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 Betreff des Beitrags: Plok
BeitragVerfasst: 14.01.2014 13:45 
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Nun gut, ein Review habe ich fürs erste noch. Bevor ich mich an die Texte zu den anderen Spielen mache, möchte ich zu den bisher eingereichten Artikeln erst ein paar Bilder ergänzen.


Plok

Genre: Jump 'n Run
Entwickler: Software Creations
Publisher: Nintendo / Tradewest
Release: 1993



Mann, hast du ne Fahne!

Ja, oder auch nicht! Dem Hauptprotagonisten und Namensgeber des Spiels ist nichts so wichtig wie sein Ansehen. Kein Wunder, der miesgelaunte Kerl schimpft sich selbst König des Inselarchipels Poly-Ester. Und zum richtigen Ansehen gehört natürlich auch ein Banner von Format. Doch, oh weh, irgendwer hat Plok die Fahne vom Dach seiner Hütte geklaut. Da staunt der Gute nicht schlecht und auch die Stimmung hängt nun auf Halbmast. Capture The Flag im eigentlichen Sinne - das riecht gewaltig nach Ärger. Und die erste Anlaufstelle sind die gemeinen Pogo-Brüder, die auf der Nachbarinsel Pota Pota hausen. Also denn, den Ranzen geschnürt und auf geht's in ein großes Abenteuer mit toller knallbunter Präsentation und vielen herrlich beknackten Ideen.

Plok wurde von Software Creations erdacht und entwickelt; ein recht umtriebiges Entwicklerteam, das bereits in den Achtzigern diverse Spiele für allerlei Konsolen und Heimcomputer programmiert hat. So finden sich Titel wie Bubble Bobble, Ghouls 'n Ghosts oder Bionic Commando als Ableger für den Atari ST oder Amiga in der Liste wieder. Zudem stößt man im Fundus von Software Creations auf reichlich Kuriositäten wie Mario Is Missing oder Barbie: Super Model, die vielleicht nicht immer unbedingt auf hervorragende Spielbarkeit oder einen tieferen Sinn setzen, sondern als teils sehr eigenartige Stilblüten nur am Rande aufgefallen sind. Kein Wunder also, dass auch Plok ein ziemlich schrulliges Spielerlebnis ist, das darauf schließen lässt, dass die Macher entweder zu wenig oder zu viel geraucht hatten.

Das Spiel beginnt handzahm - in jeglicher Hinsicht. Die ersten Stages auf Pota Pota sind kurz und bündig. Man hat zunächst das Gefühl, es handele sich um ein x-beliebiges Jump 'n Run ohne nennenswerte Höhen und Tiefen. Man läuft von links nach rechts, sammelt Muscheln ein und besiegt ein paar putzig animierte Gegnersprites. Die Bewaffnung des Helden ist jedoch interessant. Plok kämpft buchstäblich mit Händen und Füßen. Er schleudert den Gegnern seine Gliedmaßen direkt entgegen. Schon bald treten auch einige besondere Features auf den Plan. Geschenkboxen, deren Inhalt Plok kurzzeitig mit einer besonderen Waffe ausstaffieren. So erhält er beispielsweise eine Schrotflinte oder einen Flammenwerfer. Zudem gibts Bonusspiele mit verschiedenen Fahrzeugen. Erreicht Plok das Ziel innerhalb einer gewissen Zeit, dann darf er ein paar Level überspringen. Doch hier ist bei weitem noch nicht Schluss! Pota Pota und der Kampf gegen die garstigen Pogo-Brüder sind bestenfalls als Warm-Up zu verstehen. Der eigentliche Schrecken folgt auf dem Fuße: Als Plok seine Heimat erreicht, muss er feststellen, dass die fiesen Flöhe seine Abwesenheit nutzten, um sich auf der Insel breit zu machen. Das geht ja mal gar nicht!

