Barbarossa
Verfasst: 25. Oktober 2012, 00:34
Barbarossa ist ein oldschooliger, japanischer Kriegssimulator, der auf realen Ereignissen des WWII während des Blitzkriegs auf Moskau basiert. Bam. Warum man sich mit sowas beschäftigt? Nun, auf dem Cover prangert unünersehbar der Oberkörper des "grossen Führers" Adolf Hitler, weswegen das Spiel im Internet einen fragwürdigen Berühmtheitsgrad besitzt. Neben einem trockenen Wikipedia-Artikel findet man aber kaum weitere Infos zum Spiel und das möchte ich schlichtweg mit diesem Review ändern.
Die kontroverse Simulation basiert auf einem japanischen PC-98 Spiel namens "Blitzkrieg" aus dem Jahre 1990, das auch auf andere Plattformen wie den Sharp X68000 portiert wurde und somit vermutlich auch einen entsprechenden finanziellen Erfolg zu verbuchen hat, so dass die Publisher sich letztlich auch die "totale" Portierung auf unseren Super Nintendo wünschten... Nunja, das ist für mich wohl Grund genug, mich ranzusetzen und zu schauen, ob dieses Spiel wirklich etwas taugt und das fragwürdige Verpackungscover mehr als ein Kundenfang für "Hitlerfans" ist. Ob dies eine gute Idee war, wird sich zeigen...
Begrüßt wird der Spieler mit einem Intro voller Fotos von Kriegsgerät, um im darauf folgenden Menü (in Form eines Wegweisers nach Moskau) lediglich ein Spiel starten oder dank dem batteriegestützten Speicher seine letzte Schlacht fortsetzen zu können. Einstellungsmöglichkeiten oder einen Multiplayermodus sucht man leider vergebens. Im frisch gestarteten Spiel wird schnell klar: Hier spielt man tatsächlich auf der "arischen" Seite und muss gegen die russische Armee antreten. Herrje. Vorher kann noch die eigene Armee über ein Menü umstrukturiert werden, die erfreulicherweise doch einiges an unterschiedlichen Einheiten aufweist. In späteren Missionen bekommt man Verstärkung nachgeschickt und kann mit dieser getötete Einheiten ersetzen oder schlechtere austauschen. Leider ist das ganze bei maximal 63 (!) Truppen mit bis zu 5 Fahrzeugen oder Soldaten sehr umständlich und eher mühsam. Ist das Gaukeln mit der Wehrmacht endlich geschafft, findet sich der Spieler auf einer riesigen Schlachtfeldkarte wieder, die auch die typische Taktikoberfläche in Bienenwabenform mit Bäumen, Strassen und Bergen aufweist, welche sich auf die Fortbewegungsradien der Truppen auswirken. Die Maps nutzen diesen Tiefgang nur bedingt aus und wirken leider größtenteils lieblos dahingeklatscht, "Hauptsache riesig", das Vaterland will schliesslich erweitert werden... Barbarossa zeigt insgesamt eine grosse Faszination zu zahlenmäßigen Übertreibungen, das sich leider auch negativ im Gameplay widerspiegelt. Auf Aufbauelemente verzichtet das Spiel vollkommen, in Barbarossa wird lediglich nachgerüstet und weggebombt.
