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 Betreff des Beitrags: Re: USA!!! USA!!!
BeitragVerfasst: 08.03.2016 12:06 
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Horst_Sergio hat geschrieben:
Der günstige Sofortkaufpreis sprach mich jedoch an, obwohl ich persönlich (!) mit Irem grundsätzlich keine must-have-Titel in Verbindung bringe (Shooterfans mögen das wahrscheinlich wieder anders sehen).

Irem ist auch verantwortlich für das infernalische Action-Plattformer-Trio, bestehend aus Metal Storm, Holy Diver und Ninja Spirit. Ersteres sollte in keiner Famicom/NES-Sammlung fehlen, dritteres hat auch eine schöne (wenngleich nicht perfekte) Portierung auf der PCE erfahren und Holy Diver ist etwas für echte Männer, die sich von der Kombination aus mörderischem Schwierigkeitsgrad und ärgerlicher Steuerung nicht abhalten lassen. Bild

Mich wundert aber wirklich, wo wir beim Thema sind, dass Irem ausgerechnet für das von Dir gewohnt flott besprochene Spiel (obschon ich persönlich "Lumpenproletariat" gegenüber "Schnorrerpunks" deutlich bevorzuge :D) verantwortlich ist, das passt stilistisch mal so rein überhaupt nicht in deren Repertoire. Ich find's im Übrigen ohnehin phänomenal, dass Du Dich vorurteilslos in derart abschüssige Seitenpfade begibst und ungewöhnliche Spiele auf Herz und Nieren prüfst, das hier wäre aufgrund des anthropomorphen Helden wieder nichts für mich. Ganz, ganz tolle Sache! :) Und über Taxonomie kann man ohnehin nicht genug diskutieren.


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 Betreff des Beitrags: Re: USA!!! USA!!!
BeitragVerfasst: 08.03.2016 20:36 
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Die drei Games sind mir völlig unbekannt. Bin aber auch nicht so der NES-Import-Experte. :D Holy Diver und Metal Storm sehen allerdings sehr, sehr interessant aus. Vielen Dank also für den Wink. Werd ich mir mal auf meine extralange To-Do-Liste setzen. :ugly: ;)

Überrascht war ich jedenfalls auch, als ich in der Listung der von Irem entwickelten Spiele auf Moon Patrol und Lode Runner gestoßen bin. Ich hätte jedenfalls keinen so umfangreichen Backkatalog erwartet und auch nicht unbedingt gedacht, dass Irem schon so früh aktiv war. Na ja, als direkter Vergleich mit Rocky Rodent bleibt eigentlich noch Dino City. Auch ein recht obskures Game. Gewissermaßen ein Mario World Klon, aber dennoch irgendwie anders. Ich weiß nicht, ob diese, wie soll ich sagen, Absonderlichkeiten die Handschrift Irems ausmachen. Davon ab ist Rocky Rodent immerhin ein brauchbares Jump 'n Run. Ich will jetzt nicht sagen, es wär besonders gut, aber schlecht ist es halt auch nicht. Wohlwollend mittelmäßig oder anders gesagt: Ein wenig schrullig zwar, aber zu wenig aufsehenerregend, um wirklich gut zu sein.

Perikles hat geschrieben:
"Lumpenproletariat"

...hm, das greift schon wieder zu weit. Der Begriff ist zu sehr in einer Zeit verhaftet, als man ein "kaltblütiges Dreckschwein" noch als "Mordbuben" bezeichnete. :ugly: Ich mein, schau dir das SFC-Artwork an: Der Typ lebt einfach das Asitum, das die Punkszene in den Achtzigern ausmachte. Und das ganze Ding heißt in Japan auch noch Nitro Punks. Und Rocky schnorrt sich seine Mahlzeiten zusammen, ohne (zumindest bis jetzt) auch nur einen Hauch Gegenleistung zu erbringen. Kriterium Schnorrerpunk = erfüllt. :D
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Perikles hat geschrieben:
Ich find's im Übrigen ohnehin phänomenal, dass Du Dich vorurteilslos in derart abschüssige Seitenpfade begibst und ungewöhnliche Spiele auf Herz und Nieren prüfst...


Zum einen: Vielen, lieben Dank! Zum anderen: Ich kann aus freien Stücken zugeben, dass ich nicht viel Ahnung von den Spielen an sich oder einzelnen Entwicklern und Publishern hab. Das ist mir auch ehrlich gesagt nie wichtig gewesen. Entsprechend versuche ich zwar, eins, zwei nüchterne Vergleichsbeispiele (in diesem Falle halt Bubsy) zu finden, aber es würde mir persönlich zu weit gehen, das noch ganz gezielt aufzudröseln oder mich durch den gesamten Irem-Fundus zu arbeiten, um meine Meinung zu Rocky Rodent von restlos allen Seiten zu beleuchten. Da bleib ich lieber subjektiv und sage "dies hat mir gefallen" und "jenes fand ich zum Kotzen"... Mir würde es schon schwerfallen zu sagen: Street Fighter 2 Turbo ist besser als Street Fighter 2: The World Warrior. Aber Super Street Fighter 2 steckt sie alle in die Tasche. Fänd ich irgendwie nicht richtig.

Ich muss dennoch zugeben, dass der mittelmäßige Rocky es mir ein wenig schwer gemacht hat, denn hier hatte ich jetzt mal den Fall, dass ich viel Text rundherum schrieb und das eigentliche Spiel in gerade mal zwei, drei Zeilen abwatschte. Es halt schwer, viel zu nem Spiel zu schreiben, das zwar OK ist, aber wiederum keinen Begeisterungssturm entfacht. Jubeln oder rumpupen, das geht immer locker von der Hand. :D Jedenfalls verliere ich immer ein wenig das Interesse an nem "Review", wenn ich anfange, irgendwas zu ändern. Aber hey... :D



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Sebel hat geschrieben:
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 Betreff des Beitrags: Re: USA!!! USA!!!
BeitragVerfasst: 10.03.2016 20:49 
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Horst_Sergio hat geschrieben:
Ich weiß nicht, ob diese, wie soll ich sagen, Absonderlichkeiten die Handschrift Irems ausmachen.

Irem hat, wie Du selbst skizzierst, einen gewaltigen Fundus an Spielen hervorgebracht und gehörte mit anderen namhaften Giganten wie Konami, Namco und Capcom zu den erheblichen Größen im Geschäft, darum lässt es sich nicht ganz einfach herunterbrechen, was auf die Mehrheit der Spiele zutrifft. Was mir im Besonderen vorschwebte, als ich den letzten Beitrag verfasste (und was auch nahezu vollumfänglich auf die drei von mir angeführten Beispiele anzuwenden ist), ist die Kombination aus hohem Schwierigkeitsgrad und einer finsteren, wo nicht trostlosen Atmosphäre (was zugegebenermaßen nur randständig auf Metal Storm zutrifft). Viele der bekannteren Iremtitel belohnen einen hohen Grad an Familiarität und Intimität mit dem Spiel bis hin zum Auswendiglernen ganzer Passagen, um eine reelle Chance zu haben, durchzukommen, gerade bei den arcadigen Sachen. Das scheint ja hier samt und sonders keine Bewandtnis zu haben.

Horst_Sergio hat geschrieben:
Zum anderen: Ich kann aus freien Stücken zugeben, dass ich nicht viel Ahnung von den Spielen an sich oder einzelnen Entwicklern und Publishern hab. Das ist mir auch ehrlich gesagt nie wichtig gewesen.

Ich meine ganz im Allgemeinen Deine Offenheit, mit der Du Spiele wie dieses hier angehst. Ich bin ganz bestimmt nicht alleine mit dem Vorurteil, dass mich schon die Aufmachung davon abhielte, gewisse Titel anzutesten, geschweige denn durchzuspielen. Es ist aller Ehren wert, die graue Theorie und den Elfenbeinturm zu verlassen und sich auf Piratenabenteuer und anthropomorphe Hüpfeinlagen gleichermaßen einzulassen - zwar bin ich zu sehr in meiner Nische verankert, um es Dir nachzumachen, möchte es allerdings nichtsdestominder ausdrücklich loben!