Ploks Rückkehr zu seiner Heimatinsel ist der Moment, in dem sich die Mechanik vollends entfaltet. Das Spiel schlägt nun eine ganz andere Marschroute ein. Bisher waren die Stages kurz und geradlinig. Das Ziel war stets mit dem Fahnenmast erreicht. Dieser gilt zwar weiterhin als Endpunkt der Level, allerdings muss der Spieler zunächst alle Flöhe beseitigen, bevor er die Siegesfahne hissen darf. Aus den kurzen Stages auf Pota Pota werden nun komplexe Karten, auf denen die gegnerischen Flöhe geschickt platziert wurden, um dem Spieler so einiges an Können abzuverlangen. Es kommen sogar richtig neckische Aufgabenstellungen hinzu. Nicht nur, dass es neben den Flöhen reichlich andere Gegner und Fallen gibt, auch Rätseleien mit Zielscheiben sind zu meistern. Das ist richtig gut ausgetüftelt und ins Leveldesign eingeflochten. Schleudert Plok nun einen seiner Arme oder Beine auf diese Zielscheibe, dann wird der Weg entweder dauerhaft freigegeben oder es dient eine Plattform als Aufzug. Amputation nach Maß! Die nun fehlenden Gliemaßen hängen irgendwo im Level an einem Kleiderbügel und warten auf Abholung. Daraus ergeben sich natürlich so manche Geschicklichkeitsprüfungen. Später gibt es sogar Zielscheiben, die man nur mit einem Arm oder einem Bein treffen kann. Es wird dann sogar darauf bestanden, dass man zeitweise ohne Arme oder besser noch ohne Beine vorankommt. In letzterem Falle erinnert das Ganze jedoch ein wenig an Sackhüpfen. Dass das nicht wehtut ist echt ein Wunder, aber hey.

Nun sind die Level zunehmend umfangreich und konfrontieren einen immer wieder mit neuen Hürden, die gemeistert werden wollen. Das alles ist echt gelungen. Bis zum Ende hin will der Einfallsreichtum der Entwickler nicht versiegen. In späteren Abschnitten nutzt man das magische Amulett von Opa Plok, um sich in ein Sägeblatt zu verwandeln und so die Gegner einfacher zu besiegen. Natürlich wird der Spieler, bevor jenes Amulett von Plok gefunden wird, in die Welt von Opa Plok versetzt und muss in seiner Haut die Insel Nostalgia auf den Kopf stellen. Zwischen den einzelnen Szenarien wird das Geschehen von Plok in mehr oder minder muffeliger Stimmung kommentiert. Die teils witzigen Einschübe lockern das Spiel zusätzlich auf. Immerhin muss Plok selbst feststellen, dass das Beseitigen der Flöhe in eine ganz schöne Arbeit ausartet. Hinzu kommen spannende und reichlich fordernde Bosskämpfe. Insgesamt ist das Spiel nicht gerade leicht, obwohl man dank reichlich vorhandener Muscheln stets mit Extraleben versorgt wird. Zwar spendierten die Entwickler dem Spieler einen leichten Modus, wirklich durchspielen kann man es jedoch nur auf normalem Schwierigkeitsgrad. Dieser verlangt dem Spieler in den letzten Stages alles ab. Um sich der bösen Flohkönigin annähern zu können, darf Plok verschiedene Fahrzeuge in reichlich haarigen Hindernisparcours benutzen. Zwar lassen sich die Fahrzeuge nicht immer einwandfrei durch die Gegend manövrieren, aber auch hier kommt man mit entsprechender Übung und vor allem Durchhaltevermögen weiter.

