, dass sie genauso gut gar nicht existieren könnten). Oder der Eingriff des Staates bei Kartellbildung, die sich bei einem unregulierten Markt bildete, Erhaltung der öffentlichen Daseinsvorsorge usw. usf. - nichts davon wird bei eBay vorgenommen, es gibt keinerlei höhere Instanz, die interveniert. Ganz im Gegenteil sind die einzigen Kräfte dort Käufer und Verkäufer (die anfallenden Kosten für letzteren spielen bei der Preisbildung keine Rolle) - also ein klassischer Gütermarkt ohne Regulation,
in nuce eine Marktwirtschaft (natürlich keine echte, d.h. staatstragende, aber auf unseren Mikrokosmos angewendet und in Beibehaltung einer wenn auch unpräzisen, so doch einheitlichen Terminologie).
Ein wie auch immer aufgestelltes Auktionshaus könnte auch unmöglich in eine soziale Marktwirtschaft überführt werden, ohne ihre Bestimmung zu verlieren: wenn hier dritte Kräfte eingriffen, um Regulationen vorzunehmen, verlöre es an jedweder Attraktivität. Zumal sich die Frage stellt, was hier "sozial" gehandhabt werden soll: bestimmte Güter auf eBay stehen jedem zu, unabhängig von Einkommen oder sozialem Status? Andere Artikel dagegen muss jeder für mindestens 100 € kaufen? Wie gesagt, die grundlegende Einrichtung von durchsetzungsfähigen Gesetzen nach dem Strafgesetzbuch oder dem Handelsrecht haben mit sozialer Marktwirtschaft nichts zu tun.
Ich rede auch nicht von dem Idealbild der freien Marktwirtschaft (das suggerierte wieder staatstragende Züge, die eBay natürlich nicht aufweisen kann), sondern die grundlegenden liberalen Züge eines Marktes, der nach marktwirtschaftlichen Gesetzen insoweit betrieben wird, als dass der Staat nicht in die Preisbildung eingreift.