Horst_Sergio hat geschrieben:
Mir würde es schon schwerfallen zu sagen: Street Fighter 2 Turbo ist besser als Street Fighter 2: The World Warrior. Aber Super Street Fighter 2 steckt sie alle in die Tasche. Fänd ich irgendwie nicht richtig.

Nu, die simple Antwort lautet, dass das Arcade-Super Street Fighter II Turbo mit weitem Abstand die beste Version von allen ist. Bild Ich habe eine nicht auszurottende Liebe für 16-Bit-Portierungen, die vielleicht nicht ganz an die Originale heranreichen, aber dennoch ihren Charme entfalten, aber warum irgendjemand eine andere Version von Street Fighter II als diese spielen wollen würde, wird mir auf ewig ein sibyllinisches Mysterium bleiben.


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 Betreff des Beitrags: Re: USA!!! USA!!!
BeitragVerfasst: 11.03.2016 10:55 
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Perikles hat geschrieben:
Irem hat, wie Du selbst skizzierst, einen gewaltigen Fundus an Spielen hervorgebracht und gehörte mit anderen namhaften Giganten wie Konami, Namco und Capcom zu den erheblichen Größen im Geschäft, darum lässt es sich nicht ganz einfach herunterbrechen, was auf die Mehrheit der Spiele zutrifft.


Konami und Capcom geisterten mir vergleichsweise auch im Kopf rum, und ich wollte ursprünglich auch etwas schreiben wie, dass vorzugsweise die Spiele aus dem Hause Capcom eine einheitliche und spürbare Qualitätslinie aufweisen (also spielerische Qualität wie auch audiovisueller Stil). Es gibt da streng genommen keine wirklichen Fehltritte. Bei Konami hingegen bin ich mir nicht so sicher... Manch einer mag Batman Returns oder Turtles In Time abfeiern, ich find die Games einfach nur mittelprächtig. Oder die teils grottenschlechten Auswürfe auf dem NES... Ich bin auch der Meinung, dass sich zwischen den JRPGs von Square und Enix deutliche, stilistische Unterschiede erkennen lassen.

Gut, wenn jetzt ein Entwickler über (Hardware-) Generationen hinweg aktiv ist, dann wirds auch im Team immer mal personelle Änderungen geben, die den bisherigen Stil und die Handschrift des Unternehmens langfristig verändern. Mit anderen Worten: Es ist schon schwierig, einen Bezug zwischen Rocky Rodent und Moon Patrol herzuleiten... :D

Perikles hat geschrieben:
Viele der bekannteren Iremtitel belohnen einen hohen Grad an Familiarität und Intimität mit dem Spiel bis hin zum Auswendiglernen ganzer Passagen, um eine reelle Chance zu haben, durchzukommen, gerade bei den arcadigen Sachen. Das scheint ja hier samt und sonders keine Bewandtnis zu haben.


Nein, hat es nicht. Rocky Rodent spielt sich leichtfüßig und hat eine angenehm niedrige Lernkurve. Doch trotz niedrigem Anspruch an das Können des Spielers wird man gutklassig unterhalten. Rocky Rodent ist entweder ein herrlich befriedigender Pausenfüller zwischen zwei verschachtelten oder enorm schwierigen Großprojekten oder aber genau das Richtige, um die lieben Kleinen bei Laune zu halten. :)

Perikles hat geschrieben:
Ich meine ganz im Allgemeinen Deine Offenheit, mit der Du Spiele wie dieses hier angehst.


Ja, ich bin halt neugierig, und wiederum bin ich aufs SNES fixiert. Ich möchte halt auch wissen, was ich da eigentlich sammele. :D

Allerdings sollte ich generell auch erwähnen, dass sich meine Beobachtungen lediglich auf das SNES (und nur zu Teilen aufs NES) bezieht. Die Versionen und exklusiven Titel anderer Plattformen kenne ich halt nicht wirklich und selbst wenn, dann hat das nicht unbedingt einen Einfluss auf meine Meinung. Bestes Beispiel ist Doom: Im direkten Vergleich ist die SNES-Version eine furchtbar verkrüppelte und deformierte Variante des Originals, aber dennoch finde ich, dass es - im Rahmen seiner Möglichkeiten - ein tolles SNES-Game ist.

Wahrscheinlich urteile ich auch deshalb recht vorurteilsbefreit. Ich sage mal, mich juckt es jetzt nicht, ob eine Mega Drive Version oder die ursprüngliche Automatenfassung besser ist, als mein SNES-Spiel. Ich bin wahrscheinlich weniger Hardcoregamer, sondern eher SNES-Fanboy. Das wollt ich nur mal loswerden. :)

Perikles hat geschrieben:
Nu, die simple Antwort lautet, dass das Arcade-Super Street Fighter II Turbo mit weitem Abstand die beste Version von allen ist [...] aber warum irgendjemand eine andere Version von Street Fighter II als diese spielen wollen würde, wird mir auf ewig ein sibyllinisches Mysterium bleiben.


Also, egal welches die technisch und spielerisch beste Version ist: Ich mag The World Warrior am liebsten, obwohl es den geringsten Umfang hat. Ich hatte halt damals das SNES-Bundle mit dem Spiel bekommen. Da hat das Game einfach einen Ehrenplatz in meiner (zugegebenermaßen recht langen) Favoritenliste inne. :D



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Sebel hat geschrieben:
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 Betreff des Beitrags: Re: USA!!! USA!!!
BeitragVerfasst: 07.04.2016 12:03 
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Auge um ... ähh .... was auch immer diese Aliens für Glotzkorken haben..!?

Überraschenderweise tauchen immer wieder mal Spiele auf, von denen ich (trotz eines Full-Sets an ROMs für den Emulator auf der Festplatte schlummernd) noch nie hörte. Es ist nicht etwa so, dass ich mich zum ganz großen Experten für weltweit veröffentlichte SNES-Games aufschwingen will. Ein Großteil japanischer NTSC-Versionen ist auch mir völlig fremd. Aber immerhin sind mir die meisten US-Versionen zumindest ansatzweise geläufig. Doch wie gesagt, manchmal werden mir obskure und kuriose Games auf den Schirm gezaubert, bei denen ich zunächst mit hochgezogenen Augenbrauen denke: "Was zur Hölle is'n das?" So erging es mir jüngst wieder beim Shoppen in Amerika-Land. Und scheinbar kennen auch viele amerikanische SNES-Fans dieses Game nicht.


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War 3010
Entwickler: Advanced Productions Inc.
Vertrieb: Advanced Productions Inc.
Veröffentlichung: 1996
Genre: Rundenstrategie

Im Jahr 3010 herrscht Krieg im All. Die Terrorherrschaft der Kyllen über die Menschheit dauert seit nunmehr 400 Jahren an. Bis jetzt. Eine Rebellengruppe hat die Kontrolle über eine ganze Raumflotte der Kyllen übernommen und setzt zur Befreiung der Menschen an. So einfach ist die Story erklärt. Ein Blick auf die Verpackung genügt und man weiß, woran man ist.

Spielerisch gibt sich War 3010 ebenso simpel. Ohne großes Vorgeplänkel wird man sofort in den Weltraum geschmissen und befehligt seine Raumschiffe. Den Spieler erwarten keine großen Überraschungen. Runde um Runde bewegt man die verschiedenen Raumschiffe in einem vorgegebenen Radius und greift die gegnerischen Einheiten an. Wie so häufig hat der Spieler es leichter, wenn er den Erstschlag ausführt. Und wie üblich gilt es, das Kräfteverhältnis zwischen den einzelnen Raumschiffen herauszufinden, um mehr Schaden zu verursachen und möglichst wenig Treffer zu kassieren. Später wählt man zusätzliche Upgrades aus und verbessert so die Kampfeigenschaften der eigenen Einheiten. Auch das Terrain auf den Karten wirkt sich auf das Kampfgeschehen aus. Im Schutz verschiedener Planeten, Monde und Sternengürtel werden die Werte für Angriff oder Verteidigung bestenfalls verstärkt.