So bizarr die spielerischen Einzelheiten des Spiels klingen, so außergewöhnlich ist auch die audiovisuelle Umsetzung. Der Grafikstil ist schlichtweg superb. Die teils enorm großen Sprites sind knallbunt gezeichnet und vorzüglich animiert. Die Vorder- wie Hintergründe sehen einfach nur toll aus und warten mit absoluter Eigenständigkeit auf. Obwohl jeder Level einen gänzlich eigenen Look hat, wirkt die Grafik wie aus einem Guss. Es gibt keinerlei Versatzstückchen, die aus dem Rahmen fallen oder auch nur den Hauch von Mittelmäßigkeit im Design. Selbst die Schwarzweiß-Optik auf Nostalgia ist klasse. Opa Plok mit seinem Rauschebart wirkt als Figur nicht weniger kultig als sein Enkel. Auch die (End-) Gegner können sich allesamt sehen lassen. Toll!

Zur Musik braucht man eigentlich kaum mehr sagen als gerade mal zwei Worte: Tim Follin! Der Kerl ist einfach wahnsinnig. Klar, C64-Veteranen kennen den britischen Musiker seit eh und je. Die Soundtracks für Ghouls 'n Ghosts oder auch das NES Abenteuer Solstice genießen einen absoluten Kult- und Klassikerstatus unter den Videospielefans. Bei Plok hat man das Gefühl, dass der Mann ein Register seines Schaffens bis hierhin zieht. Progressive Rockmusik mit jazzlastigen Tendenzen bis hin zu folkloristischer Note. Sehr atmosphärische und ausgefeilte Kompositionen treffen auf spektakuläre und aufwendige Arrangements. Die Musik ist nicht einfach nur nett geschrieben, sie klingt auch geradezu hervorragend. Die Titelmelodie für sich klingt kaum nach dem knarzigen SNES-Soundchip, sondern fast nach einer echten Band. Für jede Situation gibts die tatsächlich passende Hintergrundbeschallung - selbst Opa Plok bekommt mit einer nahezu leiernden Polka gehörig den Marsch geblasen. Schlichtweg perfekt!

Plok erschien Ende 1993 in Deutschland. Ich hatte damals noch kein SNES. Als ich aber in einer Zeitschrift den Artikel über das Spiel las, musste ich unbedingt auch so ein 16-Mbit-Monster haben. Und als ich die Kiste dann endlich bekam und auch Plok mein Eigen nennen durfte, war ich sofort von seiner spielerischen Größe fasziniert. Plok ist einfach ein Erlebnis. Ein großartiges Jump 'n Run mit riesigem Umfang, hervorragenden Ideen und einer vorzüglichen Präsentation. Die kunterbunte Grafik besticht durch einen wunderschönen Stil, der Soundtrack ist einfach herrlich und stimmig, das Gameplay ist tiefschürfend und durchdacht. Was kann jetzt noch vom Zücken der Höchstwertung abhalten? Für meine Begriffe lediglich der enorm hoch angesiedelte Schwierigkeitsgrad, der mit dem kindlich-verspielten Design nicht konform läuft. Zwar sind die Level mit etwas Übung schaffbar, so mancher Sieg über die Minibosse ist allerdings weniger 'ne Frage des Könnens, sondern setzt unter Umständen eher Glück voraus. Die Flohgrube zieht sich zum Schluss dann ein wenig in die Länge - bei dem Umfang wäre es nett gewesen, hätten die Entwickler den Spielern das ein oder andere Passwort gegönnt. Für mich persönlich ist Plok dennoch eines der besten Spiele der SNES-Ära, da es - trotz hohem Schwierigkeitsgrad - sehr gut spielbar ist und sich dank seines ausgefeilten Leveldesigns und der tollen Features locker über das Groß des Jump 'n Run-Einerleis hinwegsetzt.

Gesamtwertung: 9
Grafik: 10
Sound: 10
Spielspaß: 9


Zuletzt geändert von Horst_Sergio am 14.01.2014 21:22, insgesamt 1-mal geändert.


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Sebel hat geschrieben:
Jeder Horst muss seine Pups-Sammlung präsentieren...

