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 Betreff des Beitrags: Zootto Mahjong!
BeitragVerfasst: 08.09.2013 14:35 
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Feedback zum Text wie immer erwuenscht, Rechtschreibfehler bitte fuer das Lektorat aufbewahren ;)
Moi wird mich fuer die Absatzlaenge toeten. xD


Mahjong Spiele fuer das Super Famicom gibt es in Japan reichlich. Sie gehoeren zu den Titeln, die von Sammlern und Spielern zugleich eher gemieden und von Haendlern selbst im kompletten, makellosen Zustand zu Wegwerfpreisen angeboten werden. Zu unuebersichtlich ist die grosse Auswahl, zu unactionreich das Gameplay und zu komplex und unzugaenglich die Spielmechanik. Da stellt sich jetzt selbstredent die Frage: Warum reviewe ich nun einen dieser Titel?

Ich habe mich vor einiger Zeit dem Sammlerhobby verschrieben, die seltenen und obskuren Exklusivtitel des Nintendo Power-Downloadservices zu sammeln, die niemals als physische Cartridge veroeffentlicht wurden und nur per Download erhaelltlich waren. Ueber kurz oder lang ergatterte ich so auch eine SF Memory Cartridge mit dem Exklusivtitel Zootto Mahjong, das von Nintendo selbst entwickelt wurde, und entschloss mich, dem Spiel trotz aller meiner Vorurteile eine faire Chance zu geben. Und hey, zu so einer grossen Genregruppe brauchen wir doch wohl wenigstens ein Review auf der Page, oder?

Zunaechst kommen wir zu einer Frage, die ich mir zu Anfang auch stellen musste: Was genau ist Mahjong eigentlich? Um es schlicht zu sagen, handelt es sich um ein Set von flachen Spielsteinen mit leerer Rueckseite und verschiedener, bemalter Vorderseite, bei der man zwischen den nummerierten Grundfarben (Bambus, Zahl und Kreis), Trumpffarben (Drachen und Winde) und Hauptfarben (Blumen und Jahreszeiten) unterscheidet. Mit diesen Set lassen sich unterschiedlichste Einzel- und Mehrspielervarianten durchfuehren, vergleichbar mit unseren westlichen Spielkartenset.

Zootto Mahjong richtet sich nach der populaersten japanischen Spielweise, Riichi Mahjong, welches stark vergleichbar mit einem kompetiven Kartenspiel mit Abwurfmechanik ist (und die erwaehnten Hauptfarben eines Mahjongsets nicht nutzt). Jeder Spieler versucht durch Abwurf und Nachziehen von Mahjongsteinen auf seiner verdeckten Hand "Strassen" (aus den Grundfarben), oder "Zwei- bis Vierlinge" zu bilden und kann die von Gegnern frisch abgeworfenen Steine "stehlen" indem er seine verbindungsfaehigen Steine aus der Hand aufdeckt. Die genauen Vorraussetzungen fuer eine Siegerhand und die Mechanismen zur Punktevergabe wuerden an dieser Stelle allerdings den Rahmen sprengen, weshalb ich es bei dieser Kurzerlaeuterung belasse. Google ist bei genaueren Infos euer Freund ;)

Da es sich hier um einen Nintendo Titel handelt, kann man zumindest bereits erahnen, dass es sich bei diesem Spiel um keinen trockenen Genrestandart handelt, sondern sich irgendwie mit netten Gimmicks aus dem Rest hervorhebt. So bietet das Spiel ein recht interessantes Setting, das wie ein geistiger Vorgaenger von Animal Crossing anmutet. Zu Spielbeginn sucht ihr euch aus einer breiten Palette von suessen und witzigen Tiercharakteren euren Favoriten aus und legt ein benanntes Spielerprofil an. Auf den Spielverlauf hat das zunaechst keine grossen Auswirkungen ausser veraenderte Dialoge, eine andere Stimme bei eigenen Spielausrufen und das Spieleravatar, aber die KI der einzelnen anderen Charaktere, die ihr auch im Spielverlauf wiedertrefft, ist sehr wohl sehr unterschiedlich und geht mit recht variantenreichen Taktiken an die Mahjong-Partien heran. Dabei eignet sich das Spiel hervorragend fuer zwischendurch, eine Spielpartie dauert in der Regel um die 15 Minuten.