Zwischen den Missionen wird der Fortschritt des Krieges in recht trockenen Texten geschildert. Die Aufmachung ist insgesamt eher simpel. Es tummeln sich zwar Sterne und allerlei Planeten auf der Karte, dennoch gibt es natürlich nicht viel im All zu sehen. Die Kampfanimationen erfolgen aus Sicht des eigenen Cockpits, was zunächst optisch eine Auflockerung mit sich bringt, jedoch nach einigen Runden, wenn man sich eingehend mit der Spielmechanik vertraut gemacht hat, den Spielfluss merklich hemmt. Der Blick auf die feindlichen Einheiten ist halt nur Show. Mit der Zeit hat man sich an den schick designten Kampfschiffen der Kyllen satt gesehen. Im Menü lassen sich die Animationen komplett abschalten, womit es der leidgeprüfte Stratege ein wenig einfacher hat und sein Blick auf die grobpixeligen Symbole, welche die Raumschiffe auf der Sternenkarte darstellen, durch nichts mehr getrübt wird.

Auch wenn es wenig aufregend klingen mag, lediglich Symbole von hier nach da zu schieben und möglichst heftig auszuteilen, ohne dabei aber viel einzustecken, so erzeugt das Gameplay durchaus eine gewisse Spieltiefe. Wer auch nach dreihunderttausend Runden "Stein-Schere-Papier" noch Lust auf mehr hat, der wird hier garantiert sein Seelenheil finden. Auch die rudimentäre Aufmachung des Ganzen geht in Ordnung. War 3010 ist eben ein Spiel aus einer Zeit, in der Strategiespiele noch keinen Fotorealismus benötigten, um in irgendeiner Weise interessant zu sein. War 3010 findet vor dem dunklen Hintergrund unendlicher Weiten statt und somit ist es nicht schlimm, dass die visuelle Aufmachung nicht mit dem Vorzeige-Rundenstrategiespiel Super Conflict konkurrieren kann. Wer etwas mehr optische Abwechslung benötigt, der sollte nach dem Vorgänger War 2410 Ausschau halten. Richtig toll gelungen ist jedoch der dynamische Soundtrack, der immer wieder an Klassiker aus dem Genre actionlastiger SciFi-Filme wie Star Wars erinnert. Genrebedingt ist War 3010 so trocken wie ein Pups in der Sahara, aber mechanisch funktioniert alles einwandfrei. Die Missionen werden dank Upgrades und höherer Zahl der Einheiten zunehmend anspruchsvoller. Nach jedem Sieg erhält man ein Passwort, damit man später wieder neu einsteigen kann.


versteckter Inhalt:
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Collector's Edition
Product-ID: SNS-AZNE-USA
Beilagen: Poster
Preis: ~60,- Euro

War 3010 ist sowohl ein SNES- wie auch US-exklusives Game, das von Advanced Productions Inc. entwickelt und auch vertrieben wurde. Übrigens zusammen mit War 2410 die einzigen Veröffentlichungen der Firma. In einem recht veralteten US-NTSC-Preisführer wird die Seltenheit von War 3010 mit B+ eingestuft; War 2410 ist mit einem A- sogar noch seltener. Das erscheint nachvollziehbar. Es tauchen immer wieder Exemplare auf, jedoch schwankt der Preis unabhängig des Zustands ganz enorm. Ich habe einen geradezu unerhörten Glücksgriff getan. Der Versand war zwar recht teuer, dafür war der Kaufpreis von etwas über $30.00 vollkommen in Ordnung - immerhin handelte es sich hier um ein originalverschweißtes Spiel. Umgerechnet waren es circa 50,- Euro insgesamt. Die Lieferung dauerte in diesem Fall gerade mal sechs Tage! Schneller könnte ich auch nicht mit dem Paddelboot übersetzen, um das Game persönlich in den Staaten abzuholen. Unschlagbar!!!



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Sebel hat geschrieben:
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 Betreff des Beitrags: Re: USA!!! USA!!!
BeitragVerfasst: 11.05.2016 12:42 
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Vielen Dunk!

In Sachen Sport war ich nie wirklich gut. Ich bin einfach kein Läufer. Dennoch wurde ich in der Schule immer zügig ins Basketballteam gewählt, da ich ein echt guter Werfer war und auch nahezu jeden 3er verwandelt hab. Überhaupt fand ich Basketball immer toll. Ich hab zwar nie die NBA verfolgt, aber den Sport selbst und das ganze Drumherum fand ich stets cooler als etwa Fußball. Und mein etwa zwanzig Jahre alter Kapuzenpulli der Charlotte Hornets hält mich auch heute noch im Winter warm. Was soll ich also sagen? Wenn ich schon eine Sportart favorisieren müsste, dann wird die Wahl wohl kaum auf Freilufthäkeln, Synchronschnürsenkelbinden oder Langstreckenbutterbrotschmieren fallen.


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College Slam
Entwickler: Iguana
Vertrieb: Acclaim
Veröffentlichung: 1996
Genre: Sport / Arcade

Obwohl ich in den letzten Wochen relativ viel Freizeit genießen durfte, bin ich aus verschiedenen Gründen kaum zum Zocken gekommen. Wenn man nicht viel Zeit für wirklich aufwendige Games hat, dann sucht man sich also welche, die - sowohl im Alleingang, als auch mit ner Horde Kumpels im Schlepptau - innerhalb von fünf bis zehn Minuten ihr volles Potenzial ausschöpfen und die dennoch auch in längeren Sessions nicht langweilig werden. Die Rede ist von Sportspielen. Und wenn die Zeit ohnehin knapp ist und man dennoch eine Runde daddeln will, dann muss es auch ein entsprechend flotter Sport sein.

NBA Jam dürfte ja nahezu jeder kennen. Entgegen vieler anderer Basketballspiele, wie beispielsweise die NBA-Reihe von EA, liefert Iguana Entertainment mit NBA Jam keine Simulation ab, sondern vermischt die Grundprinzipien und das strikte Regelwerk des Sports mit arcadelastiger Action. Schnelle Ballwechsel sind wie gewohnt an der Tagesordnung; das Gameplay ist ganz auf ein hohes Spieltempo aus und setzt auf simple Bedienbarkeit. Damit das nicht in ein zu großes und unübersichtliches Gewusel ausartet, bestehen die Teams nicht aus je fünf Spielern, sondern lediglich aus zweien. Aber man darf Originalspieler und Teams der NBA wählen, das ist cool. Die superb animierten Dunks sind zwar völlig unrealistisch, aber ebenso cool. Auch einzigartig: Wenn der Spieler dreimal hintereinander punktet, ist er im wahrsten Sinne "on fire" und verbrutzelt den gegnerischen Korb in Serie, bis es einen Gegentreffer gibt. NBA Jam lebt von seinem meisterhaft gelungenen Gameplay, das trotz der unrealistischen Moves die Regeln dieser Sportart weitestgehend berücksichtigt.

Der Nachfolger NBA Jam T.E. führt diese Linie fort und ergänzt das Spielprinzip um die lange Meisterschaft und diverse zuschaltbare Nebeneffekte. Es gibt jetzt sogenannte Hot-Spots. Das sind Zahlenfelder, die kurzfristig auf dem Spielfeld erscheinen. Wirft der Spieler von diesem Feld aus einen Korb, dann bekommt er die angegebene Zahl des Feldes auf dem Punktestand gutgeschrieben. Ebenso gibts sammelbare PowerUps. Kurzzeitig wird der Spieler blitzschnell oder darf von überall aus Dunks ausführen. Der sogenannte Juice Mode ist ein zuschaltbarer Turboboost, der das Spielgeschehen deutlich schneller macht. Auch die Skills der Spieler darf man ändern. Es gibt zudem haufenweise Secret-Player; so kann man mittels verschiedener Tastenkombinationen beispielsweise Bill Clinton, Will Smith oder gar Steve Urkel freischalten.

