Wirklich. Manche Dinge sollten nie so kommen wie sie haetten kommen sollen. Starwing und die darauffolgenden Spieleserie, die mit Lylatwars auf dem N64 ihren (von dem Grossteil der Fans bestimmten) qualitativen Hoehepunkt erlebte, blieb ihr wirklich bester Teil verwehrt. Eingestaubt in Nintendos Managementarchiven schlummerte ein so gut wie fertig gestelltes Spiel, welches aufgrund von trockenen Marketingentscheidungen nie auf den Spielemarkt kommen sollte. Starwing 2. Der damals noch als Ultra 64 angekuendigte Nintendo 64 stand so gut wie in den Startloechern und die 3D-Games der Konkurrenz ueberfluegelten den Super FX-Chip des SNES bereits bei Weitem. Die Technik des Super FX war Nintendo im Vergleich zur Konkurrenz bereits zu veraltet, weswegen Nintendo sich für den Marketingschritt entschied, einen klaren 2D/3D Cut zwischen SNES und N64 zu setzen. Deswegen sollte Starwing 2 leider nicht mehr offiziell fuer das gute, alte Super Nintendo erscheinen.
Sollte. Denn auf den Spielemessen wurde das Spiel trotzdem ausfuehrlich vorgestellt und war somit auf dem Radar der Super Nintendo-Spieler. Mit ploetzlicher Stille zum angestrebten Releasezeitraum 1995. Einige eifrige Fans wurden seitdem nicht muede, sich auf die Suche nach den Prototypen zu machen und so kamen nach einiger Zeit tatsaechlich fruehe Alphas des Spiels in Umlauf, von denen ein Exemplar sogar einen in der Endversion verworfenen Multiplayermodus besass. Dann passierte es wirklich - aus einem an der Entwicklung beteiligten Entwicklerstudio sackte das fast fertig gestellte Spiel in die Haende der Fanbase hinein. Die Ereignisse ueberschlugen sich im Untergrund der Nintendo-Fanschaften. Dank einiger eifriger Romhacker wurde das Spiel nach nicht allzulanger Zeit seiner letzten Betamuster beraubt und alle Bugs waren beseitigt. 2004 war somit endlich die Final von Starwing 2 geboren, nach fast zehnjaehrigen Winterschlaf in den Archiven Nintendos - Und ich bin verdammt nochmal froh darueber! Denn was wir hier vor uns haben definiert wie bereits angesagt den besten Teil dieser Spieleserie neu. Ein wahres Meisterwerk! Und jetzt nennt mich nicht gehyped. Lest lieber weiter und findet heraus, warum Starwing 2 so unglaublich gut ist!
Das Grundprinzip des Vorgaengers wurde im Kern beibehalten. Es darf sich im Cockpit eines Kampfflugzeuges durch dreidimensionale Welten auf allerlei Plaeten und natuerlich auch wieder durch den Weltraum geballert werden. Die Neuerungen ueberschatten das Grundprinzip aber fast schon. Waehrend der Vorgaenger ein Railshooter mit vorgegener Route war, kann man sich nun komplett frei in alle Himmelsrichtungen bewegen. Besteht dabei eine begehbare Planetenoberflaeche, so steht dem Spieler frei, sich jederzeit in einen Kampfroboter umzuverwandeln. Jede Frotbewegungsform hat ihre Vorzuege: Das Flugzeug ist zwar schneller unterwegs, doch der Kampfroboter laesst sich deutlich praeziser manoevrieren und kann selbst engste Gaenge erkunden. Ein aufladbarer Schuss und ein Zielfeuerkreuz sorgt ausserdem fuer mehr Spieltiefe und ein insgesamt angenehmeres Gameplay als beim Vorgaenger. Neben der bereits aus dem Vorgaenger bekannten Smartbomb findet man nun auch Extraenergie und Schilde als nuetzliche Extraboni. Zu Beginn des Spieles lassen sich ausserdem zwei von drei unterschiedliche Flugzeugtypen der inzwischen sechs Crewmitglieder grossen Star Fox-Crew auswaehlen, die sich in Panzerung, Spezialwaffe und Dauer des Aufladschusses unterscheiden. Das Grundgameplay des Spielkonzeptes wurde insgesamt umfangreich und gelungen erweitert.