Das Herz des Spiels ist hierbei der Quest-Modus, in dem ihr Mahjong Partien mit Storysequenzen und teilweiser freier Spielroute waehlen koennt. Gewinnt ihr ein Spiel, so koennt ihr einen der besiegten Kontrahenten zu euren zukuenftigen Mitspieler machen, was taktische Zuege annehmen kann, da mit fortlaufenden Spielfortschritt zusaetzlich zum Sieg noch erschwerende Extrabedingungen in den Matches erfuellt werden muessen. Frustet euch ein Gegner zu sehr, gibt es in der Regel die Moeglichkeit, erstmal einen anderen Kontrahenten anzugeben, um sich einen Mitspieler mit passender Spielweise anzueignen.

Die begleitende Story ist sehr simpel, aber sie verpasst dem Spiel ein Setting und eine gute Portion Charme. Der boese Mahjong-Koenig ueberrennt mit seinen Lakaien das Tier-Doerfchen und besetzt umliegende Gebiete um die Bewohner zu unterjochen. Einer Gruppe von Tieren gelingt die Flucht und sie planen, den Wiedersachern durch ihre Mahjong-Kuenste zu zeigen, dass sie ihrer Position nicht wuerdig sind. So beginnt das Spiel mit einer Auslosung des Anfuehrers und das "Quest" beginnt, untermalt mit einem Level Select-Bildschirm und kleinen Zwischensequenzen vor und nach den Matches.

Die Bedienung des Spiels fällt verhälltnismaessig simpel aus, nur das Namensgebende Riichi muss man selber per B Taste auslösen und natürlich müssen die abzuwerfenden Steine selbst gewählt werden. Für alle anderen Sonderbefehle öffnet das Spiel einen eine Bestätigungsauswahl, sobald man sie ausführen könnte. Die Spielmenues sind zwar umfangreich, aber man vermisst mit den Grundeinstellungen nicht wirklich etwas beim Gameplay und kann so einfach im Questmodus drauflosspielen. Etwas nervig ist allerdings, dass man die Mah-Jongg-Matches im Pausenmenü nicht abbrechen kann, sondern auf den Reset-Knopf der Konsole angewiesen ist.

Ein Punkt, der leider bei Spielbeginn negativ auffaellt ist, dass das Spiel in jedem Fall kein richtiges Tutorial besitzt. Es geht meiner Meinung nach davon aus, dass der Spieler die Regeln kennt, was mir als Mahjong-Frischling natuerlich nicht gerade entgegenkam. Die ausgedruckte Spielanleitung, die man zu Verkaufszeiten beim Download in einem Conbini-Store dazu bekam, gibt dem Spieler nur eine Charakteruebersicht, eine kurze Spielbeschreibung und die Bedienung mit auf den Weg... Duerftig. Als kleine Hilfe fuer Einsteiger gibt es immerhin ein komplexes (aber japanisches) Lexikon im Spiel selbst, welches alle verschiedenen Siegerhandtypen und Spielbegriffe erklaert. Es bietet auch die Moeglichkeit, NPCs mit starker KI beim Spielen zuzusehen, um sich einige Kniffe abzugucken. Nunja, immerhin. Die Lernkurve ist so trotz anfaenglich schwacher Gegner-KI sehr steil, und ich kam erst nach einigen eher frustrierenden Runden und etwas Online-Regellektuere langsam in den Spielfluss. Etwas nervig ist, dass man die Mahjong-Matches im Pausenmenue nicht unterbrechen kann, sondern auf den Reset-Knopf angewiesen ist.

