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von Perikles » 28. März 2013, 21:23
Zwei kurze Anmerkungen zu der im Startbeitrag verlinkten Rezension:
1. Ein Fakt im ersten Absatz ist nicht korrekt. Der erste Teil der Gargoyle's Quest-Reihe ist auf dem Gameboy erschienen, das NES-Spiel ist der Nachfolger, nicht andersherum.
2. Es ist etwas unfair gegenüber einem Schreiberling, der letztmalig vor über drei Jahren online war, Kritik zu äußern. Trotzdem habe ich mich etwas nach dem Lesen der Rezension gewundert: wenn ich die Wertung nicht vorher gesehen hätte und aufgrund des Geschriebenen eine Vermutung hätte abgeben müssen, wie TheFux die Teilkategorien bewertet, ich wäre nie auf so "niedrige" Werte gekommen. Vielleicht geht das auch nur mir so.
Nun aber zum Spiel selbst! Weil ich zuvor ein paar Texte über das Spiel las und außerdem Gargoyle's Quest 2 kannte, das ziemlich knackig sein kann, dachte ich, es hier mit einem ähnlich schweren Titel zu tun zu haben. Stattdessen habe ich ein formidabel orchestriertes Stück gefunden, das auf der einfachen Seite gelandet ist. Ich liste mal ein paar Gründe dafür aus, die Kritik genau dann sind, wenn man Demon's Crest an Gargoyle's Quest 2 misst (den ersten Teil kenne ich nicht):
Gleiten? Mit Magie!
Was dem Vorgänger sehr viel strategische Tiefe verleiht, ist der Umstand, dass Firebrand nur eine begrenzte Zeit gleiten kann, bevor er wie ein Stein abstürzt. Wie jedes gute Spiel ist auch Gargoyle's Quest 2 um diese Kerneigenschaft herum aufgebaut. Zwar werden die Flügel immer leistungsfähiger, dafür aber die zu leistenden Arbeiten immer schweißtreibender. Mal eben auf gut Glück von der Mitte einer Plattform losspringen und die nächste erreichen ist nicht. Es gibt einige sehr schwierige Stellen (besonders am Anfang), die Nerven wie Drahtseile und ein sicheres Auge für Distanz abverlangen. Demon's Crest macht es sich dagegen sehr einfach, obwohl es sichtlich genauso funktionieren könnte. Ich finde das etwas schade, denn die Levels in Demon's Crest lassen sich oftmals komplett oder weitgehend umgehen. Selbst wer etwas "ehrenhafter" seinen Weg abläuft, wird auf keinerlei Bedrohungen stoßen.
Einfallslose Bossgegner
"Einfallslos" sicher nicht hinsichtlich der Gestaltung, die territorialen Herrscher sind prächtige Monster. Dafür "einfallslos" im Sinne von "beschränkte KI". Entweder lassen sich die Burschen mit ganz simplen Tricks hereinlegen oder man lässt es auf einen reinen Schadensabtausch ankommen, die kratzen nämlich alle lange vorher ab. Selbst der echte letzte Endgegner und der optionale Superboss waren kaum der Rede wert. Ich sehe auch, wo das Problem liegt: Firebrand ist träge. Hätten die Bossgegner ausgefeilte Angriffsmuster oder wären schnell, wäre es unfair. Genau deswegen musste in Gargoyle's Quest 2 mit der Umgebung gearbeitet und auf die Flugkraft geachtet werden. Hier gibt es plane Schlachtfelder mit etwas kümmerlichen Widersachern.
Ginseng steht für Energie!
Brauche ich kaum weiter auszuführen. Mit fünf Ginsengflaschen, zwanzig Energiebalken, dem Rüstungstalisman und einem der beiden letzten Gargoyleformen ist man praktisch unverwundbar.
Gemischtes
Sehr nervig war nur das Kopfnuß-Spiel, das man beenden muss, um an einen Herzcontainer zu kommen. Das war die größte Tortur im Spiel für mich. Glaser ist der gefragteste Beruf im Ghoulkönigreich, Versicherungsangestellte werden dagegen in den Wahnsinn getrieben. Die Zaubersprüche sind ziemlich nutzlos, der "Death"-Zauberspruch wirkt allerdings gegen zwei der früheren Bosse, auch wenn er diese nicht sofort ausschaltet, falls es einer in Anspruch nehmen möchte.
Ich finde Demon's Crest trotzdem sehr gut, wenn auch aus anderen Gründen. Der Soundtrack ist sehr nahe an einem RPG (manche Einlagen stelle ich mir regelrecht in Final Fantasy VI vor) und gerade deswegen bei einem so gemächlichen Spiel passend. Die Graphik ist in jeder Kategorie herausragend - immersive Hintergründe, die ein Gefühl dafür erwecken, dass hier tatsächlich ein Bürgerkrieg stattgefunden hat, der diese einst große Zivilisation erheblich dezimierte. Farbgestaltungen, die bei den Gebäuden einen sehr gotischen Stil evozieren und die Gegner aussehen lassen, als ob sie einem Dürerbild entstiegen wären, was der gruseligen Atmosphäre zusammen mit der Musik sehr aushilft. Große, optisch eindrucksvolle Bosse, die wirklich so aussehen, als ob sie eine Gefahr wären, auch wenn sie es nicht wirklich sind. Dazu reihen sich Wahlfreiheit der Schauplätze und viele (wenn auch einige nutzlose) Gegenstände, die für ein bestes Ende eingesammelt werden wollen. Für eine Höchstwertung fehlt mir dann doch der Anspruch, 8 oder 9 Punkte sind indes bestimmt drin. Außerdem noch eine Empfehlung für Gargoyle's Quest 2, das ebenfalls die Grenzen seines Spielsystems absteckt und darüber hinaus strategischer aufgebaut ist.