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 Betreff des Beitrags: Re: Plok
BeitragVerfasst: 14.01.2014 13:52 
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Toll geschrieben und macht Lust auf mehr. Vor Jahren habe ich Plok mal angetestet. Muss ich wohl mal wieder tun.



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 Betreff des Beitrags: Re: Plok
BeitragVerfasst: 14.01.2014 14:26 
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Ist auch nicht wirklich teuer. Hab ich vor kurzem für 8,50 Euro ersteigert, vermutlich geht es auch noch günstiger. Vorgestern ist eins für nen Euro weniger weg gegangen. Solides Spiel für wenig Geld.



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 Betreff des Beitrags: Re: Plok
BeitragVerfasst: 14.01.2014 15:59 
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Unten angehängt findet sich... wir wissen, wie der Satz endet.

Diesen Deinen (wiederum exzellent durchgetakteten!) Bericht habe ich mit besonderem Vergnügen gelesen, da Plok auch für mich eines der ersten SNES-Spiele gewesen ist, folglich ein alter Bekannter. Konsequentermaßen flackerten mir bei Deiner Erzählung wieder Szenen aus dem Spiel vor Augen, wie sie mich weiland beeindruckten.

Der einzige Pferdefuß Ploks (den vielleicht nur ich so empfinde, obwohl es mir schwer fällt, das zu glauben), der vielleicht thematisiert werden sollte, ist für mich die Flohgrube, die immerhin einen beträchtlichen Teil des Spiels einnimmt. Ich stimmte Dir unbesehen zu, dass das Jump 'n Run Plok eine hohe, wenn nicht die höchste Wertung verdient hat. Du beschreibst ja die angenehme Lernkurve, die es einem ausdauernden Spieler ermöglicht, die späteren Einlagen mit dem erworbenen Wissen zu meistern. Leider wird das nach meinem Empfinden alles mit der unsäglichen Flohgrube aus dem Fenster geworfen, die durch kaum kontrollierbare Vehikel, hakelige Kollisionsabfrage und schlechterdings langwierig-langweilige Herausforderungen glänzt (hier bin ich etwas mehr ins Detail gegangen). Über die anderen kleinen Unstimmigkeiten könnte ich hinwegsehen, ich müsste indes leugnen, wenn ich behauptete, dass die Flohgrube mich nicht defätistisch stimmte. Maßgeblich deswegen käme Plok bei mir über eine 7/10 nicht hinaus, wobei ich für das "Hauptspiel" objektiv (subjektiv nicht mehr, da sich mein Brennpunkt bzgl. des Lieblingsgenres verlegt hat) womöglich sogar eine Höchstwertung vergäbe. Bist Du da grundsätzlich anderer Ansicht oder ist das für Dich insgesamt nicht so ausschlaggebend?

versteckter Inhalt:
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Ja, oder auch nicht! Dem Hauptprotagonisten und Namensgeber des Spiels ist nichts so wichtig wie sein Ansehen. Kein Wunder, der miesgelaunte Kerl schimpft sich selbst König des Inselarchipels Poly-Ester. Und zum richtigen Ansehen gehört natürlich auch ein Banner von Format. Doch, oh weh, irgendwer hat Plok die Fahne vom Dach seiner Hütte geklaut. Da staunt der Gute nicht schlecht und auch die Stimmung hängt nun auf Halbmast. Capture The Flag im eigentlichen Sinne - das riecht gewaltig nach Ärger. Und die erste Anlaufstelle sind die gemeinen Pogo-Brüder, die auf der Nachbarinsel Pota Pota hausen. Also denn, den Ranzen geschnürt und auf geht's in ein großes Abenteuer mit toller knallbunter Präsentation und vielen herrlich beknackten Ideen.