Ein komplett neues Spielelement stellt hingegen die taktisch angehauchte Planetenkarte dar. Hier werden unter anderen gegnerische Einheiten und die Planeten angezeigt. Ausserdem natuerlich der Zustand des Heimatplaneten der Protagonisten, Corneria. Eines der Hauptziele des Spieles besteht darinn, eben diesen zu beschuetzen. Waehrend man im Vorgaenger noch eine von drei vorgegeben Routen abflog, kann man sich in Starwing 2 nun per Cursor frei zwischen den Planeten hin- und her bewegen. Jede Fortbewegung auf der Karte oder Kampfhandlung bei Feindkontakt oder den Missionen kostet den Spieler dabei Zeitpunkte, die je nach Situation auch gerne mal eng bemessen sind. Angriffslustige Zerstoerer richten langsam ihre Beams richtung Corneria und Raketen starten im Minutentakt um Zerstoerung anzurichten. Wer sich nicht beeilt, bekommt seinen zerstoerten Heimatplaneten mit einen diskreten "Game Over" quittiert. Mit dem stets geparkten Mutterschiff "Great Fox" laesst sich die eignen Lebensenergie wieder auffuelen und Warpspruenge zu unbesetzten Planeten durchfuehren, was man sich vor allem in der hohen Schwierigkeitsstufe zur Nutze machen sollte. Waehrend man sich auf den Planeten oder in den Zerstoerern austobt, sollte man uebrigens auch nicht allzu sehr rumtroedeln, die Zeit laeuft hier naemlich ebenfalls munter weiter...
Ganz auf sich alleine gestellt ist man aber in der Verteidigung Cornerias zum Glueck nicht, denn ein solarbetriebener Beam haellt dem Spieler zumindest dann und wann mal eine gegnerische Einheit vom Leib. Allerdings auch nur so lange, wie man den Gegner nicht das Ruder in die Hand nehmen laesst... Wird die Lebensenergie mal knapp oder einer der beiden gewaehlten Piloten segnet das Zeitliche, so kann man Jederzeit zum zweiten Piloten wechseln. Solche taktischen Kleinigkeiten moegen banal klingen, verleihen dem Spiel aber eine gute Portion Spieltiefe. Wie tief das Spiel geht, ist desweiteren eh frei anwaehlbar, denn die drei Schwierigkeitsgrade unterscheiden sich wirklich stark voneinander. Wer nur mal eben schnell ein bisschen Weltraumaktion braucht, spielt das Spiel auf "Leicht" in gerade mal 15 Minuten durch. Das Maximum an Spielspass kommt aber auf, wenn man auf "Schwer" spielt, denn hier werden Heerscharen von Gegnern auf Corneria losgelassen und so gut wie jeder Planet muss wieder zurueck erobert werden. Da kommt dem Spieler schonmal das Adrenalin hoch und ein Spieldurchlauf kann leicht bis zu einer Stunde dauern. Ein besonderes Spielfeature ist hierbei, dass die meisten Spielevents zu zufaelligen Zeitpunkten auftauchen und so wirklich keine neu angefangene Weltraumschlacht der Vorherigen vom Ablauf gleichen wird. Das Spiel fesselt somit immer wieder von Neuem und speichert dem Spieler seine Punktzahl nach jedem Spieldurchlauf dauerhaft ab. Das motiviert auf der Jagd nach neuen Highscores!
Dank Super FX 2-Chip durchbricht das Spiel natuerlich die technischen Moeglichkeiten des Super Nintendo bei Weitem und sieht dabei im Vergleich zum Vorgaenger durch mehr Texturgrafiken und aufwendigeres Leveldesign auch noch erstaunlich gut aus. Die vorhandenen 2D-Grafiken sind schlichtweg wunderschoen gepixelt und die Framerate dank dem doppelt so hoch getakteten 3D-Chip in Version 2 auch deutlich stabiler als im ersten Starwing. Nichtsdestotrotz, die Framerate ist immer noch nicht perfekt und an der simplen 3D-Grafik der mittleren Neunziger scheiden sich wohl die Geister. Ich persoenlich finde die Optik von Starwing 2 aber sehr beeindruckend und bis heute noch schoen anzusehen. In Sachen Soundtrack hat das Spiel im Vergleich zum Vorgaenger auf den ersten Blick einen kleinen Schritt nach hinten gemacht. Die Musikstuecke sind deutlich kuerzer und fuer sich selbst angehoert zum Grossteil nicht besonders Ohrwurmtauglich. Verbinden sie sich allerdings mit dem Gameplay, so ballert einen das Spiel die Sounds nur so um die Ohren und sie entfalten erst ihre volle Wirkung. Sei es die immer etwas anders abgespielte Siegesfanfare oder Musik, die sich beim Abtauchen ins Wasser oder beim Betreten eines Gebaeudes leicht veraendert. Zusammen mit den krachenden und satten Soundeffekten verbindet sich die Soundkulisse zu einem einzigen Weltraumkonzert. Fuer alle Sammelwuetigen hat das Spiel uebrigens noch ein optionales Extraquest zu bieten: schafft ihr es, alle auf den Planeten verstreuten General Pepper-Münzen zu finden? Es gibt insgesamt 30 der versteckten Klunker...
