Terranigma

Das SNES als klassische Rollenspiel-Konsole soll hier geehrt werden. Action-Adventures wie Zelda finden ebenfalls hier ihren Platz.
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Re: Terranigma

Beitrag von Commodore64 » 28. März 2012, 12:01

Hab mein Terranigma damals im ausverkauf von Karstadt für 15 DM gekauft. Entweder Super Tennis oder Terranigma, da ich RPGs gerne gespielt habe zu der Zeit hab ichs mitgenommen und wurde nicht enttäuscht. Habs ingesamt leider nur 1x durchgespielt. Aber das hat sich gelohnt. ^_^ ...

Finde nur das Ende ziemlich doof. :p

d4s
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Re: Terranigma

Beitrag von d4s » 3. April 2012, 10:47

Extrem schönes Spiel, bin gerade dabei, es durchzuspielen.
Wirklich interessieren würden mich mal Interviews mit den Entwicklern aus der Zeit.
Ausserdem ist mir aufgefallen, dass im Programmierteam auch eine Frau war, sehr ungewöhnlich.

Im Netz finde ich leider ziemlich wenig zu den einzelnen Personen - die hätten bestimmt viel zu erzählen.

Sehr schade finde ich, dass die deutsche Übersetzung ne Menge kaputt macht.
Selbst wenn man mal davon absieht, dass gefühlt jeder dritte Charakter "Holerö" sagt und dass es noch einige Rechtschreibfehler gibt; am schwersten wiegt IMHO, dass viele Sätze einfach unpassend übersetzt wurden.
Bei einigen Sätzen spürt man förmlich, dass der Übersetzende nicht wusste, in welchem Kontext diese im Spiel verwendet werden.
Ist im Prinzip ja nichts ungewöhnliches, als leidgeplagter Übersetzer (und da zähle ich mich durchaus zu, wenn auch nicht professionell) bekommt man oft nur ein seitenlanges Skript, in dem die Spieldialoge ohne erklärenden Kontext und oft auch noch in nicht-linearer Reihenfolge vermerkt sind.
Geradegebogen wird das dann im Rahmen der Qualitätssicherung, die beim Euro-Release dieses Spiels offensichtlich zu kurz kam.
Auffällig ist auch, dass abgesehen vom Dialogtext im technischen Bereich sehr wenig für die Lokalisierungen getan wurde: Keine längeren Namen für die Locations, nicht übersetzte Kanji für Spielerstatus sowie auf einigen Maps, unterste Scanline in den Zwischensequenzen usw.

Naja, Lektion gelernt, nächstes mal spiele ich dann wieder direkt auf japanisch.
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Re: Terranigma

Beitrag von ChronoMoogle » 7. Juni 2012, 17:24

Ich will auch unbedingt eines Tages die japanische Originalversion spielen und verstehen. Ich muss deinen Kritikpunkten an der Lokalisation generell zustimmen, auch wenn sie schon noch einen gewissen Charme versprueht.
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Re: Terranigma

Beitrag von lytron » 25. September 2012, 10:26

Um diesen Thread wieder da hinzubringen, wo er hingehört (nämlich nach ganz weit oben, huargh!) und eventuell eine never ending discussion loszutreten, und seis nur mit ChronoMoogle im Duett...

1) Eine der glorreichsten Sachen an Terranigma finde ich die Technik des Storytellings, durch geschicktes "Weglassen" von unnötigen Erklärungen überlässt man es dem Spieler, sich in die Figuren hineinzudenken/-fühlen. Das ist wesentlich effektiver als langatmige Monologe. Mann, was war ich getroffen, als der Widder schweigend vor der Wand stand!

2) In Terranigma wie auch in Illusion of Time ist der Handlungsverlauf stärker als bei einigen anderen Spielen darauf ausgelegt, dass der Fortschritt irreversibel ist. Bei Illusion of Time konnte man ab den Inkaruinen niemals zurück nach Südkap, bei Terranigma kann man mit vielen "Freunden" und Mitstreitern irgendwann nicht mehr reden ("fiep zwitscher träller").