Plok wurde von Software Creations erdacht und entwickelt; ein recht umtriebiges Entwicklerteam, das bereits in den Achtzigern diverse Spiele für allerlei Konsolen und Heimcomputer programmiert hat. So finden sich Titel wie Bubble Bobble, Ghouls 'n Ghosts oder Bionic Commando als Ableger für den Atari ST oder Amiga in der Liste wieder. Zudem stößt man im Fundus von Software Creations auf reichlich Kuriositäten wie Mario Is Missing oder Barbie: Super Model, die vielleicht nicht immer unbedingt auf hervorragende Spielbarkeit oder einen tieferen Sinn setzen, sondern als teils sehr eigenartige Stilblüten nur am Rande aufgefallen sind. Kein Wunder also, dass auch Plok ein ziemlich schrulliges Spielerlebnis ist, das darauf schließen lässt, dass die Macher entweder zu wenig oder zu viel geraucht hatten.

Das Spiel beginnt handzahm - in jeglicher Hinsicht. Die ersten Stages auf Pota Pota sind kurz und bündig. Man hat zunächst das Gefühl, es handele sich um ein x-beliebiges Jump 'n Run ohne nennenswerte Höhen und Tiefen. Man läuft von links nach rechts, sammelt Muscheln ein und besiegt ein paar putzig animierte Gegnersprites. Die Bewaffnung des Helden ist jedoch interessant. Plok kämpft buchstäblich mit Händen und Füßen. Er schleudert den Gegnern seine Gliedmaßen direkt entgegen. Schon bald treten auch einige besondere Features auf den Plan: Geschenkboxen, deren Inhalt Plok kurzzeitig mit einer besonderen Waffe ausstaffieren. So erhält er beispielsweise eine Schrotflinte oder einen Flammenwerfer. Zudem gibt's Bonusspiele mit verschiedenen Fahrzeugen. Erreicht Plok das Ziel innerhalb einer gewissen Zeit, dann darf er ein paar Level überspringen. Doch hier ist bei weitem noch nicht Schluss! Pota Pota und der Kampf gegen die garstigen Pogo-Brüder sind bestenfalls als Warm-Up zu verstehen. Der eigentliche Schrecken folgt auf dem Fuße: Als Plok seine Heimat erreicht, muss er feststellen, dass die fiesen Flöhe seine Abwesenheit nutzten, um sich auf der Insel breit zu machen. Das geht ja mal gar nicht!

Ploks Rückkehr zu seiner Heimatinsel ist der Moment, in dem sich die Mechanik vollends entfaltet. Das Spiel schlägt nun eine ganz andere Marschroute ein. Bisher waren die Stages kurz und geradlinig. Das Ziel war stets mit dem Fahnenmast erreicht. Dieser gilt zwar weiterhin als Endpunkt der Level, allerdings muss der Spieler zunächst alle Flöhe beseitigen, bevor er die Siegesfahne hissen darf. Aus den kurzen Stages auf Pota Pota werden nun komplexe Karten, auf denen die gegnerischen Flöhe geschickt platziert wurden, um dem Spieler so einiges an Können abzuverlangen. Es kommen sogar richtig neckische Aufgabenstellungen hinzu. Nicht nur, dass es neben den Flöhen reichlich andere Gegner und Fallen gibt, auch Rätseleien mit Zielscheiben sind zu meistern. Das ist richtig gut ausgetüftelt und ins Leveldesign eingeflochten. Schleudert Plok nun einen seiner Arme oder Beine auf diese Zielscheibe, dann wird der Weg entweder dauerhaft freigegeben oder es dient eine Plattform als Aufzug. Amputation nach Maß! Die nun fehlenden Gliemaßen hängen irgendwo im Level an einem Kleiderbügel und warten auf Abholung. Daraus ergeben sich natürlich so manche Geschicklichkeitsprüfungen. Später gibt es sogar Zielscheiben, die man nur mit einem Arm oder einem Bein treffen kann. Es wird dann sogar darauf bestanden, dass man zeitweise ohne Arme oder besser noch ohne Beine vorankommt. In letzterem Falle erinnert das Ganze jedoch ein wenig an Sackhüpfen. Dass das nicht wehtut, ist echt ein Wunder, aber hey.