Wiederum ein Jahr nach NBA Jam T.E. erschien College Slam als US-exklusives Spiel. Diese Exklusivität verwundert gar nicht: Nachdem man in NBA Jam und NBA Jam T.E. die Megastars der NBA durch die Halle scheuchte, geht College Slam eine Liga runter und pfeift auf lizensierte Spielernamen. Es ist in etwa so, als hätte man jahrelang die echte Bundesliga nachgespielt und darf dann in der nächsten Saison nur noch in der Kreisliga kickern. Die einzelnen Spieler haben in der Voreinstellung nicht mal mehr Namen. Zwar darf Papa die Skills der Spieler ändern und ihnen Namen verpassen, aber wenn man auf ne schnelle Partie aus ist, will man schließlich nicht ewig im Menü rumprokeln.

Somit wird College Slam zu einer recht anonymen Kiste, obwohl die Spielbarkeit nach wie vor hervorragend ist und auch der Umfang der Optionen direkt aus NBA Jam T.E. übernommen wurde. In College Slam treten sogar deutlich mehr Teams an, als in NBA Jam T.E. Ein wenig fad fühlt sich das Ergebnis trotzdem an, zumal man viele der Teams als unbedarfter Europäer womöglich gar nicht kennt. Das ein oder andere Logo ist einem vielleicht mal über den Weg gelaufen, aber dennoch sind Teams wie Orlando Magic, Golden State Warriors oder die unvermeidlichen Chicago Bulls mit ihren individuellen Starspielern ne ganz andere Hausnummer. Selbst mit Phantasienamen hätte man mehr Bezug zu seinem Team bekommen - in International Superstar Soccer beispielsweise funktionierte das ja auch.

Man könnte nun Mutmaßungen anstellen, ob die Nutzung der Namen und Logos der NBA-Teams zu teuer wurde und Iguana bzw. Acclaim somit zum Umdenken gezwungen wurde. Dieser Gedanke liegt jedenfalls nahe. Fakt ist: Man kann man von einer verpassten Chance sprechen, denn grundlegend stimmt ja alles. College Slam spielt sich einwandfrei und ohne große Einarbeitung. Die Optionen sind gewohnt umfangreich und dank völlig überzogener Bewegungsabläufe ist das Game enorm unterhaltsam. Dennoch fehlt ein wenig die Würze. Wer NBA Jam T.E. bereits sein Eigen nennt und nur zwischendurch eine Runde Basketball zocken will, der braucht sich College Slam also nicht extra zulegen.

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Collector's Edition
Product-ID: SNS-ANYE-USA
Beilagen: Poster
Preis: ~30,- Euro

Das obskure Artwork ist durchaus ein Hingucker und verleiht dem Titel als Sammelobjekt einen gewissen Charme. Auf dem beiliegenden Poster sieht das Ganze natürlich noch ne Spur besser aus. College Slam ist zwar keine wirkliche Seltenheit, jedoch variieren Preis und Zustand recht stark. Da auch die Versandkosten bei den internationalen Angeboten auf Ebay sehr unterschiedlich ausfallen, sollte man circa 30,- Euro einkalkulieren.


Zuletzt geändert von Horst_Sergio am 11.05.2016 14:04, insgesamt 1-mal geändert.


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Sebel hat geschrieben:
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 Betreff des Beitrags: Re: USA!!! USA!!!
BeitragVerfasst: 11.05.2016 13:42 
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Wie immer äußerst informativ und interessant! War 3010 scheint mir eines dieser Spiele, die ich vor einigen Jahren u.U. sehr genoßen hätte - bei mir ist's Dynasty Tactics auf der PS2 gewesen, ebenfalls ein Strategiespiel mit überaus spartanischer Aufmachung, allerdings hat es mich dennoch sehr angesprochen, da die Umsetzung weitgehend solide ausfiel. Scheint durchaus erheblich komplexer als War 3010 (wäre bei dem Generationenunterschied auch schlimm, wenn nicht), erinnerte mich aber just daran.

Mit Sportspielen kann ich so rein gar nichts anfangen, darum kann ich nicht einmal tangentiale Anekdoten bieten - außer, dass ich in dieser gräßlichen, reduktionistischen Welt immer gefragt worden bin, ob ich nicht auch Basketball spiele(n wollte), bloß der Körpergröße wegen. Si tacuisses, basketballludius manisses. :D

Horst_Sergio hat geschrieben:
Wenn ich schon eine Sportart favorisieren müsste, dann wird die Wahl wohl kaum auf Freilufthäkeln, Synchronschnürsenkelbinden oder Langstreckenbutterbrotschmieren fallen.

Es stünde Dir offen, die alte, traditionsreiche Kunst des Kirschkernweitspuckens zu lernen und zu meistern!


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 Betreff des Beitrags: Re: USA!!! USA!!!
BeitragVerfasst: 12.05.2016 12:34 
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Hab gerade mal ein Video zu Dynasty Tactics angeschaut und denke auf den ersten Blick auch, dass der Unterschied zu War 3010 zunächst mal der technische Fortschritt ist. Ich kann natürlich nicht beurteilen, wie sich Dynasty Tactics im späteren Spielverlauf schlägt und was für Elemente oder Optionen noch hinzukommen. War 3010 bleibt jedenfalls dem Minimalismus treu, auch wenn die späteren Missionen bedingt durch die Kartengröße und Verteilung der Einheiten eine enorme Spielzeit aufweisen. Einer mag es langwierig finden, ich würde es sogar spannend nennen... :D

Ansonsten hab ich beispielsweise das Setting eines Strategiespiels nie als sonderlich wichtig für das Spielgefühl empfunden. Heute ist es ja durchaus so, dass Leute mit großer Freude Orks von a nach b scheuchen und wiederum Games mit stählerner Kriegsmaschinerie aus Prinzip langweilig finden, obwohl der spielerische Inhalt nahezu identisch ist.

Perikles hat geschrieben:
Es stünde Dir offen, die alte, traditionsreiche Kunst des Kirschkernweitspuckens zu lernen und zu meistern!

Oh, komischerweise muss ich direkt an den Spuckwettbewerb in Monkey Island II denken. Keine Ahnung wieso. :D

Perikles hat geschrieben:
Mit Sportspielen kann ich so rein gar nichts anfangen...

Ich bin jetzt auch kein großer Fan oder drauf und dran, jedes Sportspiel haben und abfeiern zu müssen. Das geht auch gar nicht, denn es gibt in dem Genre viele, viele Graupen und nur verhältnismäßig wenig relevante Spiele. Ich persönlich finde auch nicht jede Disziplin wirklich gut umsetzbar - Baseball zum Beispiel oder American Football. Davon hat man hier in Deutschland ja recht wenig mitbekommen, in den Staaten gibts zig verschiedene Titel dieser Sportarten.

Die Games auf der Grundlage von NBA Jam sind in Sachen Basketball schon mit das Beste, auch wenn es keine Simulationen sind. Genau an dem Punkt Simulation scheitern ja soviele andere Games. Die NBA-Live Dinger von EA find ich beispielsweise gruselig. Das Tecmo Super NBA Basketball ist vielleicht noch nennenswert. NBA Jam und vorzugsweise T.E. sind dagegen echte Perlen.

College Slam ist zumindest spielerisch gelungen. Das folgende NBA Hang Time hat zwar wieder die Namen und Teams der NBA, aber es fällt deutlich auf, dass dieses Game bereits für die Generation N64 erdacht ist. Die SNES-Version hat im Vergleich zu NBA Jam T.E. einen echt herben Qualitätsverlust, was möglicherweise auch am Entwickler liegt (Funcom statt Iguana). Es fehlen zudem viele Optionen, die sich standardmäßig etablierten.