Alle Einheiten müssen zunächst umständlich oder eben unkoordiniert via beschleunigtem Befehl auf das Schlachtfeld gepeitscht werden. Wohin man als Erstes soll oder wo die gegnerischen Einheiten lauern, kann man leider nur erahnen, denn auch die "Herrenrasse" ist vor dem Nebel des Krieges wohl nicht gefeit, Pech gehabt. Ist die Startaufstellung geschafft, kommt der Gegner an der Reihe, den der Nebel allerdings nicht zu beeinflussen scheint, die KI scheint unfairer weise immer zu wissen, wo man sich befindet. Trotzdem braucht jede Bewegung der Einheiten eine ganze Weile. Die mehr oder auch mal weniger taktischen Züge des Gegners verlangen dem Super Nintendo einiges an Ladezeiten ab - was den Spielfluss, genau wie das mühevolle Fortbewegen der eigenen, viel zu groß ausgefallenen Armee ziemlich stört. Danach geht es rundenbasiert weiter. Die taktische Tiefe der Einheiten ist dabei gar nicht so übel, da sie sich in ihrer Angriffstärke sowie Attacken und Bewegungsradius deutlich voneinander unterscheiden. Panzer sind stark gegen Fußsoldaten, Geschütze holen Flugzeuge am besten vom Himmel und so weiter. Man kann vorhandene Einheiten auch in kleinere Truppen auftrennen oder unter zwei nebeneinander stehenden Truppen neu aufteilen. Die riesigen Maps, vielen Truppen und Ungewissheit über den Standpunkt der gegnerischen Einheiten verwirren den Spieler dabei aber leider mehr als nötig, was der Spannung abträglich ist. Immerhin lassen sich zu allen Einheiten Informationen aufrufen, wodurch zumindest japanischkundige Spieler (sofern sie Armeen von Kanji beherrschen) ihre Effizienz nicht erst ausprobieren müssen.
Die Kampfbildschirme der Kriegshandlungen sind der wohl einzige Augenschmaus im Spiel, denn die Karte wirkt sehr minimalistisch und die Farbpalette des Super Nintendo wurde alles andere als ausgereizt. Doch selbst dem optischen Höhepunkt des Spiels fehlt es an Animationen, welche die Angriffe glaubhafter darstellen könnten. Grafisch ist Barbarossa auf jeden Fall sehr durchwachsen, auch wenn sich die Optik sich von den anderen Ports des Spiels tatsächlich ein wenig abhebt. Die Musik stürzt sich auch gleich in denselben Schützengraben und macht den Spieler durch ihre Repetivität langsam aber sicher rasender als damals der "Führer" in seinen Volksreden. In einigen Menüs hingegen ist sie schlichtweg nicht vorhanden. Die Soundeffekte sind leider nur in den Kampfbildschirmen okay und ansonsten absolut langweilig. Kurz: In Sachen Musikuntermalung sollte man in diesem Spiel lieber ueber den Muteknopf nachdenken. Der Umfang des Spiels ist mit 12 Stages immerhin okay, doch die Missionen wirken einfach zu künstlich in die Länge gezogen und bringen daher vermutlich nur geduldstechnisch schmerzbefreiten Menschen Freude. Da hilft die Begrenzung von 25 Zügen pro Mission leider auch nicht mehr weiter.Die Belohnung nach jedem Sieg ist ein immer gleiches Standbild von einem Panzer neben einigen abgekämpften Soldaten und ein paar geschichtlichen Storyfetzen auf Japanisch. Da kommt Stimmung auf. Ein Punkt hat mich auch noch etwas aufgeregt: Obwohl der Spieler fleißig jede der 12 Schlachten gewinnt, wird man nach dem ersten Drittel des Spieles stets zurückgeschlagen, damit die Story geschichtlich korrekt bleibt. Im Endbildschirm hissen die Russen ihre Flagge im zerstörten Berlin. Dafür hat man sich also auf der Seite der verdammten Nazis durchs Spiel gequält. Klingt plausibel. Es wäre schlichtweg logischer gewesen, wenn der Spieler ab einen gewissen Spielzeitpunkt die russische Armee befielt.
Fazit:
"Wollt ihr den totalen Krieg?" - Nein, danke. Jetzt erst recht nicht mehr.
Einfach alles an diesem Spiel bringt keinen Spaß. Die Zielsetzung, das Gameplay und sogar die taktischen Noten sind absolut unmotivierend. Kein Multiplayermodus, keine Möglichkeit, die russische Seite zu spielen und allgemein keine Extraoptionen runden diese Gurke gekonnt ab. Und technisch macht es auch nichts her. Lasst euch besser nicht von der kontroversen Verpackung zum Kauf verleiten, auch wenn ihr sie vielleicht lustig findet. War wirklich eine dumme Idee, dieses Spiel auszuprobieren, aber die SNES-Spielebibliothek ist nun wohl um ein Mysterium ärmer.