Wie aber der eingenommene Speicherplatz (5 von 6 Spieleslots und alle (sic!) Speicherslots) auf der SF Memory Cartridge vermuten lassen, ist neben den bereits vorgestellten Questmodus und dem Begriffslexikon aber noch lange nicht Schluss mit dem Spielinhalt: Der Free-Play Modus ist erstaunlich umfangreich ausgefallen. Einerseits gibt es umfangreichen Spieleinstellungen, mit dem man das Spiel vermutlich ziemlich jeder japanischen Regionsvariation der Spielweise anpassen koennte und andererseits erstellt das Spiel aus diesen Matches umfangreiche Statistiken, dessen Genauigkeit und Umfang erst klar wird, wenn man sie sich als Passwort vor dem Resetten von eben dieser ausgeben laesst. Gut 40 (!) Buchstaben ist ein Passwort lang. Gut, dass man dank Batteriespeicher zu keiner Zeit wirklich genötigt ist, diese auch zu verweden.

Da Riichi Mahjong mit verdeckter Hand gespielt wird, ist selbsterklaerend leider kein Multiplayer-Modus vorhanden. Sollten eure Kumpels dennoch aus jedwelchen Gruenden ploetzlich den Drang verspueren, Zootto Mahjong mal zu spielen, bietet das Spiel gut 5 Speicherslots, was wahrscheinlich die Ver(sch)wendung aller Speicherslots der Flashcartridge erklaert. Der Soundtrack des Spieles ist in der Regel froehlich gehalten und passt sich den Spielsituationen entsprechend an. Er wird trotz seiner Frohnatur aber zu keiner Zeit nervtoetend und ist insgesamt gut gelungen. Auch die Grafik ist erstaunlich liebevoll gestaltet, wie man es ansonsten eher selten in den eher karg und ernst gehaltenen Mahjong-Spielen sieht. Gerade die Charakterportraits und Storysequenzen bieten sehr schoene Pixelkunst, die Spielfelder-Grafiken werden hingegen auf das Wichtige begrenzt. Grafisch kann das SNES zwar deutlich mehr, aber fuer ein Mahjong Spiel ist die visuelle Untermalung wirklich klasse.

Fazit:
Zootto Mahjong ist, wie von einem Mahjong-Titel zu erwarten, ein Spiel mit hoher Regelbarriere. Wer Riichi-Mahjong noch nicht kennt, wird auch dementsprechende Probleme beim Einstieg in das Spiel haben. Hat man dieses Problem ueberwunden, versteckt sich hinter dieser ein erstaunlich liebevoller Titel mit ideenreichen Storymodus, voller komplexer Spielmechaniken und abwechslungsreicher Gegner-KI. Ich war wirklich ueberrascht von der Qualitaet des Titels, aber wo Nintendo als Entwickler draufsteht, da ist eben in der Regel auch Nintendo drinne!

Grafik 6
Sound 7
Spielspass 7



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 Betreff des Beitrags: Re: Zootto Mahjong!
BeitragVerfasst: 08.09.2013 22:26 
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Meine Hochachtung dafür, dass Du Dir überhaupt die Zeit genommen hast, Dich mit einem Mahjong-Vertreter (bin ich eigentlich der Einzige, der, wenn er Mahjong liest, immer an die eine Columbo-Folge denken muss, in der der Mörder hochachtungsvoll Mahjong ehrfürchtig auf der zweiten Silbe betont, als ob sein Leben davon abhinge? Das wollte ich schon immer mal loswerden!) zu beschäftigen. Meine
Zitat:
Vorurteile

sitzen tief genug, als dass mir fünf Minuten zu schade wären. Dementsprechend sehe ich (mal von den üblichen lustvoll in Szene gesetzten Verstößen gegen die deutsche Sprache, die von den liebevollen (?) Händen der Redaktion wohl geglättet werden, abgesehen) rein gar keinen Kritikpunkt. Wer sich auf eine Rezension zu diesem, äh, Geheimtipp verirrt, wird wohl alles erfahren, was er je erfahren wollte (und auch alles das, was er niemals wissen wollte, das ist allerdings eine andere Geschichte). Weitermachen, Soldat!