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Sebel hat geschrieben:
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 Betreff des Beitrags: Re: USA!!! USA!!!
BeitragVerfasst: 21.05.2016 00:31 
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Legales Unglücksspiel

Ich glaube, würde ich ein Casino oder eine dieser berüchtigten Spielhöllen betreten, dann wär ich im Nu bettelarm. Ich müsste wahrscheinlich mein Hab und Gut verramschen, um mir die Schlägertypen des Inkassounternehmens vom Hals zu halten. Das hieße dann: "Adios SNES-Sammlung! Welcome Männerwohnheim..."

Ein furchtbarer Gedanke. Ich mein, mal von der Tatsache abgesehen, dass immer irgendwas Unvorhersehbares eintreten kann, das einen konkret aus der Bahn wirft; es wäre ja vollkommen unverantwortlich, sein eigenes Leben durch Glücksspiele in die Tonne zu treten. Nichts desto trotz habe ich im Laufe meiner Berufstätigkeit durchaus Menschen kennengelernt, denen es tatsächlich so ergangen ist. Für mich persönlich das beste Negativbeispiel: So möchte ich nicht enden, niemals! Da ich aber weiß, dass ich in gewisser Hinsicht auch empfänglich für solcherlei Dinge bin, darf ich mich glücklich schätzen, dass ich eine temporär aufkeimende Spielsucht bislang unentgeltlich befriedigen konnte. Mit anderen Worten: Anstatt also tatsächlich in die Spielhalle zu marschieren, kann man ebenso gut ein virtuelles Casino aufsuchen.

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Super Caesars Palace
Entwickler: Illusions Gaming Company
Vertrieb: Virgin
Veröffentlichung: 1993
Genre: Minigames, Arcade, Simulation

Wer hat nicht schon mal davon geträumt, in Las Vegas so richtig abzuräumen? Die Amerikaner verbraten dieses Thema seit jeher in Filmen und Serien. Nahezu jede Sitcom hat neben den Spezialfolgen zu Weihnachten, Helloween und Thanksgiving meist auch eine obligatorische "Wir fahren nach Las Vegas"-Episode. Wieso? Nun, der Amerikaner hält scheinbar am American Dream fest: Vom Tellerwäscher zum Millionär. In Amerika ist angeblich eben alles erreichbar, es ist schließlich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Umso besser, wenn der kleine Mann ohne viel Arbeit und Energieaufwand in der Glitzerstadt Las Vegas zum Millionär wird. Einfach einen Dime in den Automaten drücken und schon rasselt der Jackpot! Nicht? Hm.

Wie sähe das denn in Deutschland aus? Ich stelle mir eine runtergekommene Bude vor, die sich in der Seitenstraße einer größeren Ortschaft möglichst unscheinbar zwischen zwei große und klobige Ungetüme von Häusern quetscht. Im fahlen Licht eines neuen, kühlen Herbsttages wirkt diese Bude klapperig wie der Obdachlose, der zwischen den Mülltonnen auf der anderen Straßenseite unter einem Haufen ausgelesener Zeitungen liegt und merkwürdige Grunzlaute von sich gibt. Auf den mit Folien beklebten Fenstern der Bude prangen Raubtierköpfe mit weit aufgerissenen Mäulern, die einem nicht wirklich zu verstehen geben, ob man eintreten oder besser Abstand halten sollte. Wenn man sich jedoch die gebrochenen Gestalten anschaut, die bereits zu dieser frühen Uhrzeit mit schwitzenden Händen und zuckenden Augen in diese Bude begeben, dann will man selbst ohnehin nicht mehr rein. Sie öffnen die Tür und taumeln mit den Armen rudernd in die dichten Schwaden aus Kippen- und Zigarrenrauch, Bierdunst und beißendem Körpermölm hinein, welche die Sicht bereits nach wenigen Zentimetern zu einer blassgrauen Nebelwand verkommen lassen. Die Spielotheken Deutschlands sind nichts im Vergleich zu den glamourösen Casinos, die das Nachtleben von Las Vegas in ein strahlendes Lichtermeer verwandeln. Sie entsprechen eher der Ästhetik von Rinderwurst in der Bratpfanne: Matschig, schmierig und unappetitlich; und Gott weiß wieso, aber aus irgendeinem Grund kann man doch nicht mit dem Essen aufhören, wenn man einmal angefangen hat.

Es verwundert mich gar nicht, dass Super Caesars Palace nie in Deutschland veröffentlicht wurde. Abgesehen davon, dass das Glücksspiel hierzulande immer schon ein wenig anrüchig war, gibts außer vereinzelten Casinos und Amüsiervierteln in unseren Großstädten eben kein ultimatives Automaten- und Kartenspiel-Eldorado. Wiederum ist es auf spielerischer Seite auch gar nicht so gravierend, denn eine tolle Perle ist den deutschen Zockern hiermit nicht entgangen. Vielmehr ist Caesars Palace die frühe Form einer Minispielesammlung.

Zunächst soll ich mittels virtueller Tastatur meinen Namen in einen Bankautomaten eingeben - SimCity lässt grüßen. Schon hier macht sich die ziemlich schwammige Controllersteuerung bemerkbar. Meine animierte Hand stolpert geradezu über die Tasten (vermutlich wegen des oben erwähnten Nebels, der naturgemäß herumwabert). Ich brauchte via Emulator zwei bis drei Minuten (!), nur um den Namen HORSTIO einzugeben. Ob es auf der Originalhardware mit der Maus besser klappt habe ich noch nicht ausprobiert, rein spielerisch macht es aber sicher kaum einen Unterschied. Ich habe also meinen Namen eingegeben und bekomme ein Passwort, das ich jederzeit erneuern kann, wenn ich das Casino verlassen will. Schön und gut, allerdings hat dieses Passwort eine Länge von läppischen 16 Zeichen. Spitzfindige Leser mögen bitte errechnen, wie lange es wohl dauern mag, das sechzehnstellige Passwort einzutippen, wenn ich bereits für die sieben Zeichen meines Namens circa zwei bis drei Minuten Zeit geopfert habe. Obwohl mich das Game eindringlich auffordert, dass ich mein Passwort niederschreibe (!), damit ich später wieder neu starten kann, habe ich mal gepflegt drauf gepfiffen und bin frei Schnauze im Casino umher getollt.

Sehr viel gibts da auch nicht zu berichten. Horstio ist eine holperig animierte Figur, die gibberig zwischen den Spieltischen und Automaten herum torkelt. Zu den Minigames gehören unter anderem wenig erbauliche Slot Machines (Einarmiger Bandit), Videopoker, Roullette, Black Jack, Keno, Pferdewetten oder auch Rubbellose. Doof: Die Steuerung zwischen den einzelnen Spielen variiert. Beim Videopoker reicht im Grunde eine Taste zum Glück, während ich bei Black Jack beispielsweise mit der L-Taste abwinke, wenn ich nahe genug an der 21 bin und mit der R-Taste eine weitere Karte anfordere. Obwohl mir die Steuerung vor den Games immer angezeigt wird, hapert die Ausführung desöfteren.

Das Gameplay an sich ist auch nicht gerade tiefschürfend, aber das darf man bei diesen "Disziplinen" auch nicht erwarten. Videopoker ist die schnellste und einfachste Methode um relativ zügig das Geld zu vermehren - ein paar hochwertige Paare bekomme ich immer zusammen, auch Full House oder Straight erwische ich desöfteren. Roullette erschlägt mich dagegen mit der freien Feldauswahl. An diesem Tisch kann ich ganz schnell, ganz viel Zaster verlieren, wenn ich unbedarft setze. Keno ist eine Art Lotterie: Ich bekomme ein Los und kreuze zehn Kästchen aus einem wirren Nummernfeld an. Werden die angekreuzten Nummern gezogen, so werden sie addiert. Um zu gewinnen, muss ich eine bestimmte Punktzahl erreichen. Pferdewetten werden über den Bankomaten abgewickelt. Ich hatte in meinen Sessions durchaus auf den ein oder anderen Gaul gesetzt, aber passiert ist im Folgenden nichts. Weder bekam ich eine Meldung über einen Gewinn, noch habe ich etwas verloren.

