Ys V: Kefin, Lost City of Sand

Das SNES als klassische Rollenspiel-Konsole soll hier geehrt werden. Action-Adventures wie Zelda finden ebenfalls hier ihren Platz.
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Ys V: Kefin, Lost City of Sand

Beitrag von Seven Force » 8. April 2016, 00:44

Ys V: Kefin, Lost City of Sand
1995 (Japan)
Entwickler: Nihon Falcom
Publisher: Nihon Falcom
Andere Versionen: PlayStation 2

Ys V Expert
1996 (Japan)
Entwickler: Nihon Falcom
Publisher: Koei

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Die Ys-Serie gehört für mich schon seit langem zum absolut besten was das Action-RPGs Genre zu bieten hat. Leider konnte Ys auf dem SNES nie so glänzen wie auf PC Engine, PC oder PSP. Ys III: Wanderers from Ys ist eine ziemlich blasse Portierung, während Ys IV: Mask of the Sun hinter seinem gigantische PC Engine Cousin Ys IV: Dawn of Ys (beides komplett unterschiedliche Spiele) das nachsehen hat. Wie ist es also um den SNES-exklusiven fünften Teil bestellt?

Ys V: Kefin, Lost City of Sand, inzwischen von AeonGenesis ins Englische übersetzt, hebt sich deutlich von seinen Vorgängern ab, und schlägt gleichzeitig die Brücke zu den modernen 3D Ys Spielen, die ab Teil VI kamen. Wer Action RPGs wie Zelda oder Illusion of Gaia (letzteres vom früheren Ys-Team entwickelt) mag, wird sich hier sofort gut aufgehoben fühlen. Held Adol erforscht eine Überwelt und Dungeons auf der Suche nach einer sagenumwobenen, verschollenen Zivilisation, und besucht zwischendurch Städte und Siedlungen um die Handlung voranzutreiben.

Ys V setzt sich ziemlich von seinen Vorgängern ab. Statt wie bisher die Gegner zu rammen schwingt ihr per Knopfdruck das Schwert oder blockt mit eurem Schild. Außerdem habt ihr die Fähigkeit zu springen, gleichzeitig lassen die Höhenunterschiede, Platformen und Klüfte die Umgebungen plastischer wirken (was den Weg in Richtung moderne 3D-Ys-Spiele weist).

Grafik und Sound sind auf konstant gehobenem Niveau. Die Landschaften und Tempelanlagen sind klar und detailreich gezeichnet, warten aber ohne besondere Effekte auf und ein paar mehr Gegnersprites hätten nicht geschadet. Der in typischer SNES-RPG-manier klassisch arrangierte, und mit zahlreichen Stücken ausgestattete Soundtrack kann kompositorisch absolut mit anderen Ys Spielen mithalten und gehört für mich zu einer der großen Stärken des Spiels.



Der Plot dreht sich mal wieder um eine untergegangene Hochkultur, deren verloren geglaubten technischen Errungenschaften sich dunkle Mächte zu eigen machen trachten — typisches JRPG-Material also. Besonders gut haben mir jedoch die zahlreichen Nebenhandlungen und interessanten NPCs (immer schon eine stärke der Serie) gefallen. Von der Gaunerbande zu dem Geist eines Alchemisten gewinnt man hier zahlreiche Figuren lieb. Die Fan-Übersetzung von AeonGenesis ist hier besonders zu loben.

Bedenkt man die relativ kurze Spielzeit von ca. 8h bekommt man also einiges an Inhalten geboten. Positiv fällt außerdem die Instant-Save Option auf. Optimales Zockerprojekt für einen regnerischen Sonntagnachmittag also. ;)

Was mich aber auch zu meinen Kritikpunkten bringt:

- Das Spiel ist wirklich sehr einfach. Ich glaube ich habe den Schild kein einziges Mal verwenden müssen und die Bosse kriegt man, falls überhaupt erforderlich, mit Potion-spamming sofort in den Griff.

- Das Kapfsystem ist verglichen mit anderen Action-RPGs auf dem SNES sehr simpel. Keine Charge Attacks. Keine Combos. Keine Specials. Nur Schwerthiebe.

- Es gibt ein Alchemie-System, in dem man aus verschiedenen Elementar-Items Zauber kreieren kann. Der einzige Haken: Viele Zauber haben eine lange Anlaufphase und sind obendrein nicht besonders wirkungsvoll. Nach ein wenig Experimentiererei haben ich das ganze einfach sein lassen und mich allein mit dem Schwert durchgekämpft da ohnehin schneller und effektiver.

Falcom nahm sich diese Kritikpunkte offenbar zu Herzen und lieferte ein paar Monate nach Release Ys V Expert nach, welches im Prinzip den Hard-Mode des Spiels darstellt. Dennoch: Ys V wurde bei seiner Veröffentlichung eher verrissen. Die von CD-Audio und Anime-Cutscenes verwöhnte Ys-Fans wollten sich nicht recht mit einem Modul anfreunden. Zudem sorgte die Ankündigung, dies solle das letzte Ys-Spiel werden für Unmut. So hatte man sich das Finale der Serie nicht ausgemalt.

Aus der heutigen Warte betrachtet, führte das Spiel jedoch durchaus sinnvolle Neuerungen in die Serie ein, die ironischerweise sogar deren Fortbestand sicherten. Viele Ideen wurden in Ys VI: The Ark of Napishtim weiterentwickelt und deutlich verbessert (und sogar die Gaunerbande bekommt wieder einen Auftritt). Und auch Ys V erhielt 2006 ein 3D-Remake für PS2.

So gesehen kann man Ys V als eine Art Übergangs-Ys betrachten. Nicht ohne Macken und auch ohne die Höhenflüge früherer Teile, aber gut gealtert und für sich genommen ein absolut brauchbares und unterhaltsames Action-RPG.

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Re: Ys V: Kefin, Lost City of Sand

Beitrag von Radagast » 8. April 2016, 07:29

Schöne Zusammenfassung. Habe mir sofort die englische Translation geladen. Frage vorab: ist die Serie arg textlastig? Oder steht der Aktionsteil im Vordergrund? Wie sich das nämlich liest, wäre Ys durchaus ein Grund, noch einmal in die rollenspieligen Gefilde zurückzukehren.

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Re: Ys V: Kefin, Lost City of Sand

Beitrag von Seven Force » 8. April 2016, 11:53

Es gibt zwar immer eine mehr oder weniger komplexe Handlung und zahlreiche NPCs (tatsächlich ist das auch einer der Aspekte weswegen die Serie so bahnbrechend war und sich von den Alibi-Stories eines Zeldas oder Dragon Quests abhebte), aber bei Ys steht definitiv stets die Action im Vordergrund. Also kein Trails in the Sky, wo man erstmal 2 Stunden Exposition durchleben muss bevor man überhaupt irgendwas machen kann. ;)

Und als PC Engine Besitzer gehört Ys Book I&II meiner Meinung ohnehin zum Pflichtprogramm! :)

Wer gerne bei den neueren Ys einsteigen will, fängt am besten mit Oath in Felghana (PSP, PC), das Remake des dritten Teils, an, welches meines Erachtens durchweg von arcadigen Qualitäten durchzogen ist.

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