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von Perikles » 11. Januar 2015, 00:21
Durch den rezenten AGDQ-Battletoadslauf PJs in die Laune versetzt, auch mal wieder die Kröteriche in Bewegung zu setzen, dachte ich mir, wäre es mal eine gute Idee, die MD-Version anzutesten, um zu sehen, wie es sich vergleichsweise verhält. Nachdem ich erschüttert eine Weile jene spielte, kehrte ich gerade zur guten, alten SNES-Fassung zurück, um sicherzustellen, dass ich nicht etwa glorifizierende Erinnerungen an diese hatte - und tatsächlich, die beiden Versionen sind sehr voneinander verschieden. Ich versuche so nüchtern wie möglich, die Fassungen gegenüberzustellen (bzw. kann ich nur von den ersten fünf Level der MD-Version ausgehen, länger konnte ich es nicht ertragen), mit Vor- und Nachteilen (dabei von der MD-Version ausgehend):
+ Der Standardcontroller des MDs ist viel, viel besser geeignet, das ständige Dashmanöver durchzuführen, als es der reguläre SNES-Controller ist. Daran kann gar kein Zweifel bestehen. Es ist unheimlich einfach, den Input auf dem SNES zu verbocken, was ständig in verlorene Leben resultiert, weswegen ich dazu übergegangen bin, für dieses eine Spiel einen anderen Controller zu organisieren.
+ Manche Passagen sind auf dem MD leichter, in einem guten Sinne. Das Raumschiff der Dark Queen z.B. steckt zwar deutlich mehr ein, was den Kampf langweiliger werden lässt, dafür sind alle Muster vernünftig rhythmisch durchgetaktet, während es auf dem SNES dann und wann zu nahezu unvermeidbaren Treffern kommen kann. Oft sind die Alterationen allerdings nicht gut ausgegangen (s. weiter unten für mehr).
+ Es gibt vage Anzeichen dafür, dass die Programmierer die MD-Version eine Ecke kantiger graphisch gestalten wollten. Am deutlichsten wird das in den Sequenzen zwischen den Level, wo auch noch die bluttriefenden, zerschundenen Bosse ihre letzte altkluge Weisheit loswerden, bevor der nächste Level anfängt. Auch die eigentliche Levelstruktur ist etwas angetastet: im dritten Level ändert sich etwa der Farbton ein wenig, nachdem man die Hebel umlegt, auch sind die Segmentierungen im Level graphisch durch einen kurzen schwarzen Bildschirm voneinander abgetrennt. Die Umsetzung dagegen...
- Die Graphik ist teilweise furchtbar auf dem MD. Um es klar zu sagen: keine Version wird irgendjemanden auch nur im Ansatz aus den Latschen hauen. Aber während auf dem SNES kräftige, vitale Farben zum Einsatz kommen, gibt es auf dem MD unheimlich viele hässliche Braun- und Graukombinationen, die mir nicht recht zusagen wollen. Es hängt vermutlich mit dem letzten Unterpunkt zusammen, die Ausführung finde ich allerdings durchwachsen. Ist alles in allem aber nur ein kleiner Unterpunkt.
- Nicht übersehen kann ich allerdings den dahinplätschernden Soundtrack. Einfach nur lahm und lustlos, was man da geboten bekommt. Und gerade der MD wäre prädestiniert gewesen für den basslastigen Klang des Spiels. Eine Schande!
- Es haben sich etliche Veränderungen in der Spielkonzeption zur SNES-Version eingeschlichen, von denen ich eine Handvoll begrüße (ein Beispiel ist weiter oben zitiert), der Rest ist allerdings völlig missraten. Big Blag im zweiten Level hat eine Attacke auf Lager, der praktisch nicht auszuweichen ist. Roper im dritten Level hat prinzipiell ein abwechslungsreicheres Repertoire (er schießt in kurzen und langen Salven, anstatt nur in langen wie auf dem SNES), steht aber ständig am rechten Bildschirmrand, was es verunmöglicht, ihn sicher zu treffen, des Konters wegen. General Slaughter im fünften Level steht beim ersten Gefecht direkt hinter dem eigenen Charakter, anstatt ein Stück weit weg, was wohl den Regeln der Fairness geschuldet sein dürfte. Es gibt mehr Gegner in den Schachtabschnitten im dritten Level, teils in haaresträubender Konstellation. Vieles davon stoppt entweder den Spielfluss oder dient dazu, kaum vermeidbaren Schaden auszuteilen. Richtig übel (und für mich der letzte Tropfen) sind die Stichflammen im fünften Level, da sind Muster dabei, die praktisch nicht ohne Lebensverlust vonstatten gehen.
- Komplikationen mit der Steuerung/Kollisionsabfrage machen sich breit. Es ist kein Umstand, einige Extraleben durch die Raben im dritten Level in der SNES-Version abzugreifen, hier habe ich es nicht einmal geschafft, eines der Biester auch nur zweimal in Sukzession zu treffen. Es ist erschreckend schwer, sich an den MG-Türmen im selben Level festzuklammern, weil man gleichzeitig springen und nach oben drücken muss, was viel umständlicher funktioniert, als es klingt.
- An manchen Stellen ist die MD-Version schlicht unfertig oder schlampig zustandegekommen. Nämliche MG-Türme tauchen auch in Schachtabschnitten horizontal an der Wand auf, aber die vertikalen Streben (die dazu da sind, sie an der Decke zu befestigen) sind immer noch da und hängen in der Luft. Wenigstens in den Bosskämpfen zwei und drei steht ein "Fight"-Schriftzug im Hintergrund, der stark danach aussieht, als ob er leuchten sollte, aber einfach nur trostlos-schwarz von seinem Elend verkündet.
Konklusion: die bessere Grundsteuerung ist zwar ein veritables Argument für die MD-Version (so man nur den Standard-SNES-Controller auf Lager und mit diesem hier ähnliche Gebrechen wie ich hat), aber praktisch alles andere ist in teils erheblicher Manier schlechter. Es gibt hier und dort kleine Verbesserungen, die von erheblichen Defiziten krass überschattet werden. Hier ist nach meinem Dafürhalten die SNES-Version deutlich besser (es sei denn, die letzten beiden Level auf dem MD drehen dies ins Gegenteil, was ich arg bezweifle).