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 Betreff des Beitrags: Re: Zootto Mahjong!
BeitragVerfasst: 09.09.2013 07:31 
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ChronoMoogle hat geschrieben:
Feedback zum Text wie immer erwuenscht, Rechtschreibfehler bitte fuer das Lektorat aufbewahren ;)
Moi wird mich fuer die Absatzlaenge toeten. xD


Lektorat versteht ein Japaner wohl das Büro eines Schulleiters.
'tschuldigung, das musste ich unbedingt loswerden.

Und dann mal ein grundsätzlicher Overhaul der Review. Habe die Schreibweise von Mah-Jongg an die einzige vom Duden anerkannte Variante geswitcht (natürlich nur da, wo es nicht Teil des englischen Originaltitels war), ansonsten die klassischen Moogle-Eigenheiten gefixt (keine Sonderzeichen, "Standard" hat ein D bekommen, es wurden einige Dativs spendiert). Schöne Review, die mein Interesse am Spiel geweckt hat. :)



Mah-Jongg-Spiele für das Super Famicom gibt es in Japan reichlich. Sie gehören zu den Titeln, die von Sammlern und Spielern zugleich eher gemieden und von Händlern selbst im kompletten, makellosen Zustand zu Wegwerfpreisen angeboten werden. Zu unübersichtlich ist die große Auswahl, zu unactionreich das Gameplay und zu komplex und unzugänglich die Spielmechanik. Da stellt sich jetzt selbstredend die Frage: Warum reviewe ich nun einen dieser Titel?

Ich habe mich vor einiger Zeit dem Sammlerhobby verschrieben, die seltenen und obskuren Exklusivtitel des Nintendo-Power-Downloadservices zu sammeln, die niemals als physische Cartridge veröffentlicht wurden und nur per Download erhältlich waren. Über kurz oder lang ergatterte ich so auch eine SF Memory Cartridge mit dem Exklusivtitel Zootto Mahjong, das von Nintendo selbst entwickelt wurde, und entschloss mich, dem Spiel trotz aller meiner Vorurteile eine faire Chance zu geben. Und hey, zu so einer großen Genregruppe brauchen wir doch wohl wenigstens eine Review auf der Page, oder?

Zunächst kommen wir zu einer Frage, die ich mir zu Anfang auch stellen musste: Was genau ist Mah-Jongg eigentlich? Um es schlicht zu sagen, handelt es sich um ein Set von flachen Spielsteinen mit leerer Rückseite und verschiedener, bemalter Vorderseite, bei der man zwischen den nummerierten Grundfarben (Bambus, Zahl und Kreis), Trumpffarben (Drachen und Winde) und Hauptfarben (Blumen und Jahreszeiten) unterscheidet. Mit diesem Set lassen sich unterschiedlichste Einzel- und Mehrspielervarianten durchführen, vergleichbar mit unseren westlichen Spielkartenset.

Zootto Mahjong richtet sich nach der populärsten japanischen Spielweise, Riichi Mah-Jongg, welches stark vergleichbar mit einem kompetiven Kartenspiel mit Abwurfmechanik ist (und die erwähnten Hauptfarben eines Mah-Jongg-Sets nicht nutzt). Jeder Spieler versucht, durch Abwurf und Nachziehen von Mah-Jongg-Steinen auf seiner verdeckten Hand "Straßen" (aus den Grundfarben), oder "Zwei- bis Vierlinge" zu bilden und kann die von Gegnern frisch abgeworfenen Steine "stehlen", indem er seine verbindungsfaehigen Steine aus der Hand aufdeckt. Die genauen Vorraussetzungen für eine Siegerhand und die Mechanismen zur Punktevergabe würden an dieser Stelle allerdings den Rahmen sprengen, weshalb ich es bei dieser Kurzerläuterung belasse. Google ist bei genaueren Infos euer Freund ;)