Nun ist es auf Dauer natürlich wenig spannend die ewiggleichen Tische und Automaten abzuklappern. Steige ich zu den sogenannten High Rollern auf, werden weitere Bereiche des Casinos freigeschaltet. Es erwarten mich keine neuen Spiele, aber in diesen Bereichen wird um richtig viel Asche gespielt, so dass ich meine mühselig ergaunerten Kohlen noch schneller wieder verlieren kann. Überall im Casino lungern weitere Spielsüchtige rum, die mir mehr oder minder wertvolle Zockertips geben, wenn ich sie anquassele. Alles ist nur auf den ersten Blick interessant, auf Dauer stellt sich gähnende Langeweile ein. Die dröge technische Aufmachung wertet Caesars Palace nicht gerade auf. Die Tische und das Casino selbst sind recht trist und farbarm gezeichnet. Ein wenig Fahrstuhlmusik ertönt während des Intros und beim Verlassen des Casinos. Die Soundeffekte sind schrill und teils nervig.

Kurzzeitig macht sich ja wirklich sowas wie Spaß bemerkbar. Wenn man jedoch erstmal alle Stationen abgegrast hat, dann verliert Caesars Palace schnell seinen Reiz. Insgesamt hätte mehr drin sein können. Das Spiel an sich ist natürlich eine Endlosschleife. Der bittere Beigeschmack ist dagegen sogar unglaublich realistisch: Egal wie reich man wird und wieviel man gewinnt, das wirkliche Ende des Spiels ist erst erreicht, wenn man alles verloren hat! Ich persönlich finde es schade, hier lediglich Geld anzuhäufen und damit nichts machen zu können. Wenn es beispielsweise einen Souvenirshop gäbe oder einen Freizeitbereich, Restaurants oder ähnliche Einrichtungen, in denen man seine Gewinne wieder in die Wirtschaft einfließen lassen könnte, dann wäre das Spiel dauerhaft auch motivierender.

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Collector's Edition
Product-ID: SNS-C6-USA
Beilagen: Standard
Preis: ~15,- Euro
Zustand: 10/10

Das Ding ist alles andere als selten und somit auch nicht teuer. Selbst originalverschweißte Neuware bekommt man für nen Appel und ein Ei nachgeschmissen. 20,- Euro sollten bereits ausreichen, um Super Caesars Palace im Bestzustand zu bekommen. In dem Falle muss man beim Import nicht mal Zollgebühren einrechnen. Dennoch ist es natürlich sinnvoll, das Spiel als Zugabe einer größeren Sendung mitzunehmen, wenn man Versandkosten sparen will.



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 Betreff des Beitrags: Re: USA!!! USA!!!
BeitragVerfasst: 23.05.2016 17:21 
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Es ist wohl keine Übertreibung, festzuhalten, dass es in den weiten Tiefen des Netzes wenige - wenn überhaupt irgendwelche! - Besprechungen zu diesem Spiel gibt, die allen Umständen ungeachtet redlich bemüht sind, den Inhalt so ausgewogen darzulegen. Erneut ziehe ich meinen Hut vor Deiner Langmut, insbesondere die wunderbar plastisch geschriebene Einleitung hält den Leser dazu an, zu verweilen. Natürlich habe ich nicht vor (grundsätzlich nicht und bei der konkreten Beschaffung schon mal doppelt nicht, ganz ohne Litotes!), es jemals zu spielen, aber wie bei Deinen anderen Exkursen auch freut es mich, dennoch das Gefühl zu haben, im Bilde zu sein. Ich bleibe nach wie vor gespannt, welche Kuriositäten Du so zutage bringst!


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 Betreff des Beitrags: Re: USA!!! USA!!!
BeitragVerfasst: 23.05.2016 23:57 
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Vielen Dank. :) Kanns gut nachvollziehen, dass dieses Game ein Ladenhüter ist. Ebenso kann ich nachvollziehen, dass niemand es wirklich spielen möchte. :D

Wirklich empfehlen kann ich das Spiel aus den erwähnten Kritikpunkten ohnehin nicht. Von der Aufmachung her ist selbst das Casino in Lufia ansprechender, wenn auch weniger umfangreich. Hätten die Spielstationen wenigstens ein etwas variierendes Design abbekommen, dann würde die Motivation auch nicht direkt verpuffen, wenn man einmal alles durch hat. Ich meine, da steht fünf- oder sechsmal der immer gleich aussehende einarmige Bandit rum. Der einzige Unterschied ist, dass man mal mehr und mal weniger Kohle einwirft. Und dann fehlt eben der Anreiz zum Zocken. Gewinne, Trophäen, Autos, die man sich kaufen kann. Nur Geld anhäufen, ohne etwas damit tun zu können, macht einfach keinen Spaß.

Das Spiel ist einfach ein reines Sammelobjekt. Ich bin jetzt nicht traurig, dass ich es mir importiert hab, aber rein spielerisch ist es selbst den geringen Preis kaum wert.



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 Betreff des Beitrags: Re: USA!!! USA!!!
BeitragVerfasst: 24.05.2016 09:05 
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@Topic Da ich selbst hauptsächlich US Spiele kaufe, bin ich sehr dankbar für deine Kolumnen, die sich alle großartig Lesen lassen und mich wirklich zum schmunzeln bringen. Ich kann deine Faszination für die eckigen Module teilen, schon als ich früher zum ersten Mal so ein Modul gesehen habe war ich total begeistert. Das war damals übrigens Contra 3 welches ich von einem Freund ausleihen dufte. Bei der PS1 und PS2 ist es für mich allein wegen dem 60 HZ Modus unerlässlich auf diese Länderversion auszuweichen.

@Super Caesars Palace Sehr gut geschriebenes Review für ein Spiel welches ich nicht mal mit der Kneifzange anfassen würde.
Mich fasziniert immer wieder, dass es soviele Spiele gibt die das Glücksspiel zum Thema machen. Ich kann verstehen wenn diese als Minispiel in ein richtiges Spiel integriert sind. In Lufia zum Beispiel war es immer eine nette Zerstreuung zwischendurch, außerdem kann man dann mit genug Asche wirklich gute Items kaufen, welches der Sache einen Sinn gibt.
Aber einfach so aus Spaß zu zocken, ohne irgendeine Art von Belohnung geht mir in einfach nicht in den Kopf. Diese Spiele sind ja auch für so gut wie alle Konsolen erhältlich und als ich meine PSP gekauft habe, waren bei fast 2/3 der Angebote solche Spiele dabei. Wer ging oder geht ins Geschäft und kauft sich tatsächlich für sein reales hart verdientes Geld ein solches Spiel. Da wäre man besser bedient das Geld gleich in einen richtigen Automaten zu stecken.
Interessant finde auch das japanische Äquivalent, die Pachinko Automaten.Von diesen gibt es auch hunderte verschiedene Spiele und die scheinen sich wie geschnitten Brot verkauft zu haben.
Falls jemand ein gutes Video zum Thema Pachinko sehen will, kann ich das Video von Jimmy Hapa empfehlen: https://www.youtube.com/watch?v=OoPRgMmAeKw

Vielen Dank nochmal @Horst_Sergio, dass du dich geopfert hast dem Spiel eine Chance zu geben um darüber zu berichten.



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 Betreff des Beitrags: Re: USA!!! USA!!!
BeitragVerfasst: 24.05.2016 11:06 
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Vielen Dank für dein ausführliches Feedback. Es freut mich, dass meine Beiträge hilfreich und unterhaltsam sind.