Nun sind die Level zunehmend umfangreich und konfrontieren einen immer wieder mit neuen Hürden, die gemeistert werden wollen. Das alles ist echt gelungen. Bis zum Ende hin will der Einfallsreichtum der Entwickler nicht versiegen. In späteren Abschnitten nutzt man das magische Amulett von Opa Plok, um sich in ein Sägeblatt zu verwandeln und so die Gegner einfacher zu besiegen. Natürlich wird der Spieler, bevor jenes Amulett von Plok gefunden wird, in die Welt von Opa Plok versetzt und muss in seiner Haut die Insel Nostalgia auf den Kopf stellen. Zwischen den einzelnen Szenarien wird das Geschehen von Plok in mehr oder minder muffeliger Stimmung kommentiert. Die teils witzigen Einschübe lockern das Spiel zusätzlich auf. Immerhin muss Plok selbst feststellen, dass das Beseitigen der Flöhe in eine ganz schöne Arbeit ausartet. Hinzu kommen spannende und reichlich fordernde Bosskämpfe. Insgesamt ist das Spiel nicht gerade leicht, obwohl man dank reichlich vorhandener Muscheln stets mit Extraleben versorgt wird. Zwar spendierten die Entwickler dem Spieler einen leichten Modus, wirklich durchspielen kann man es jedoch nur auf normalem Schwierigkeitsgrad. Dieser verlangt dem Spieler in den letzten Stages alles ab. Um sich der bösen Flohkönigin annähern zu können, darf Plok verschiedene Fahrzeuge in reichlich haarigen Hindernisparcours benutzen. Zwar lassen sich die Fahrzeuge nicht immer einwandfrei durch die Gegend manövrieren, aber auch hier kommt man mit entsprechender Übung und vor allem Durchhaltevermögen weiter.

So bizarr die spielerischen Einzelheiten des Spiels klingen, so außergewöhnlich ist auch die audiovisuelle Umsetzung. Der Grafikstil ist schlichtweg superb. Die teils enorm großen Sprites sind knallbunt gezeichnet und vorzüglich animiert. Die Vorder- wie Hintergründe sehen einfach nur toll aus und warten mit absoluter Eigenständigkeit auf. Obwohl jeder Level einen gänzlich eigenen Look hat, wirkt die Grafik wie aus einem Guss. Es gibt keinerlei Versatzstückchen, die aus dem Rahmen fallen oder auch nur den Hauch von Mittelmäßigkeit im Design. Selbst die Schwarzweiß-Optik auf Nostalgia ist klasse. Opa Plok mit seinem Rauschebart wirkt als Figur nicht weniger kultig als sein Enkel. Auch die (End-)Gegner können sich allesamt sehen lassen. Toll!

Zur Musik braucht man eigentlich kaum mehr sagen als gerade mal zwei Worte: Tim Follin! Der Kerl ist einfach wahnsinnig. Klar, C64-Veteranen kennen den britischen Musiker seit eh und je. Die Soundtracks für Ghouls 'n Ghosts oder auch das NES-Abenteuer Solstice genießen einen absoluten Kult- und Klassikerstatus unter den Videospielefans. Bei Plok hat man das Gefühl, dass der Mann ein Register seines Schaffens bis hierhin zieht. Progressive Rockmusik mit jazzlastigen Tendenzen bis hin zu folkloristischer Note. Sehr atmosphärische und ausgefeilte Kompositionen treffen auf spektakuläre und aufwendige Arrangements. Die Musik ist nicht einfach nur nett geschrieben, sie klingt auch geradezu hervorragend. Die Titelmelodie für sich klingt kaum nach dem knarzigen SNES-Soundchip, sondern fast nach einer echten Band. Für jede Situation gibt's die tatsächlich passende Hintergrundbeschallung - selbst Opa Plok bekommt mit einer nahezu leiernden Polka gehörig den Marsch geblasen. Schlichtweg perfekt!