Da es sich hier um einen Nintendo-Titel handelt, kann man zumindest bereits erahnen, dass es sich bei diesem Spiel um keinen trockenen Genrestandard handelt, sondern sich irgendwie mit netten Gimmicks aus dem Rest hervorhebt. So bietet das Spiel ein recht interessantes Setting, das wie ein geistiger Vorgänger von Animal Crossing anmutet. Zu Spielbeginn sucht ihr euch aus einer breiten Palette von süßen und witzigen Tiercharakteren euren Favoriten aus und legt ein benanntes Spielerprofil an. Auf den Spielverlauf hat das zunächst keine großen Auswirkungen außer veränderten Dialogen, einer anderen Stimme bei eigenen Spielausrufen und das Spieleravatar, aber die KI der einzelnen anderen Charaktere, die ihr auch im Spielverlauf wiedertrefft, ist sehr wohl sehr unterschiedlich und geht mit recht variantenreichen Taktiken an die Mah-Jongg-Partien heran. Dabei eignet sich das Spiel hervorragend für zwischendurch, eine Spielpartie dauert in der Regel um die 15 Minuten.

Das Herz des Spiels ist hierbei der Quest-Modus, in dem ihr Mah-Jongg-Partien mit Storysequenzen und teilweiser freier Spielroute wählen könnt. Gewinnt ihr ein Spiel, so könnt ihr einen der besiegten Kontrahenten zu eurem zukünftigen Mitspieler machen, was taktische Züge annehmen kann, da mit fortlaufenden Spielfortschritt zusätzlich zum Sieg noch erschwerende Extrabedingungen in den Matches erfüllt werden müssen. Frustet euch ein Gegner zu sehr, gibt es in der Regel die Möglichkeit, erstmal einen anderen Kontrahenten anzugeben, um sich einen Mitspieler mit passender Spielweise anzueignen.

Die begleitende Story ist sehr simpel, aber sie verpasst dem Spiel ein Setting und eine gute Portion Charme. Der böse Mah-Jongg-König überrennt mit seinen Lakaien das Tier-Dörfchen und besetzt umliegende Gebiete, um die Bewohner zu unterjochen. Einer Gruppe von Tieren gelingt die Flucht und sie planen, den Wiedersachern durch ihre Mah-Jongg-Künste zu zeigen, dass sie ihrer Position nicht würdig sind. So beginnt das Spiel mit einer Auslosung des Anführers und das "Quest" beginnt, untermalt mit einem Level Select-Bildschirm und kleinen Zwischensequenzen vor und nach den Matches.

Die Bedienung des Spiels fällt verhälltnismaessig simpel aus, nur das Namensgebende Riichi muss man selber per B Taste auslösen und natürlich müssen die abzuwerfenden Steine selbst gewählt werden. Für alle anderen Sonderbefehle öffnet das Spiel einen eine Bestätigungsauswahl, sobald man sie ausführen könnte. Die Spielmenues sind zwar umfangreich, aber man vermisst mit den Grundeinstellungen nicht wirklich etwas beim Gameplay und kann so einfach im Questmodus drauflosspielen. Etwas nervig ist allerdings, dass man die Mah-Jongg-Matches im Pausenmenü nicht abbrechen kann, sondern auf den Reset-Knopf der Konsole angewiesen ist.

Ein Punkt, der leider bei Spielbeginn recht negativ auffällt, ist, dass das Spiel kein richtiges Tutorial besitzt. Es geht meiner Meinung nach davon aus, dass der Spieler die Regeln kennt, was mir als Mah-Jongg-Frischling natürlich nicht gerade entgegenkam. Die ausgedruckte Spielanleitung, die man zu Verkaufszeiten beim Download in einem Conbini-Store dazu bekam, gibt dem Spieler nur eine Charakterübersicht, eine kurze Spielbeschreibung und die Bedienung mit auf den Weg... Dürftig. Als kleine Hilfe für Einsteiger gibt es immerhin ein komplexes (aber japanisches) Lexikon im Spiel selbst, welches alle verschiedenen Siegerhandtypen und Spielbegriffe erklärt. Es bietet auch die Möglichkeit, NPCs mit starker KI beim Spielen zuzusehen, um sich einige Kniffe abzugucken. Nun ja, immerhin. Die Lernkurve ist so trotz anfänglich schwacher Gegner-KI sehr steil, und ich kam erst nach einigen eher frustrierenden Runden und etwas Online-Regellektüre langsam in den Spielfluss.