3) "Fyda's Theme" taucht nur einmal in dem Spiel auf, nachdem man sie geheilt hat, oder? What a song! What - a - song!

4) Bin ich der einzige, der nie erkannt hat, dass es Fyda ist, die da auf dem Krankenbett lag, bis man sie geheilt hat und der normale Sprite auftritt?

5) Ich habe mich immer gefragt, wer die Leute auf den Porträts im Schlossfoyer in Spanien sind...

6) Ich habe neulich a Liederl von Astor Piazzolla gehört (ich glaube, es war eine Variante von Verano Porteño), wo ein Teil gegen Ende mich sehr stark an die Musik in Loire erinnert. Werde dazu nochmal heute abend recherchieren.
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Perikles hat geschrieben:Man muss sich das mal reinziehen: die Idee ist scheiße, die theoretische Ausarbeitung ist scheiße, die praktische Umsetzung ist scheiße und der so entstehende Anspruch noch beschissener.

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Re: Terranigma

Beitrag von Perikles » 25. September 2012, 11:42

Achtung, Spoiler! Wer den folgenden Beitrag liest, tut dies auf eigenes Zutun.
2) In Terranigma wie auch in Illusion of Time ist der Handlungsverlauf stärker als bei einigen anderen Spielen darauf ausgelegt, dass der Fortschritt irreversibel ist. Bei Illusion of Time konnte man ab den Inkaruinen niemals zurück nach Südkap, bei Terranigma kann man mit vielen "Freunden" und Mitstreitern irgendwann nicht mehr reden ("fiep zwitscher träller").
Zunächst einmal halte ich es für ein vergiftetes Lob, Terranigma auch nur im Ansatz mit IoT zu vergleichen, mögen beide Spiele Teil einer inoffiziellen Trilogie sein oder nicht. Trotz meiner Kritik etwas weiter hinten: Terranigma enthält einen klar abgesteckten Strauß an Themen, IoT knallt einfach Anspielungen und Topoi in die Erzählstruktur, ohne echte Bedeutung für die Geschichte (beispielsweise das Glücksspiel, die Sklaverei [ja, ich bin mir des optionalen Bossgegners und der Auflösung bewusst] und haarsträubende Anleihen aus der Mythologie [in einer buddhistischen Parabel wirft sich ein Hase ins Feuer, um Buddha als Nahrung zu dienen]) - bedauerlicherweise bemisst IoT dem Voranschreiten eben dieser Erzählung viel zu viel Zeit und scheitert darum grandios, Terranigma verliert zwar den Fokus gegen Ende hin, enthält aber trotzdem einen klar erkennbaren roten Faden.
Abgesehen davon möchte ich Deiner These in einem Punkt klar widersprechen: aus einer gewissen Perspektive heraus stellt Beruga den Fortschritt dar. Er weiß um das Geheimnis ewigen Lebens und scheut sich nicht davor, wertes und unwertes Leben zu unterscheiden, um eine Zivilisation nach seinen (resp. Dark Gaias) Vorstellungen zu formen. Sicher, das ist eine nach unseren Maßstäben sehr verdrehte Interpretation von Fortschritt. Aber immerhin handelt es sich um eine Vision, die von einer gottgleichen Entität ersonnen worden ist, die ihrem Namen zum Trotz nicht so abgrundtief bösartig ist, wie man es sich sonst vom Antagonismus eines Teufels ausmalt (immerhin führt dieser Plan erst zur Wiederherstellung der Erde). Offensichtlich wird dieser "Fortschritt" durch Ark zunichte gemacht. Nun könnte man - geschult an Heidegger - einwenden, dass es sich bei Berugas Modus Operandi um ein Werden handelt, der umgesetzte Fortschritt aber immer ein Sein darstellt und darin nicht negiert wird. Ehrlich gesagt bestätigt mich das aber nur in meiner Ansicht - dass Fortschritt in seiner zarten Blüte der Seinswerdung aufgehalten wird, zeigt umso drastischer, wie vergänglich dieser ist.
Übrigens: es ist sicher kein Zufall, dass ausgerechnet Neotokio, die mit Abstand am weitesten entwickeltste Stadt, von Asmodeus (eine sehr merkwürdige Namensgebung) ausradiert wird. Irreversibilität sieht anders aus.
5) Ich habe mich immer gefragt, wer die Leute auf den Porträts im Schlossfoyer in Spanien sind...