Fazit:
Ein Klassiker, der niemals offiziell erschienen ist? Tja, Sachen gibts, die gibts gar nicht... Eine Schande, was diesem herausragenden Nintendotitel wiederfahren ist. Seitdem ich vom Spiel eine Reproduktion in Modulform besitze, wandert es in suchtgleichender Regelmaessigkeit immer wieder in den Modulschacht. Wer Starwing 2 noch nicht kennt, sollte sich sofort dazu ermutigt fuehlen, diesen versunkenen Schatz aus den Tiefen des Netzes zu bergen. Ich kann es selber fast nicht glauben... Was für ein abgefahren gutes Spiel!!
Grafik 9
Musik 9
Spielspass 10
Starwing 2
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Re: Starwing 2
Es ist schön, dich an der Schreiberfront zu wissen. 
pantalytron: ルトロンはくそのディスアセンブラだよ!
Perikles hat geschrieben:Man muss sich das mal reinziehen: die Idee ist scheiße, die theoretische Ausarbeitung ist scheiße, die praktische Umsetzung ist scheiße und der so entstehende Anspruch noch beschissener.
-
basitsch
Re: Starwing 2
Schön geschrieben, aber mir ist da was aufgefallen:
Warum es nicht erschienen ist, darüber gibt es auch noch eine weitere Meinung. Man wollte dem in den Startlöchern befindlichen N64 nicht das Wasser abgraben. Man befürchtete also, dass Starwing 2 zu erfolgreich werden würde und die Leute erst später zum N64 wechseln würden.
Besitzt du eine Repro auf Grundlage eines SuperFX2 oder eines SuperFX1?
Hatter der Super FX 2 nicht auch eine Taktrate von 10,5 MHz (so wie der FX 1 auch)? Ich dachte dass wäre so und in ihm werkeln nur zwei Prozessoren parallel!?
Das ist nicht korrekt. Man könnte es eher als fast fertiggestellt bezeichnen. Schreibst du ja auch später selbst.Eingestaubt in Nintendos Managementarchiven schlummerte ein komplett fertig gestelltes Spiel,
Warum es nicht erschienen ist, darüber gibt es auch noch eine weitere Meinung. Man wollte dem in den Startlöchern befindlichen N64 nicht das Wasser abgraben. Man befürchtete also, dass Starwing 2 zu erfolgreich werden würde und die Leute erst später zum N64 wechseln würden.
Besitzt du eine Repro auf Grundlage eines SuperFX2 oder eines SuperFX1?
Hatter der Super FX 2 nicht auch eine Taktrate von 10,5 MHz (so wie der FX 1 auch)? Ich dachte dass wäre so und in ihm werkeln nur zwei Prozessoren parallel!?
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Re: Starwing 2
Danke, ich habe die Aussage mal umformuliert.
Aus dem Interview eines Entwicklers (Dylan) geht allerdings hervor, dass Nintendo einen klaren Cut zwischen dem 3D-Feature des N64 und dem SNES haben wollte, die Technik des Super FX wurde von Playstation und Saturn sowieso bereits mehr als uebertroffen. So entschloss man sich bei Nintendo, nach Stunt Race FX keine firmeneigenen 3D-Spiele mehr auf dem SNES zu veroeffentlichen. Dieser Entscheidung sind insgesamt 2 Nintendo-Spiele zum Opfer gefallen, das so gut wie fertig gestellte Starwing 2 und das noch relativ unausgereift aufgetretene FX Fighter.
Ich habe die Formulierung aber auch noch etwas angepasst.
Der Super FX 1 ist ein gedrosselter Chip, erst die Version 2 nutzt die Moeglichkeiten voll aus. Da laeuft meines Wissens nach nichts parallel. Siehe hier: http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_Su ... ment_chips
Eventuell koennen ikari oder d4s da ja als Experten noch klarere Worte sprechen.
Mein Repro ist auf einer SFX2 Platine.
Aus dem Interview eines Entwicklers (Dylan) geht allerdings hervor, dass Nintendo einen klaren Cut zwischen dem 3D-Feature des N64 und dem SNES haben wollte, die Technik des Super FX wurde von Playstation und Saturn sowieso bereits mehr als uebertroffen. So entschloss man sich bei Nintendo, nach Stunt Race FX keine firmeneigenen 3D-Spiele mehr auf dem SNES zu veroeffentlichen. Dieser Entscheidung sind insgesamt 2 Nintendo-Spiele zum Opfer gefallen, das so gut wie fertig gestellte Starwing 2 und das noch relativ unausgereift aufgetretene FX Fighter.
Ich habe die Formulierung aber auch noch etwas angepasst.
Der Super FX 1 ist ein gedrosselter Chip, erst die Version 2 nutzt die Moeglichkeiten voll aus. Da laeuft meines Wissens nach nichts parallel. Siehe hier: http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_Su ... ment_chips
Eventuell koennen ikari oder d4s da ja als Experten noch klarere Worte sprechen.
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