Mir ging es ähnlich mit den US-Modulen. Vor vielen Jahren bekam ich mal Space Megaforce plus Adapter in die Hand gedrückt und sah mich dann auch auf Flohmärkten immer mal nach US-Modulen um - erst recht, als meine Vorliebe für RPGs neu entfachte (in etwa zu Zeiten von Morrowind und Gothic). Beim Design-Vergleich von US- und PAL-Modulen muss ich unweigerlich an die Automobilindustrie denken. Vorm inneren Auge sehe ich dann einen ollen VW Käfer neben einem dicken Cadillac stehen. Is klar, wer oder vielmehr was da eindeutig die Nase vorn hat. Zur Hölle mit der Aerodynamik, grob und massig muss das sein. :D

Auf dem SNES ist das Thema Glücksspiele ja recht dünn vertreten. Ähnlich wie auch Pinball, Bowling oder Billard. Ich persönlich mag solche Minigames hin und wieder schon ganz gern, weils halt unkompliziert ist (oder vielmehr unkompliziert sein sollte...) Ich verstehe auch nicht, dass es kein wirklich gutes Pinball auf dem SNES gibt. Und anhand des Casinos in Lufia merkt man ja auch direkt, dass solche Minigames funktionieren können. Wäre Caesars Palace insgesamt nicht so lieblos inszeniert, die Steuerung nur ein Tickchen präziser und gäbe es vernünftige Instruktionen während der einzelnen Spiele, dann wärs auch zumindest "OK". Bei Gelegenheit werde ich mir sicher auch Vegas Stakes anschauen. Laut der Reviews bei gamefaqs (ich weiß, die kann man zu 75 Prozent nicht ernst nehmen) soll es einen Ticken besser sein als Caesars Palace. Mal schauen.



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 Betreff des Beitrags: Re: USA!!! USA!!!
BeitragVerfasst: 09.06.2016 15:01 
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Rien ne va plus!

Eigentlich gehört es rein von der Ausgangslage des Threads nicht hier her, da es auch eine PAL-Version des Spiels gibt, aber da ich kürzlich Caesar's Palace genauer unter die Lupe genommen habe, möchte ich das Genre der Casino-Simulationen auf dem SNES mit Vegas Stakes wieder ins einigermaßen rechte Licht rücken. Vegas Stakes macht nämlich genau das, was Caesar's Palace versäumt. In dem, von Virgin veröffentlichten, Spiel latscht ein anonymer Typ durch ein steril designtes Casino und zockt an verschiedenen schlicht und unschön designten Spielstationen und kämpft während des Spielverlaufs mit gähnender Langeweile, sowie der arg unglücklich geratenen Steuerung. Nicht mehr, eher weniger.

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Vegas Stakes
Entwickler: Dice
Vertrieb: Nintendo
Veröffentlichung: 1993
Genre: Minigames, Arcade, Simulation

Vegas Stakes hingegen beginnt mit einem Intro, in dem ein fetter Mustang über den abendlichen Highway donnert. Die fünf Insassen können es kaum erwarten ihre Kohlen in Vegas zu verzocken. Eine dieser Personen ist der Spieler. Dice spendiert der Hauptfigur eine Rahmenhandlung und macht das gesamte Spiel damit gleich viel einladender. Man checkt im Hotel ein; das Hotelzimmer dient gleichzeitig als Speicherpunkt. Von hier aus darf man, zusammen mit einem der Mitreisenden, ins Casino marschieren. Fünf verschiedene Spielstationen stehen zur Auswahl: Roullette, Poker, Black Jack, Slot Machines und Craps (ein Würfeltisch). Die einzelnen Stationen sind wesentlich detaillierter aufgemacht als in Caesar's Palace. Vegas Stakes erfreut mit vielen Animationen und farbenfrohen Grafiken. Zudem ist auch die Spielbarkeit viel besser. Die Steuerung ist bei weitem nicht so irreführend. Selbst mit dem Controller spielt sich Vegas Stakes hervorragend.

Die Begleiter machen sich hin und wieder bemerkbar, geben Tips und erklären einem die Regeln der einzelnen Spiele, wenn man sie danach fragt. Die Regeln der einzelnen Spiele sind durchaus eine kleine Hürde. Poker wird hier mit sieben Karten gespielt. Bei Black Jack kann man seine Hand aufsplitten und so mehrere Kartenblätter gleichzeitig spielen. Für Craps bin ich allerdings auch nach etwas Einarbeitung noch zu doof. Jetzt mag man denken, dass nur fünf Spiele ja noch schneller langweilig werden dürften, als die sieben oder acht Spiele in Caesar's Palace.

Prinzipiell ist die Abnutzung relativ hoch, allerdings weiß Dice den Zockeralltag deutlich aufzulockern, indem richtig Leben ins Casino gebracht wird. Vor allem an der Slot Machine wird der Spieler immer wieder von anderen Gästen angequatscht, die entweder um Geld betteln oder sich ein wenig im Glück des Spielers sonnen wollen. Putzig: Man weiß nicht im Vorfeld, ob es sich um Taschendiebe oder Trickbetrüger oder um ehrliche Häute mit ehrlichen Anliegen handelt. So kauft man einem Pleitevogel beispielsweise eine vermeintlich teure Taschenuhr ab, die man wiederum teuer weiterverkaufen kann. Dann findet der Begleiter ein Portemonnaie, das man entweder an der Rezeption abgibt oder behält. Gibt man es ab, bedankt sich der Besitzer später bei einem und schenkt einem womöglich einen Teil seines Spielgewinns.

Steigt man zu einem High Roller auf, dann wechselt man auch das Casino und zieht ins feudale Golden Palace ein. Ziel des Spiels ist übrigens der Gewinn von 10.000.000 Dollar, mit denen man seine Träume verwirklichen soll. Das klingt vielleicht nicht berauschend, aber dennoch ist die Motivation zum Daddeln somit viel höher als in Caesar's Palace. Kurzum: Vegas Stakes bietet so etwas wie eine Geschichte, das ist schon mal ein deutlicher Vorteil. Die Begleiter nerven einen nicht, sind aber mit Rat und Tat zur Stelle wenn man sie braucht. Die zufälligen Interaktionen mit anderen Spielern sind zwar vielfältig, nutzen sich im Verlauf des Spiels jedoch ein wenig ab. Aufmachung und Spielbarkeit sind gut gelungen, das einzige, was auf Dauer nervt, ist die dudelige Mucke.

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Collector's Edition
Product-ID: SNS-C6-USA
Beilagen: Standard
Preis: ~10,- Euro

Vegas Stakes bekommt man quasi überall. Und das auch sehr günstig. Die PAL-Version dürfte sicherlich ein paar Taler mehr kosten, aber die US-Version ist streng genommen (ähnlich wie auch Caesar's Palace) Ramschware.



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 Betreff des Beitrags: Re: USA!!! USA!!!
BeitragVerfasst: 25.08.2016 12:11 
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Der Knall im All

Erstmal ein fröhliches Hallihallo. Ein paar Tage lang herrschte Stille in diesem Blog. Ich hab Urlaub gemacht und mir auch sonst eine kleine Auszeit von den Games gegönnt. Nun lasse ich das Ganze langsam wieder anrollen. Immerhin haben sich einige weitere US-Titel in meiner Sammlung eingefunden, die zumindest den europäischen Zockern seinerzeit vorenthalten wurden. Mit diesem Eintrag möchte ich ein Game präsentieren, das weithin als Klassiker seines Genres gilt.