Meine erste, wenig spielbezogene Erklärung: die Programmierer haben sich oder ihnen nahestehende Personen (entfremdet) dargestellt, als Hommage. Mehr spielbezogen: mit ein bisschen Phantasie könnten alle dargestellten Personen Reinkarnationen der Charaktere im Spiel sein. Das Portrait ganz rechts erinnert schon ein wenig an Beruga, die anderen mögen Perel, Wong und König Henri in einer ihrer früheren Formen sein.

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Re: Terranigma

Beitrag von lytron » 25. September 2012, 12:09

Yeah, exakt sowas habe ich mir unter Never Ending Discussion vorgestellt! :D
Perikles hat geschrieben:Zunächst einmal halte ich es für ein vergiftetes Lob, Terranigma auch nur im Ansatz mit IoT zu vergleichen, mögen beide Spiele Teil einer inoffiziellen Trilogie sein oder nicht. Trotz meiner Kritik etwas weiter hinten: Terranigma enthält einen klar abgesteckten Strauß an Themen, IoT knallt einfach Anspielungen und Topoi in die Erzählstruktur, ohne echte Bedeutung für die Geschichte (beispielsweise das Glücksspiel, die Sklaverei [ja, ich bin mir des optionalen Bossgegners und der Auflösung bewusst] und haarsträubende Anleihen aus der Mythologie [in einer buddhistischen Parabel wirft sich ein Hase ins Feuer, um Buddha als Nahrung zu dienen]) - bedauerlicherweise bemisst IoT dem Voranschreiten eben dieser Erzählung viel zu viel Zeit und scheitert darum grandios, Terranigma verliert zwar den Fokus gegen Ende hin, enthält aber trotzdem einen klar erkennbaren roten Faden.
Ich schätze, das ist Interpretationssache.
Grundsätzlich halte ich es für besser, wenn es gewisse Themen- und Sachverhalte gibt, die dem Spieler freistehen, sich damit zu beschäftigen oder nicht. Wobei ich nicht sagen will, dass es bei IoT dem Spieler freisteht, die Sklaverei- und Glücksspielthematik zu umgehen - die lila Kapuzenmänner in Freejia sind genauso obligat wie die Partie Russisches Glas.
Außerdem finde ich sowieso sehr interessant, dass die Spiele mit einigem Abstand betrachtet und ohne exakte Beispiele im Kopf zu haben eine Grundaussage haben, eher das buddhistische Welt- und Glaubensbild fördern zu wollen. Begebe ich mich mit dieser Aussage jetzt auf hauchdünnes Eis? ;)
Perikles hat geschrieben:Abgesehen davon möchte ich Deiner These in einem Punkt klar widersprechen: aus einer gewissen Perspektive heraus stellt Beruga den Fortschritt dar. Er weiß um das Geheimnis ewigen Lebens und scheut sich nicht davor, wertes und unwertes Leben zu unterscheiden, um eine Zivilisation nach seinen (resp. Dark Gaias) Vorstellungen zu formen. Sicher, das ist eine nach unseren Maßstäben sehr verdrehte Interpretation von Fortschritt. Aber immerhin handelt es sich um eine Vision, die von einer gottgleichen Entität ersonnen worden ist, die ihrem Namen zum Trotz nicht so