Der Schwierigkeitsgrad ist aber echt happig. Ich bin trotz intentensiver Ausernandersetzung nie weiter als bis zum messerwerfenden Indianerboss gekommen... Hat es jemand weiter geschafft?
Ich habe es heute bis zur allerletzten Phase mit Sir Richard Rose geschafft und war dionysischen Klagegesängen nahe, als mich eine schnelle Kugel meines letzten Lebens beraubte. Zudem spielte ich auf der einfachsten Schwierigkeitsstufe mit der maximalen Anzahl an Leben und Continues; nicht, dass hier der Eindruck entsteht, ich wäre mit eigenen Fähigkeiten durchgekommen, die fehlen mir offenbar in dem Spiel gänzlich.
Ich weiß auch nicht recht, woran das im Einzelnen liegt, die eigentlichen Level sind lächerlich einfach (außer die Einlagen mit dem Pferd, aber dazu komme ich noch), aber manche Bossgegner verschlingen schneller ein ganzes Continue als ein schwarzes Loch vereinzelte Neutrinos. Für Chief Wigwam (der Name ist übrigens zensiert, sowohl in der Arcadeversion als auch im Megadriveport [auf den ich ebenfalls noch rekurrieren werde, ab jetzt mit dem Kürzel "MD"] heißt der "Chief Scalpen", in der SNES-Version sind auch die Indianer durch gewöhnliche Banditen ersetzt worden, vermutlich, um einer [nicht nur juristisch verstandenen] (An-)Klage gemäß "Violence against minorities" vorzubeugen, was sich ziemlich lächerlich gibt, immerhin ist auch das in den anderen Versionen anders gehandhabt worden, ohne dass es zu Komplikationen gekommen wäre) gibt es glücklicherweise einen relativ simplen Trick: da der Kontakt mit Gegnern nicht zum Lebensverlust führt und Wigwam seine Messer auf dem Boden recht langsam schwingt, ist es möglich, "in" ihm zu stehen, nach oben zu springen und runterzuschießen. Im Idealfall bleibt er dabei stehen und schlägt wieder zu, nachdem man wieder auf den Füßen steht, was es ermöglicht, die Chose so lange zu wiederholen, bis der Kampf vorbei ist.
Meine Schwierigkeiten mit dem Spiel lassen sich nur schwer festsetzen. Die Unverwundbarkeitsframes beim Wechseln von Etagen und beim Rutschen sind eigentlich ziemlich großzügig, genauso wie die Hitbox im Allgemeinen und beim Reiten im Besonderen. Ich habe allerdings oft das Gefühl, zum schlechtesten Zeitpunkt auszuweichen, ohne recht zu wissen, wie ich es hätte handhaben können. Darum fallen meine Kritikpunkte auch relativ kurz aus:
- Die beiden Level auf dem Pferd sind schlichtweg brechreizerregend. So wenig Platz zum Manövrieren, die Gegner können von oben oder unten, hinten oder vorne kommen und schießen meistens gleich drauf los, ich kann jedenfalls nicht ganz nachvollziehen, wie man da ohne Lebensverluste durchkommen soll. Ich vermute, dass hier der Versuch seitens Konami vorliegt, das Spiel ein wenig aufzulockern, immerhin fehlen einige der Abwechslungen aus der Arcadevorlage, so z.B. der Lift im Indianer- oder die Gatlinggun im letzten Level. Meines Erachtens ein völliger Fehlgriff, da wären längere und auf fairere Weise schwierigere Level besser gewesen.
- Was ich allerdings noch mehr vermisst habe, ist die Option, auch bei einem Continue einfach an der Stelle weiterzumachen, an der man zuletzt verstorben ist, anstatt den ganzen Level von vorne anzufangen. Es ist furchtbar frustrierend, wenn zwei, drei Salven vonnöten gewesen wären, um den Boss auszuschalten, und ein Fehler dazu führt, dass man nicht nur sich wieder durchkämpfen muss, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit noch mehr Leben verliert. Es ist ja nichts Ungewöhnliches in Videospielen, dass Continues so funktionieren, aber bei einem so schweren Arcadeport wäre es ein Zeichen von Gnade gewesen: Gnade, die im MD-Gegenpart gewährt wurde.
Und damit wären wir auch beim Vergleich: auf dem MD ist das Spiel um Welten leichter. Nicht nur ist es möglich, zu jedem Zeitpunkt Continues in Anspruch zu nehmen, die Pferdepassagen mit den Gegnern sind komplett gestrichen, es gibt weniger Bossgegner und in den Bonusleveln (in denen man tatsächlich reitet) werden wortwörtlich Extraleben nach dem Spieler geworfen. Damit kein falscher Eindruck entsteht: das Spiel ist nach wie vor ziemlich schwer, die (noch vorhandenen) Bosskämpfe verhalten sich fast identisch zur SNES-Version und die eigentlichen Level sind sogar etwas schwerer (und in sich minimal abwechslungsreicher). Außerdem ist es objektiv ein Rückfall, dass auf dem MD sowohl Level als auch die leitenden Schergen Richard Rose' fehlen, aber ich hatte beim Spielen deutlich mehr Spaß. Mal abgesehen von der heruntergedimmten (und nach meiner Meinung auch faireren) Schwierigkeit finde die Graphik leicht besser - technisch ist ganz klar das Gegenteil der Fall, aber beim SNES sehen insbesondere die Gesichtskonturen der Charaktere merkwürdig verschwommen aus, außerdem gefällt mir die dunklere Koloratur beim MD besser, obwohl der eher comicartige Stil den Wesenszug wohl besser trifft. Bei der Musik tut sich erstaunlicherweise auch nicht viel, allerdings finde ich einige Tracks, die auf der MD-Konversion enthalten sind, aufgrund der etwas anderen Akzentsetzung besser - das ist aber wie so oft Geschmackssache.
Um es allerdings noch einmal zusammenfassend darzulegen: ich habe ganze zwei Kritikpunkte gegen die SNES-Version, wovon der eine (Handhabung der Continues) nicht einmal wirklich valide ist. Ich muss klipp und klar eingestehen, dass ich zu schlecht für die knallharte Herausforderung auf dem SNES gewappnet bin und deswegen die MD-Version klar vorziehe, obwohl es für gewöhnlich genau andersherum verläuft (mal entschieden von "Earthworm Jim" abgesehen, aber darauf komme ich dann an anderer Stelle noch zu sprechen).