Doof nur, dass ich persönlich keine großen Verträge mit besagtem Genre abgeschlossen hab. Es handelt sich um einen Vertreter der sogenannten Shoot 'em Ups oder kurz Shmups. Es ist einfach Tatsache, dass ich selbst mit reichlich Trainingsrunden nicht in der Lage bin, diese Games wirklich zu meistern. Der spielerischen Unfähigkeit zum Trotz, fühle ich mich immerhin einigermaßen imstande, zu erkennen, ob ein Shooter spielenswert oder Softwaremüll ist. Qualität soll man ja bekanntlich auch ohne Geschmackssinn erkennen können. Also, ran an die Bordkanone:

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Gradius III
Entwickler: Konami
Vertrieb: Konami
Veröffentlichung: 1991
Genre: Shoot 'em Up

Gradius III steht bei den Shooter-Spezialisten recht hoch im Kurs. Es ist eines der ersten Spiele auf dem SNES (Veröffentlichung in den USA 1991, in Japan sogar noch Ende 1990) und mit oberflächlichem Blick muss man sagen: Das fällt durchaus auf. Der technische Sprung der Reihe vom NES (wobei man hier beachten darf, dass der '88 veröffentlichte zweite Teil nur in Japan erhältlich war) ins 16-Bit-Zeitalter ist rückblickend ähnlich knapp, wie die Metamorphose von Super Mario Bros. zu Super Mario World, bzw. von Castlevania III zu Super Castlevania IV. Das soll lediglich heißen, dass die Bild- und Videoqualität durchaus verbessert erscheint, jedoch das Gamedesign im Großen und Ganzen noch eher statisch wirkt. Natürlich mussten auch die Entwickler diesen evolutionären Schritt erfassen und die technischen Möglichkeiten des SNES zunächst ausloten und dann ihre Programmierkunst optimieren. Das geschah wiederum auch dank zusätzlichem Speicher in den Modulen und spezieller Chips, die es zu Beginn der SNES-Ära ja noch gar nicht gab. Im Grunde ist es doch so, dass erst die Nachfolger der frühen Games zeigen, was man tatsächlich aus dem SNES herausholen konnte. Nicht nur die bunte und effektreiche Grafik entscheidet: Auch Linearität des Leveldesigns wich einer gewissen Dynamik. Das soll nun natürlich nicht heißen, dass eine verbesserte Technik per se bessere Spiele hervorbringt. Viele Fans ziehen schließlich Super Mario World seinem Nachfolger vor, ebenso das Gleiche mit Super Castlevania IV und Vampire's Kiss.

Als eines der ersten Spiele für das Super Nintendo ist Gradius III also schon früh im Rennen und buhlt um den Spitzenplatz im Shooter-Olymp, obwohl es nur als japanische und amerikanische Version an den Start gegangen ist. Für Genre-Experten ist das Spiel von Konami tatsächlich auch heute noch ein bedeutsamer Klassiker. Deutschland und der Rest Europas ging leer aus (im Jahr 2000 erschien allerdings eine Compilation mit Gradius III und IV für die Playstation 2). Shooter waren hierzulande - ähnlich wie auch Rollenspiele - nur bedingt angesagt und so erschienen nur "handverlesene" Titel als PAL-Version. Gradius III wurde also nicht in Europa veröffentlicht. Schon kurios: Konamis hauseigene Veräppelung der Reihe - Parodius - wurde nach Europa exportiert, paradoxerweise aber nicht in die Staaten. Etwas später lieferte Konami noch das beeindruckend inszenierte Axelay als technisches Referenzwerk, sowie das kindlich bunte Pop 'n Twinbee an die europäischen Super Nintendo Fans aus.

An Gradius III hatte bereits kurze Zeit nach seiner Veröffentlichung schon der Zahn der Zeit genagt. So liegt denn die Vermutung nahe, dass das Spiel als nachträgliche Portierung vielleicht keinen oder nur noch geringen Erfolg eingeheimst hätte - zumal Konami im Jahr 1992 mit Axelay eine technische Granate in der Hinterhand hatte. Dagegen wirkt Gradius III auf den ersten Blick bieder und altbacken. Der Spielfluss wird zudem von massiven Slowdowns unterbrochen, sobald nur ein paar Sprites auf dem Bildschirm rumwuseln. Dennoch ist das Game Dauerkandidat in den "Top Ten"-Listen, wenn es um das Genre Shoot 'em Ups (kurz: Shmups) für das Super Nintendo geht. Ein stückweit kann ich das auch nachvollziehen: Das Design ist zwar recht linear und grafisch wenig beeindruckend, aber die Mechanik stimmt. Gradius III ist ideales Futter sowohl für Hardcore-Gamer, als auch Puristen, die ein vernünftig ausgearbeitetes Gameplay technischem Firlefanz gegenüber vorziehen. Das Spiel besteht, wie die Vorgänger, aus diversen, direkt aneinander gereihten Stages, die jeweils wiederum in drei Segmente unterteilt sind. Zunächst gibt es eine Art Einleitung, in der nur kleinere Gegner auftauchen, denen man reichlich Power Ups abjagen kann. Dann folgt der individuelle Hauptteil der Stage mit teils ultrafiesen Hindernissen, die nur mit reichlich Fingerspitzengefühl umflogen werden können. Zu guter Letzt taucht natürlich ein obligatorischer Miniboss auf. Hat man diesen pulverisiert, knüpft nahtlos die nächste Stage an. Auf diese Weise kann sich durchaus das Gefühl einer Reise durch ferne Welten einstellen.

Prinzipiell ist das alles gar nicht so schlecht. Mein Problem ist jedoch: Ich bin schlichtweg zu doof! Die meisten Shooter setzen voraus, dass man zügig die Bewaffnung auf die volle Stufe ausbaut und das gesamte Spiel dann mit lediglich einem einzigen Versuch meistert. Gradius III ist da nicht wirklich anders. Stirbt man im Mittelteil einer Stage, wird die Bewaffnung komplett auf die Ausgangssituation zurückgesetzt und dann hat man erst recht keine lange Lebenserwartung mehr. Per Emulator lässt sich der Spielfortschritt bekanntermaßen zu jeder beliebigen Zeit abspeichern. Somit kann ich mir Rücksetzpunkte ohne Lebensverlust erschummeln. Eine andere Möglichkeit bot sich mir nicht, um das Spiel selbst nur auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad zu knacken. Auf der Originalhardware schaffe ich es nicht einmal bis über die dritte Stage hinaus. Lernkurve gleich null! Und das trotz zigfacher Versuche. Ich denke, das Hauptproblem liegt einfach darin, dass ich das Spieltempo nicht selbst bestimmen darf, sondern - wie so üblich in diesem Genre - gewissermaßen in ein Korsett gezwängt werde: Autoscrolling, vordefinierte Gegnerwellen, zusätzliche und bewegte Hindernisse - so ganz mein Fall ist das leider nicht und schaffe es auch nicht, den idealen Weg zu finden, bzw. bin nicht in der Lage, einen guten Lauf gleichermaßen zu wiederholen. Meinen persönlichen Frust kann ich somit nicht gänzlich verbergen, dennoch erkenne ich, dass Gradius III trotzdem auch Spaß macht und zu einem weiteren, wenn auch aussichtslosen, Versuch motiviert. Das Upgradesystem gefällt mir, auch die Wahl verschiedener Waffentypen vorm Spielstart und manche der Minibosse und Levelabschnitte warten mit einem schicken Look auf. Allerdings finde ich den vielgelobten Soundtrack eher lahm. Die Themes sind zum einen nicht episch genug instrumentiert, zum anderen langweilen mich die seifigen, wenig ausdrucksstarken Kompositionen. Das könnte alles etwas knackiger und fetziger klingen. Dafür sind die Soundeffekte durchaus gelungen. Trotz des meiner Meinung nach unerbittlichen Schwierigkeitsgrades und manch technischem Schnitzer ist das Gesamtwerk wirklich gutklassig. Aber unterm Strich ist es ist einfach nicht mein Genre. In einem Punktesystem von 1 bis 10 würde ich Gradius III somit eine wohlwollende 7,5 aufdrücken.

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Collector's Edition
Product-ID: SNS-G3-USA
Beilagen: Standard
Preis: ~35,- Euro

Hier hilft weitgehend nur der Weg zum Importhändler. Mit ein wenig Glück findet man jedoch auch in Deutschland Anbieter, die einem die US-Version für nen fairen Preis überlassen. In meinem Falle klappte das mit etwa 35,- Euro ganz gut. Ich würde auch etwa 40,- bis 50,- Euro noch als fair bezeichnen, insofern das Spiel komplett mit Verpackung und Anleitung in sehr gutem Zustand verkauft wird. Viel mehr sollte Gradius III jedoch nicht kosten, da man das Spiel mit etwas Glück sogar als originalverschweißte Neuware für unter 100 Dollar bekommen kann.



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