abgrundtief bösartig ist, wie man es sich sonst vom Antagonismus eines Teufels ausmalt (immerhin führt dieser Plan erst zur Wiederherstellung der Erde). Offensichtlich wird dieser "Fortschritt" durch Ark zunichte gemacht. Nun könnte man - geschult an Heidegger - einwenden, dass es sich bei Berugas Modus Operandi um ein Werden handelt, der umgesetzte Fortschritt aber immer ein Sein darstellt und darin nicht negiert wird. Ehrlich gesagt bestätigt mich das aber nur in meiner Ansicht - dass Fortschritt in seiner zarten Blüte der Seinswerdung aufgehalten wird, zeigt umso drastischer, wie vergänglich dieser ist.
Übrigens: es ist sicher kein Zufall, dass ausgerechnet Neotokio, die mit Abstand am weitesten entwickeltste Stadt, von Asmodeus (eine sehr merkwürdige Namensgebung) ausradiert wird. Irreversibilität sieht anders aus.
Ähm... sorry, aber ich glaube, grundsätzlich gab es hier ein grundlegendes Missverständnis. Mit "Fortschritt" meinte ich allein den Spielfortschritt, nicht den technischen Fortschritt der Menschheit ingame.
Mal ne ganz doofe Frage: Beschäftigst du dich hobby- oder studienmäßig mit Philosophie? Topoi ist so ein Begriff und Heidegger so eine Persönlichkeit, die man so selten im normalen Allgemeinwissen antrifft. ;)
Asmodeus: Ich bin so doof und gebe zu, dass ich nicht hundertprozentig weiß, was dein Kommentar in Klammern bedeutet, und vermute mal, dass es dir um die Schreibweise geht. Da es zu Zeiten der Übersetzung des Spiels noch kein Wikipedia gab, könnte es sein, dass man den Namen schlicht ohne Kenntnis seiner Bedeutung übersetzt hat. Oh, im Englischen wird er "Asmodeus" geschrieben, sehe ich gerade bei Wikipedia.
Dark Gaia: Es macht wohl auch den (inhaltlichen, philosophischen) Spaß an Terranigma/J-RPGs aus, dass es eben oft nicht dieses klassische Schwarz/Weiß-Muster bei Bösewichten und Helden gibt, sondern zwei Seiten meinen, den besten Weg zu haben, nur diese Wege konträr verlaufen.
Meine erste, wenig spielbezogene Erklärung: die Programmierer haben sich oder ihnen nahestehende Personen (entfremdet) dargestellt, als Hommage. Mehr spielbezogen: mit ein bisschen Phantasie könnten alle dargestellten Personen Reinkarnationen der Charaktere im Spiel sein. Das Portrait ganz rechts erinnert schon ein wenig an Beruga, die anderen mögen Perel, Wong und König Henri in einer ihrer früheren Formen sein.
Ich habe auch an deine erste Erklärung gedacht, und die würde mich am meisten interessieren. Aber sicherlich ist es unmöglich, das herauszubekommen, wenn man schon (siehe oben) zu den Programmierern selbst nichts herausbekommt... irgendwo gerade bei Google habe ich einen Screenshot gefunden, wo es vereinzelte Versuche gab, die Bilder zu rekonstruieren, aber leider konnte ich die Seiten von hier aus nicht aufrufen... Ich schaue heute abend mal.