Plok erschien Ende 1993 in Deutschland. Ich hatte damals noch kein SNES. Als ich aber in einer Zeitschrift den Artikel über das Spiel las, musste ich unbedingt auch so ein 16-Mbit-Monster haben. Und als ich die Kiste dann endlich bekam und auch Plok mein Eigen nennen durfte, war ich sofort von seiner spielerischen Größe fasziniert. Plok ist einfach ein Erlebnis. Ein großartiges Jump 'n Run mit riesigem Umfang, hervorragenden Ideen und einer vorzüglichen Präsentation. Die kunterbunte Grafik besticht durch einen wunderschönen Stil, der Soundtrack ist einfach herrlich und stimmig, das Gameplay ist tiefschürfend und durchdacht. Was kann jetzt noch vom Zücken der Höchstwertung abhalten? Für meine Begriffe lediglich der enorm hoch angesiedelte Schwierigkeitsgrad, der mit dem kindlich-verspielten Design nicht konform läuft. Zwar sind die Level mit etwas Übung schaffbar, so mancher Sieg über die Minibosse ist allerdings weniger 'ne Frage des Könnens, sondern setzt unter Umständen eher Glück voraus. Die Flohgrube zieht sich zum Schluss dann ein wenig in die Länge - bei dem Umfang wäre es zudem nett gewesen, hätten die Entwickler den Spielern das ein oder andere Passwort gegönnt. Für mich persönlich ist Plok dennoch eines der besten Spiele der SNES-Ära, da es - trotz hohem Schwierigkeitsgrad - sehr gut spielbar ist und sich dank seines ausgefeilten Leveldesigns und der tollen Features locker über das Gros des Jump 'n Run-Einerleis hinwegsetzt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Plok
BeitragVerfasst: 14.01.2014 21:25 
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Wirklich widersprechen will ich dir nicht. Die Flohgruben-Level ziehen sich und sind extrem schwer. Dennoch ist das Durchspielen hier für meine Begriffe genauso gut erlernbar. Natürlich soll der Spieler anhand der Fahrzeuge verleitet werden, ordentlich Tempo zu machen, ratsam ist das jedoch nicht. Wenn man sich Zentimeter für Zentimeter vorpirscht, dann hat man eigentlich recht gute Karten. Natürlich ist das mit einiger Arbeit verbunden - ich habe diese Arbeit seinerzeit aber gerne in Kauf genommen und das, obwohl ich sonst wenig belastbar für frustreiche Levelbauten bin. Ich habe im fünften Absatz etwas hinzugefügt und auch im letzten einen Satz erweitert. An der Wertung rüttelt das jedoch nicht. :)



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Sebel hat geschrieben:
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 Betreff des Beitrags: Re: Plok
BeitragVerfasst: 14.01.2014 21:46 
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Ein SNES-Klassiker weniger der nicht gereviewt wurde! Dich schickt der Himmel Horst :D Die Qualitaet der Argumentation ist erneut superb!
Da ich Plok selber noch nicht durchgespielt habe kann ich inhaltlich gar nicht wiedersprechen, aber bist du sicher mit der Grafikwertung 9? Ich meine ok, der Stil ist eigen und sehr schoen umgesetzt, aber doch sehr simpel gehalten... Ist da wirklich fast die Hoechstwertung drinne? O_O Mickey Mania haette ich z.B. grafisch hoeher eingeordnet als Plok.



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 Betreff des Beitrags: Re: Plok
BeitragVerfasst: 14.01.2014 22:01 
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Zitat:
Natürlich ist das mit einiger Arbeit verbunden - ich habe diese Arbeit seinerzeit aber gerne in Kauf genommen und das, obwohl ich sonst wenig belastbar für frustreiche Levelbauten bin. Ich habe im fünften Absatz etwas hinzugefügt und auch im letzten einen Satz erweitert.