Im diesem Sinne... "Ausschalten macht frei, liebe Genossen der Herrenkonsole." Wie ihr an meiner Wortwahl vermuten könnt, brauche ich jetzt erstmal ein gutes Spiel um wieder klarzukommen...
Grafik: 2
Sound: 3
Spielspaß: 2
Die kontroverse Simulation basiert auf einem japanischen PC-98 Spiel namens "Blitzkrieg" aus dem Jahre 1990, das auch auf andere Plattformen wie den Sharp X68000 portiert wurde und somit vermutlich auch einen entsprechenden finanziellen Erfolg zu verbuchen hat, so dass die Publisher sich letztlich auch die "totale" Portierung auf unseren Super Nintendo wünschten... Nunja, das ist für mich wohl Grund genug, mich ranzusetzen und zu schauen, ob dieses Spiel wirklich etwas taugt und das fragwürdige Verpackungscover mehr als ein Kundenfang für "Hitlerfans" ist. Ob dies eine gute Idee war, wird sich zeigen...
Begrüßt wird der Spieler mit einem Intro voller Fotos von Kriegsgerät, um im darauf folgenden Menü (in Form eines Wegweisers nach Moskau) lediglich ein Spiel starten oder dank dem batteriegestützten Speicher seine letzte Schlacht fortsetzen zu können. Einstellungsmöglichkeiten oder einen Multiplayermodus sucht man leider vergebens. Im frisch gestarteten Spiel wird schnell klar: Hier spielt man tatsächlich auf der "arischen" Seite und muss gegen die russische Armee antreten. Herrje. Vorher kann noch die eigene Armee über ein Menü umstrukturiert werden, die erfreulicherweise doch einiges an unterschiedlichen Einheiten aufweist. In späteren Missionen bekommt man Verstärkung nachgeschickt und kann mit dieser getötete Einheiten ersetzen oder schlechtere austauschen. Leider ist das ganze bei maximal 63 (!) Truppen mit bis zu 5 Fahrzeugen oder Soldaten sehr umständlich und eher mühsam. Ist das Gaukeln mit der Wehrmacht endlich geschafft, findet sich der Spieler auf einer riesigen Schlachtfeldkarte wieder, die auch die typische Taktikoberfläche in Bienenwabenform mit Bäumen, Strassen und Bergen aufweist, welche sich auf die Fortbewegungsradien der Truppen auswirken. Die Maps nutzen diesen Tiefgang nur bedingt aus und wirken leider größtenteils lieblos dahingeklatscht, "Hauptsache riesig", das Vaterland will schliesslich erweitert werden... Barbarossa zeigt insgesamt eine grosse Faszination zu zahlenmäßigen Übertreibungen, das sich leider auch negativ im Gameplay widerspiegelt. Auf Aufbauelemente verzichtet das Spiel vollkommen, in Barbarossa wird lediglich nachgerüstet und weggebombt.
Alle Einheiten müssen zunächst umständlich oder eben unkoordiniert via beschleunigtem Befehl auf das Schlachtfeld gepeitscht werden. Wohin man als Erstes soll oder wo die gegnerischen Einheiten lauern, kann man leider nur erahnen, denn auch die "Herrenrasse" ist vor dem Nebel des Krieges wohl nicht gefeit, Pech gehabt. Ist die Startaufstellung geschafft, kommt der Gegner an der Reihe, den der Nebel allerdings nicht zu beeinflussen scheint, die KI scheint unfairer weise immer zu wissen, wo man sich befindet. Trotzdem braucht jede Bewegung der Einheiten eine ganze Weile. Die mehr oder auch mal weniger taktischen Züge des Gegners verlangen dem Super Nintendo einiges an Ladezeiten ab - was den Spielfluss, genau wie das mühevolle Fortbewegen der eigenen, viel zu groß ausgefallenen Armee ziemlich stört. Danach geht es rundenbasiert weiter. Die taktische Tiefe der Einheiten ist dabei gar nicht so übel, da sie sich in ihrer Angriffstärke sowie Attacken und Bewegungsradius deutlich voneinander unterscheiden. Panzer sind stark gegen Fußsoldaten, Geschütze holen Flugzeuge am besten vom Himmel und so weiter. Man kann vorhandene Einheiten auch in kleinere Truppen auftrennen oder unter zwei nebeneinander stehenden Truppen neu aufteilen. Die riesigen Maps, vielen Truppen und Ungewissheit über den Standpunkt der gegnerischen Einheiten verwirren den Spieler dabei aber leider mehr als nötig, was der Spannung abträglich ist. Immerhin lassen sich zu allen Einheiten Informationen aufrufen, wodurch zumindest japanischkundige Spieler (sofern sie Armeen von Kanji beherrschen) ihre Effizienz nicht erst ausprobieren müssen.