Danke für die Antwort, auf jeden Fall! :)
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Perikles hat geschrieben:Man muss sich das mal reinziehen: die Idee ist scheiße, die theoretische Ausarbeitung ist scheiße, die praktische Umsetzung ist scheiße und der so entstehende Anspruch noch beschissener.

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Re: Terranigma

Beitrag von Perikles » 25. September 2012, 12:49

Grundsätzlich halte ich es für besser, wenn es gewisse Themen- und Sachverhalte gibt, die dem Spieler freistehen, sich damit zu beschäftigen oder nicht. Wobei ich nicht sagen will, dass es bei IoT dem Spieler freisteht, die Sklaverei- und Glücksspielthematik zu umgehen - die lila Kapuzenmänner in Freejia sind genauso obligat wie die Partie Russisches Glas.
Genau das ist es ja - weil diese Sachbereiche unumstößlich Teil der Erzählung sind, steht es mir als Spieler nicht frei, auszusuchen, ob ich mich darauf einlassen will. Es ist auch keineswegs so, dass ich grundsätzlich Zweifel daran habe, dass ein SNES-Spiel ernsthafte Themen wie Sklaverei abhandeln könnte, nur in dem bestehenden Rahmen von IoT wirkt das einfach deplatziert. Hätte man die Sklaverei aus dem Spiel genommen und eine beliebige andere Erklärung dafür gefunden, dass Will sich z.B. durch die Diamantenmine kämpft, es hätte niemand ernstlich vermisst.
Außerdem finde ich sowieso sehr interessant, dass die Spiele mit einigem Abstand betrachtet und ohne exakte Beispiele im Kopf zu haben eine Grundaussage haben, eher das buddhistische Welt- und Glaubensbild fördern zu wollen. Begebe ich mich mit dieser Aussage jetzt auf hauchdünnes Eis? :wink:
Auch hier ist die Frage weniger das Ob, sondern das Wie. Hamlets Selbstopfer (bequemerweise keine zehn Minuten vorher ist man mit ihm wieder zusammengetroffen) ist einfach ein Deus ex machina, ein notdürftiger Behelf, um hungernde, dem Kannibalismus nahe Kambodschaner darzustellen und irgendwie ein Gefühl von Verlust zu erzwingen. Die von Dir erwähnte Zibbe (der Widder ist das männliche Tier, ähnlich wie der Kuder den männlichen Luchs bezeichnet) in Terranigma hingegen zeigt, wie ein emotional nahegehendes Opfer dargestellt werden sollte, ohne künstlich zu wirken. Religionspädagogisch wertvoll ist ein brennendes Schwein in einem Videospiel wohl eher nicht. :wink:
Mit "Fortschritt" meinte ich allein den Spielfortschritt, nicht den technischen Fortschritt der Menschheit ingame.
Alles klar, das habe ich tatsächlich anders aufgegriffen.
Asmodeus: Ich bin so doof und gebe zu, dass ich nicht hundertprozentig weiß, was dein Kommentar in Klammern bedeutet, und vermute mal, dass es dir um die Schreibweise geht.
Ich meinte eigentlich den mythologischen Inhalt. Ich hätte das Virus ja - wenn es denn eine judäo-christliche Bezeichnung sein soll - Abaddon getauft, das wäre passender gewesen. Asmodeus schmiegt sich nicht wirklich der Bedeutung im Spiel an, mag aber auch an der Übersetzung aus dem Japanischen liegen, das schließe ich nicht aus.

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Re: Terranigma

Beitrag von ChronoMoogle » 25. September 2012, 14:56

Wieder Spoileralarm.

Asmodeus war (unter anderen) doch ein alternativer Name fuer den Teufel und in dem Kontext schon sinnvoll gewaehlt fuer ein Virus, das von einem teufelsgetriebenem Wissenschaftler entwickelt wurde.

Ich finde es uebrigens auch, dass die religioese Haltung (Buddhistisch, sollte es jemand echt nicht bemerkt haben) des Spiels fast schon provokant ist und schaetze es auf irgendeine Art auch.^^

1) Auch wenn die Dialogtiefe schon recht hoch ist fuer 16bit Verhaeltnisse macht Terranigma wirklich den perfekten Mittelweg zwischen Reden und Schweigen. Kuenstlerpausen erhoehen ja bekanntlich die Wirkung :) Und unterstrichen mit einen epischen Soundtrack erst recht xD So Dialoge wie in modernen RPGs wie Tales of Symphonia oder Golden Sun sind schon zu viel des Guten.

zu 2) In Terranigma sterben zwar Nebenfiguren, einige Dungeons werden durch das Bestreiten unbetretbar und das Kommunizieren mit anderen Lebensformen wird behindert aber es gibt keinen echten Point of No Return. Selbst in die Unterwelt kommt man wieder, auch wenn nichts mehr so ist, wie es mal war.
Nebenbei ein ziemlich verstoerendes Spielerlebnis, wie ich finde. Terranigmas Spiel mit der Vergaenglichkeit ist aber allgemein ein sehr wichtiges Storyelement, wie ich finde.

3) Wahrlich ein erinnerungswuerdiges Theme. Fyda und Lloid sind eh ein Meisterbeispiel wie das Spiel mit kleinen Dialogfetzen und einbrennenden Themes unglaublich tolle Charaktere schaffen kann.

