Yeah, exakt sowas habe ich mir unter Never Ending Discussion vorgestellt!
Perikles hat geschrieben:Zunächst einmal halte ich es für ein vergiftetes Lob, Terranigma auch nur im Ansatz mit IoT zu vergleichen, mögen beide Spiele Teil einer inoffiziellen Trilogie sein oder nicht. Trotz meiner Kritik etwas weiter hinten: Terranigma enthält einen klar abgesteckten Strauß an Themen, IoT knallt einfach Anspielungen und Topoi in die Erzählstruktur, ohne echte Bedeutung für die Geschichte (beispielsweise das Glücksspiel, die Sklaverei [ja, ich bin mir des optionalen Bossgegners und der Auflösung bewusst] und haarsträubende Anleihen aus der Mythologie [in einer buddhistischen Parabel wirft sich ein Hase ins Feuer, um Buddha als Nahrung zu dienen]) - bedauerlicherweise bemisst IoT dem Voranschreiten eben dieser Erzählung viel zu viel Zeit und scheitert darum grandios, Terranigma verliert zwar den Fokus gegen Ende hin, enthält aber trotzdem einen klar erkennbaren roten Faden.
Ich schätze, das ist Interpretationssache.
Grundsätzlich halte ich es für besser, wenn es gewisse Themen- und Sachverhalte gibt, die dem Spieler freistehen, sich damit zu beschäftigen oder nicht. Wobei ich nicht sagen will, dass es bei IoT dem Spieler freisteht, die Sklaverei- und Glücksspielthematik zu umgehen - die lila Kapuzenmänner in Freejia sind genauso obligat wie die Partie Russisches Glas.
Außerdem finde ich sowieso sehr interessant, dass die Spiele mit einigem Abstand betrachtet und ohne exakte Beispiele im Kopf zu haben eine Grundaussage haben, eher das buddhistische Welt- und Glaubensbild fördern zu wollen. Begebe ich mich mit dieser Aussage jetzt auf hauchdünnes Eis?
Perikles hat geschrieben:Abgesehen davon möchte ich Deiner These in einem Punkt klar widersprechen: aus einer gewissen Perspektive heraus stellt Beruga den Fortschritt dar. Er weiß um das Geheimnis ewigen Lebens und scheut sich nicht davor, wertes und unwertes Leben zu unterscheiden, um eine Zivilisation nach seinen (resp. Dark Gaias) Vorstellungen zu formen. Sicher, das ist eine nach unseren Maßstäben sehr verdrehte Interpretation von Fortschritt. Aber immerhin handelt es sich um eine Vision, die von einer gottgleichen Entität ersonnen worden ist, die ihrem Namen zum Trotz nicht so abgrundtief bösartig ist, wie man es sich sonst vom Antagonismus eines Teufels ausmalt (immerhin führt dieser Plan erst zur Wiederherstellung der Erde). Offensichtlich wird dieser "Fortschritt" durch Ark zunichte gemacht. Nun könnte man - geschult an Heidegger - einwenden, dass es sich bei Berugas Modus Operandi um ein Werden handelt, der umgesetzte Fortschritt aber immer ein Sein darstellt und darin nicht negiert wird. Ehrlich gesagt bestätigt mich das aber nur in meiner Ansicht - dass Fortschritt in seiner zarten Blüte der Seinswerdung aufgehalten wird, zeigt umso drastischer, wie vergänglich dieser ist.
Übrigens: es ist sicher kein Zufall, dass ausgerechnet Neotokio, die mit Abstand am weitesten entwickeltste Stadt, von Asmodeus (eine sehr merkwürdige Namensgebung) ausradiert wird. Irreversibilität sieht anders aus.
Ähm... sorry, aber ich glaube, grundsätzlich gab es hier ein grundlegendes Missverständnis. Mit "Fortschritt" meinte ich allein den Spielfortschritt, nicht den technischen Fortschritt der Menschheit ingame.
Mal ne ganz doofe Frage: Beschäftigst du dich hobby- oder studienmäßig mit Philosophie? Topoi ist so ein Begriff und Heidegger so eine Persönlichkeit, die man so selten im normalen Allgemeinwissen antrifft.

Asmodeus: Ich bin so doof und gebe zu, dass ich nicht hundertprozentig weiß, was dein Kommentar in Klammern bedeutet, und vermute mal, dass es dir um die Schreibweise geht. Da es zu Zeiten der Übersetzung des Spiels noch kein Wikipedia gab, könnte es sein, dass man den Namen schlicht ohne Kenntnis seiner Bedeutung übersetzt hat. Oh, im Englischen wird er "Asmodeus" geschrieben, sehe ich gerade bei Wikipedia.
Dark Gaia: Es macht wohl auch den (inhaltlichen, philosophischen) Spaß an Terranigma/J-RPGs aus, dass es eben oft nicht dieses klassische Schwarz/Weiß-Muster bei Bösewichten und Helden gibt, sondern zwei Seiten meinen, den besten Weg zu haben, nur diese Wege konträr verlaufen.
Meine erste, wenig spielbezogene Erklärung: die Programmierer haben sich oder ihnen nahestehende Personen (entfremdet) dargestellt, als Hommage. Mehr spielbezogen: mit ein bisschen Phantasie könnten alle dargestellten Personen Reinkarnationen der Charaktere im Spiel sein. Das Portrait ganz rechts erinnert schon ein wenig an Beruga, die anderen mögen Perel, Wong und König Henri in einer ihrer früheren Formen sein.
Ich habe auch an deine erste Erklärung gedacht, und die würde mich am meisten interessieren. Aber sicherlich ist es unmöglich, das herauszubekommen, wenn man schon (siehe oben) zu den Programmierern selbst nichts herausbekommt... irgendwo gerade bei Google habe ich einen Screenshot gefunden, wo es vereinzelte Versuche gab, die Bilder zu rekonstruieren, aber leider konnte ich die Seiten von hier aus nicht aufrufen... Ich schaue heute abend mal.
Danke für die Antwort, auf jeden Fall!