Die Kampfbildschirme der Kriegshandlungen sind der wohl einzige Augenschmaus im Spiel, denn die Karte wirkt sehr minimalistisch und die Farbpalette des Super Nintendo wurde alles andere als ausgereizt. Doch selbst dem optischen Höhepunkt des Spiels fehlt es an Animationen, welche die Angriffe glaubhafter darstellen könnten. Grafisch ist Barbarossa auf jeden Fall sehr durchwachsen, auch wenn sich die Optik sich von den anderen Ports des Spiels tatsächlich ein wenig abhebt. Die Musik stürzt sich auch gleich in denselben Schützengraben und macht den Spieler durch ihre Repetivität langsam aber sicher rasender als damals der "Führer" in seinen Volksreden. In einigen Menüs hingegen ist sie schlichtweg nicht vorhanden. Die Soundeffekte sind leider nur in den Kampfbildschirmen okay und ansonsten absolut langweilig. Kurz: In Sachen Musikuntermalung sollte man in diesem Spiel lieber ueber den Muteknopf nachdenken. Der Umfang des Spiels ist mit 12 Stages immerhin okay, doch die Missionen wirken einfach zu künstlich in die Länge gezogen und bringen daher vermutlich nur geduldstechnisch schmerzbefreiten Menschen Freude. Da hilft die Begrenzung von 25 Zügen pro Mission leider auch nicht mehr weiter.Die Belohnung nach jedem Sieg ist ein immer gleiches Standbild von einem Panzer neben einigen abgekämpften Soldaten und ein paar geschichtlichen Storyfetzen auf Japanisch. Da kommt Stimmung auf. Ein Punkt hat mich auch noch etwas aufgeregt: Obwohl der Spieler fleißig jede der 12 Schlachten gewinnt, wird man nach dem ersten Drittel des Spieles stets zurückgeschlagen, damit die Story geschichtlich korrekt bleibt. Im Endbildschirm hissen die Russen ihre Flagge im zerstörten Berlin. Dafür hat man sich also auf der Seite der verdammten Nazis durchs Spiel gequält. Klingt plausibel. Es wäre schlichtweg logischer gewesen, wenn der Spieler ab einen gewissen Spielzeitpunkt die russische Armee befielt.
Fazit:
"Wollt ihr den totalen Krieg?" - Nein, danke. Jetzt erst recht nicht mehr.
Einfach alles an diesem Spiel bringt keinen Spaß. Die Zielsetzung, das Gameplay und sogar die taktischen Noten sind absolut unmotivierend. Kein Multiplayermodus, keine Möglichkeit, die russische Seite zu spielen und allgemein keine Extraoptionen runden diese Gurke gekonnt ab. Und technisch macht es auch nichts her. Lasst euch besser nicht von der kontroversen Verpackung zum Kauf verleiten, auch wenn ihr sie vielleicht lustig findet. War wirklich eine dumme Idee, dieses Spiel auszuprobieren, aber die SNES-Spielebibliothek ist nun wohl um ein Mysterium ärmer.
Im diesem Sinne... "Ausschalten macht frei, liebe Genossen der Herrenkonsole." Wie ihr an meiner Wortwahl vermuten könnt, brauche ich jetzt erstmal ein gutes Spiel um wieder klarzukommen...
Grafik: 2
Sound: 3
Spielspaß: 2