4) Das habe ich jetzt ehrlich gesagt nicht als "Aha!"-Moment in Erinnerung...

5) Zu den Oelgemaelden habe ich mal irgendwo was gelesen, finde die Seite aber nicht mehr. Ein bisschen intensives Googlen koennte sich eventuell lohnen...

6) Mit seinen ganzen kulturellen Einfluessen wuerde mich sowas nur im geringsten bei Terranigma wundern ;)
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Re: Terranigma

Beitrag von Perikles » 25. September 2012, 16:49

Asmodeus war (unter anderen) doch ein alternativer Name fuer den Teufel und in dem Kontext schon sinnvoll gewaehlt fuer ein Virus, das von einem teufelsgetriebenem Wissenschaftler entwickelt wurde.
Das ist heute der Fall, aus der zoroastrischen Überlieferung heraus ist Asmodeus einer von mehreren Gegenspieler der Frommen, die auf dem tugendhaften Pfad wandeln und Erleuchtung suchen. Wichtig ist, dass Dämonen wie Asmodeus (ähnlich wie die Menschen) ambivalent sind; aufgrund mangelhaft ausgebildeter Urteils- und Erkenntnisfähigkeit sind sie ebenso Opfer wie Täter in der bösen Tat, bisweilen verrichten sie sogar (ungewollt) Gutes, trotz ihrer gottgleichen Eigenschaften.
Nun ließe sich raffiniert anführen, dass man Asmodeus in Terranigma auch als ambivalent sehen kann: zum einen als Verbrämung für Fortschritt (Berugas vorgebliches Motiv), zum anderen als (ungewollte?) Verbesserung der irdischen Verhältnisse, da Neotokio nicht nur technologisch am fortschrittlichsten, sondern auch von natürlichen Bedürfnissen am weitesten entfernt gewesen ist. Mit der Interpretation könnte ich arbeiten, ist vielleicht aber etwas zu weit hergeholt.
Ich finde es uebrigens auch, dass die religioese Haltung (Buddhistisch, sollte es jemand echt nicht bemerkt haben) des Spiels fast schon provokant ist und schaetze es auf irgendeine Art auch.^^

Magst Du ausführen, inwieweit Du eine Beinahe-Provokation in dem Spiel siehst? Die relativ gleichmütige Art und Weise, mit der sich die Beteiligten, die den Tod vor Augen haben, damit abfinden? Der (zugegebenerweise etwas naive) Kontrast zwischen der oftmals fälschlich benutzten Technologie und der moralischen Überlegenheit der urtümlichen Lebensformen? Es ist halt recht schwer, mit dem Buddhismus zu provozieren, ohne seinen Sinngehalt zu verkehren.

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Re: Terranigma

Beitrag von lytron » 25. September 2012, 17:40

Perikles hat geschrieben:Hätte man die Sklaverei aus dem Spiel genommen und eine beliebige andere Erklärung dafür gefunden, dass Will sich z.B. durch die Diamantenmine kämpft, es hätte niemand ernstlich vermisst.
Sagen wir, es war trotzdem eine gute storymäßige Vorlage, in die Mine zu gehen. ;)
Interessant finde ich, was ihr ja sowieso alle schon wisst (bzw. wisst, dass es falsches Halbwissen ist! :D ) : IoT wurde AFAIK von einem Fernseh-Drehbuchautoren geschrieben? Als ich das vor Jahren mal las, hat das für mich erklärt, warum dieses Spiel mir seit jeher linearer als alles andere aus dem RPG/Action-Adventure-Lager vorkam.
Interessant in dem Zusammenhang: Shigeru Miyamoto sagte mal in einem Interview, das im... Stern, meine ich, abgedruckt war, dass er die Story für Zelda-Spiele um die zuvor erdachten Herausforderungen strickt. Da komme ich jetzt drauf, weil man dann hier sagen könnte, man habe die Sklavenstory dort auch nur eingebunden, um ein weiteres Dungeon einstreuen zu können (in der Tat ist es da dann doch sehr nötig, der zweite Kontinent ist mir irgendwie als der Action-Ärmste in Erinnerung geblieben...).