Es sei - Dein Addendum habe ich dem angehängten Text zweiter Hand gleich hinzugefügt. Wirklich überzeugen tut mich das zwar nicht (jede noch so schwache Programmierarbeit lässt sich mit genug Geduld/Lernleistung abstellen, was diese nicht legitimiert), doch geht es ja um Deinen persönlichen Eindruck.

Zitat:
Da ich Plok selber noch nicht durchgespielt habe kann ich inhaltlich gar nicht wiedersprechen, aber bist du sicher mit der Grafikwertung 9? Ich meine ok, der Stil ist eigen und sehr schoen umgesetzt, aber doch sehr simpel gehalten... Ist da wirklich fast die Hoechstwertung drinne? O_O Mickey Mania haette ich z.B. grafisch hoeher eingeordnet als Plok.

Er vergibt sogar die Höchstwertung, was ich letztlich voll in Ordnung finde; wenn schon die Gesamtwertung und die Musikwertung sowieso als Heiligtum persönlicher Ansicht zu gelten haben, kann man das bei der Graphik auch nicht mehr verwehren. Es kommt ja nicht nur darauf an, was die Graphik neutral betrachtet leistet, sondern auch, wie man diese empfindet - selbst ein formvollendetes Spiel kann seelenlos wirken, und auch technisch nicht erstklassige Arbeiten können aufgrund der dahinterliegenden Idee begeistern.


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 Betreff des Beitrags: Re: Plok
BeitragVerfasst: 14.01.2014 22:13 
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Verguckt, sogar noch krasser :D Aber du hast schon recht, Secret of Mana hat in dem Review auf unserer Seite (die unsere Techniker aber noch wieder online bringen muessen) zum Beispiel auch eine 10 fuer die Grafik bekommen. Das RPG-Genre hat sehr viel schoenere Titel hervorgebracht, unter anderen den Nachfolger, der wirklich das Maximum aus dem SNES herauskitzelt... Und doch kann man die Wertung aufgrund des grafischen Charmes des Titels nachvollziehen. Dementsprechend kann man das wohl so stehen lassen, ja. Ich persoenlich haette da selbst wenn ich die Grafik mit dem Setting verbunden klasse faende vermutlich trotzdem mindestens 1-2 objektive Punkte abgezogen... aber nun gut.^^



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 Betreff des Beitrags: Re: Plok
BeitragVerfasst: 14.01.2014 23:04 
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Ich werte bei Plok deshalb so hoch, da die Grafik an sich - wie gesagt - einen durchweg völlig stimmigen Eindruck hinterlässt und durch den individuellen Stil wie aus einem Guss wirkt. Die malerischen Hintergrundbilder einerseits, die bunten und belebten Vordergründe und die klasse designten und animierten Sprites. Und das alles ohne große Effekthascherei wie Mode 7, Rendering, Digi-Knetfiguren und dergleichen. Zudem kam Plok halt auch schon 1993 raus. Das berücksichtige ich ebenso. :) Bei Mickey Mania ist das wieder anders. Die Grafik darf da mitunter trist sein, wenn die filmische Vorlage es auch nicht unbedingt besser machte. Im nächsten Kapitel wird dann aber wieder mehr Effektkrams aufgefahren. Bei Plok ist das vollkommen unnötig.

@Perikles: Tja, wie gesagt, mein Gesamteindruck vom Game ist durchweg positiv. Ich will auch gar nicht versuchen eine übermäßig objektive Wertung aufzubauen. Meine Begeisterung für den Extremitätenschmeißer würde eh wieder durchbrechen. Manchen Spielen verzeiht man gewisse Unannehmlichkeiten einfach. Vielleicht sind da auch meine Ansprüche an den Entwickler nicht sonderlich hoch gesteckt. Ich weiß es doch nicht..... :cry: :cry: :cry: :ugly: :D



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Sebel hat geschrieben:
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