Wie aber der eingenommene Speicherplatz (5 von 6 Spieleslots und alle (sic!) Speicherslots) auf der SF Memory Cartridge vermuten lassen, ist neben den bereits vorgestellten Questmodus und dem Begriffslexikon aber noch lange nicht Schluss: Der Free-Play-Modus ist erstaunlich umfangreich ausgefallen. Einerseits gibt es umfangreichen Spieleinstellungen, mit dem man das Spiel vermutlich ziemlich jeder japanischen Regionsvariation der Spielweise anpassen könnte und andererseits erstellt das Spiel aus diesen Matches umfangreiche Statistiken, dessen Genauigkeit und Umfang erst klar wird, wenn man sie sich als Passwort vor dem Resetten von eben dieser ausgeben laesst. Gut 40 (!) Buchstaben ist ein Passwort lang. Gut, dass man dank Batteriespeicher zu keiner Zeit wirklich genötigt ist, diese auch zu verwenden.

Da Riichi Mah-Jongg mit verdeckter Hand gespielt wird, ist selbsterklärend leider kein Multiplayer-Modus vorhanden. Sollten eure Kumpels dennoch aus jedwelchen Gründen plötzlich den Drang verspüren, Zootto Mahjong mal zu spielen, bietet das Spiel gut 5 Speicherslots, was wahrscheinlich die Ver(sch)wendung aller Speicherslots der Flashcartridge erklärt. Der Soundtrack des Spieles ist in der Regel fröhlich gehalten und passt sich den Spielsituationen entsprechend an. Er wird trotz seiner Frohnatur aber zu keiner Zeit nervtötend und ist insgesamt gut gelungen. Auch die Grafik ist erstaunlich liebevoll gestaltet, wie man es ansonsten eher selten in den eher karg und ernst gehaltenen Mah-Jongg-Spielen sieht. Gerade die Charakterportraits und Storysequenzen bieten sehr schöne Pixelkunst, die Spielfelder-Grafiken werden hingegen auf das Wichtige begrenzt. Grafisch kann das SNES zwar deutlich mehr, aber für ein Mah-Jongg-Spiel ist die visuelle Untermalung wirklich klasse.

Fazit:
Zootto Mahjong ist, wie von einem Mah-Jongg-Titel zu erwarten, ein Spiel mit hoher Regelbarriere. Wer Riichi-Mah-Jongg noch nicht kennt, wird auch dementsprechende Probleme beim Einstieg in das Spiel haben. Hat man dieses Problem überwunden, versteckt sich hinter dieser ein erstaunlich liebevoller Titel mit ideenreichem Storymodus, voller komplexer Spielmechaniken und abwechslungsreicher Gegner-KI. Ich war wirklich überrascht von der Qualitaet des Titels, aber wo Nintendo als Entwickler draufsteht, da ist eben in der Regel auch Nintendo drinne!

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Perikles hat geschrieben:
Man muss sich das mal reinziehen: die Idee ist scheiße, die theoretische Ausarbeitung ist scheiße, die praktische Umsetzung ist scheiße und der so entstehende Anspruch noch beschissener.
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 Betreff des Beitrags: Re: Zootto Mahjong!
BeitragVerfasst: 09.09.2013 09:18 
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Vielen Dank fuer den rechtschreiblichen Overhaul :)
Die Duden-Schreibweise von Mahjong schmerzt allerdings extrem in den Augen O_o



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 Betreff des Beitrags: Re: Zootto Mahjong!
BeitragVerfasst: 09.09.2013 10:07 
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ChronoMoogle hat geschrieben:
Vielen Dank fuer den rechtschreiblichen Overhaul :)
Die Duden-Schreibweise von Mahjong schmerzt allerdings extrem in den Augen O_o


C'est la vie, du wirst keine bessere kriegen. ;)
Außer in Kangxi-Form. :P ;)



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Man muss sich das mal reinziehen: die Idee ist scheiße, die theoretische Ausarbeitung ist scheiße, die praktische Umsetzung ist scheiße und der so entstehende Anspruch noch beschissener.
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