Thema Buddhismus-Werbung:
Das naheste Beispiel, das mir dafür einfällt, ist Seth in IoT. Insgesamt ist die Wiedergeburt auch in ein Cutscenes der Trost, der dem Spieler bei allem Leid gegeben wird, dem Ark (oder Will) begegnet. Das Ende von Illusion of Time schlug doch sehr in die Kerbe, meine ich mich zu entsinnen (is verdamp' lang her...).

Astor Piazzolla:
Ich hab es! Ich hab es!
Es war allerdings "Invierno Porteño", und zu eurer Info, bevor ihr jetzt in den CD-Laden stürmt: Es ist bei weitem nicht in jeder Aufnahme drin. Anscheinend hat er das erst in einer späteren Fassung "eingefügt":

Am besten ab 5:00 hören, kommt etwa ab 5:15:

Ich könnte mich aber auch tierisch irren, und sowohl Piazzolla als auch Terranigma ahmen einfach nur den Pachelbel Kanon in D-Dur nach. :D
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Perikles hat geschrieben:Man muss sich das mal reinziehen: die Idee ist scheiße, die theoretische Ausarbeitung ist scheiße, die praktische Umsetzung ist scheiße und der so entstehende Anspruch noch beschissener.

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Re: Terranigma

Beitrag von ChronoMoogle » 22. Oktober 2012, 00:54

Wie sich auf Seite 2 dieses Threads herausgestellt hat, gibt es wohl auch eine Satellaview Version von Terranigma, bei dem es sich nicht um dasselbe Spiel wie das Retailrelease handelt (32mbit), die Satellaview Cartridges koennen naemlich nur 8mbit abspeichern.

Ich hoffe wirklich, dass die Rom eines Tages auftaucht...!

Anbei... moechte jemand vll das hier mal ersteigern und einscannen? So quasi als Erhaltung fuer die Ewigkeit xD Die wurden damals nur an Haendler rausgegeben. (ich wuerde es mir auch gaaaanz sicher nicht von einem Copyshop fuer die Hauswand daheim nachmachen, ganz bestimmt nicht [/ironie])
http://www.ebay.de/itm/Terranigma-Super ... 4abcaf8ea8
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Re: Terranigma

Beitrag von Perikles » 5. März 2013, 22:45

Was haltet ihr eigentlich davon, Terranigma einmal gegen den Strich zu bürsten und als biblische Geschichte zu lesen? Der Indizien gibt es reichlich, hier sind mal ein paar Sachen, die mir spontan einfallen (und wieder eine Spoilerwarnung, einiges wird verraten; ich betone außerdem noch einmal, dass ich die englische Version von Terranigma zugrundelege, wenn es im japanischen Original anders ist, dann bin ich für Korrekturen dankbar):

- Ark ist natürlich der Name der Arche im Englischen und wird auf die Arche Noah anspielen. Im allegorischen Sinn trägt Ark wie die Arche das Leben in eine neue Welt, die von göttlicher Strafe verwüstet worden ist. Zu weit auseinander liegen diese Lesarten nicht.

- Es wird ausdrücklich erwähnt, dass Dark Gaia der Teufel ist. Da liegt es nahe, auch den anderen Figuren eine entsprechende Rolle zuzuordnen: Light Gaia ist Gott, Light Yomi eine Art von Heiligem Geist, Dark Yomi eindeutig der falsche Prophet, wie er in der Offenbarung des Johannes auftaucht. Beruga ist eine Art Antichrist, der ein schauriges Ende durch eine Klinge nimmt und dem keiner beisteht. Elle ist ein Wortspiel: "eloi" resp. "elohim" ist im Hebräischen die Ansprache für Gott.

- Light Ark ist an einem Ort begraben, der mehr als nur ein wenig an Golgatha (zu deutsch: Ort des Schädels) erinnert, was unzweifelhaft die Jesus-Parallele ins Bild rückt.

- Während Dark Ark stirbt, sieht er noch einmal die ganze Welt in Form einer weißen Taube. Auch hier besteht ein starker Symbolgehalt sowohl bei dem Tier als auch bei der Aktivität, immerhin verspricht Jesus seinen Jüngern, immer über sie zu wachen, selbst nach dem Untergang der Welt.

- Zuvor verschmelzen Light Ark und Dark Ark in ein gemeinsames Wesen, was zumindest eine Dualität darstellt und die heilige Trinität andeuten könnte.


Was meint ihr? Einige Dinge sind vielleicht etwas zu weit gegriffen, andere scheinen mir sehr plausibel. Da Quintet eine Vorliebe für religiöse Anspielungen hat, wäre das auch nicht zwingend Überinterpretation, nur eine mögliche Auslegung.

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Re: Terranigma

Beitrag von lytron » 6. März 2013, 05:36

Ich denke, dass man da hineininterpretieren kann, was man will. ;)

Ich gehe nicht davon aus, dass soetwas gemeint ist, aber bei vielen "Heldengeschichten" die Möglichkeit besteht, das hineinzusetzen.

Wenn du so weitermachen möchtest:
- Der Protagonist als Messias stirbt und hat eine Wiederauferstehung.
- Diese Wiederauferstehung kann man, im Gegensatz zum biblischen "Vorbild", auch als Befreiung einer dunklen, "sündigen" Seite betrachten.
- Genauso kann man die gesamte Unterweltmission als "Noah-/Christus-Mission" ansehen - Seelen retten.
- Dem Messias gleich verlässt der Held seinen Herkunftsort, um die Welt zu retten, und kehrt schlussendlich dorthin wiederzurück. Für den Endkampf.
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Re: Terranigma

Beitrag von ChronoMoogle » 9. März 2013, 00:02

Ich denke, die Interpretation ist alleine schon deswegen mehr als stellenweise plausibel, weil das Spiel in Japan denselben Namen traegt wie die Bibel.
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Mal ganz kurz was anderes... kann jemand die ISBN dieses Buches herausfinden?
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Re: Terranigma

Beitrag von phity » 27. Juli 2013, 17:56

Hallo, obwohl ich hier sehr neu bin, möchte ich hier mal kurz was loswerden:

Ich habe mir heute am Flohmarkt ein Terranigma-Modul zugelegt.

Also ab nach Hause und rein in die Konsole - was für ein Backflash!
Mir kamen fast schon die Tränen. Alleine die Musik und der Anfang der Geschichte ließen so viele Erinnerungen hochkommen.
Und obwohl ich viel älter geworden bin, erfreue ich mich an dem großartigen Gameplay. Es macht einfach höllisch Spaß rumzusliden, rumzuhüpfen und die Gegner zu schnetzeln. Ein tolles Spiel.

Ich stehe noch ganz am Anfang (Grade den 4. Turm gemacht), aber freue mich auf jede einzelne Minute die noch kommt. War eine gute Entscheidung mir dieses Spiel wieder zuzulegen, denke ich. Ich kann mit den neuen Konsolen und den Spielen eher wenig anfangen, irgendwie fehlt mir da der charme der alten Zeiten....vielleicht ists aber auch nur die Nostalgie, wer weiß.
Ich werde hier nochmal posten wenn ich weiter bin, aber wollte das einfach mal loswerden hier. Ich habe erst seit einigen Tagen wieder eine SNES und habe mich tierisch gefreut, als ich dieses Forum fand. Ihr scheint mir eine nette Community zu sein, die meine Leidenschaft für die Klassiker teilt. Ich werde mich gerne mit einigen Reviews oder ähnlichem beteiligen(wenn ich sie dann wieder durch hab).

Und noch kurz: Als ich mir das Modul gekauft habe, wollte mir der Verkäufer doch glatt ne N64 verkaufen. Als ich ihm gesagt habe dass ich gerne erst die alten Spiele zocken will, bevor ich mir ne NextGen Konsole kaufe, hat er nur verdutzt geschaut :spassbremse:

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