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 Betreff des Beitrags: Dragon Quest I/II/III (Erdrick-Trilogie)
BeitragVerfasst: 21.09.2013 18:46 
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Auch hierzu ist ein Thema überfällig.

Dragon Quest ist das JRPG-Genre - viele der wiedergekäuten, weichgespülten Stereotypen, die man an japanischen Rollenspielen lieben oder verachten mag, haben ihren Ursprung im ersten Dragon Quest (in den USA aufgrund einer lizenzrechtlichen Komplikation zunächst Dragon Warrior genannt, später auf der ganzen Welt mit Dragon Quest tituliert). Hierzulande mag Final Fantasy der erste Gedanke sein, wenn es um diese Art von Spielen geht, tatsächlich sind die ersten FF-Teile noch recht unbeholfene Dragon Quest-Epigonen, bevor sie mit dem ATB-System auf eigenen Füßen stehen konnten - was an dieser Stelle nicht vertieft werden soll.

Fluch und Segen der Serie ist der erzkonservative Unwille, etwas an der Spielarchitektur zu ändern: ein achtbarer Bestandteil dessen, was man in späteren Ablegern ausmacht, hat es schon im ersten Teil gegeben, darunter das strikt rundenbasierte System. Wem also ein Teil gefällt, der kann mit relativer Sicherheit auch einen anderen mit Gewinn spielen (funktioniert auch in der Gegenrichtung, versteht sich). Je nach Einstellung ließe sich das als größte Stärke (Tugendbewusstsein, Stetigkeit, Zuverlässigkeit) oder Schwäche (Antimodernismus, Starre, Stillstand) anführen.

Auf dem SFC (westliche Veröffentlichungen hat es nicht gegeben) gibt es jedenfalls die ersten sechs Teile mit Ausnahme des vierten. Die Teile I-III sind aufpolierte, stark nachgebesserte Revisionen der NES-Originale, die ersten beiden Abenteuer sind sogar auf einem Modul erschienen. Part V und VI sind dagegen eigenständige, auf dem SFC entstandene Titel. Hier soll die sog. Erdrick-Trilogie - die aus dem Erstlingstrio besteht - besprochen werden.

Der erste Teil wirft Licht auf einen Nachkommen Erdricks (Loto/Roto im Urtext), der die Prinzessin retten und den üblen Dracolord fällen soll. Die vagabundierende Truppe besteht aus einem Teilnehmer - dem erwähnten Nachkommen -, der allerlei Hinweisen nachgehen muss, um seine Abstammung zu beweisen (mithilfe der Ausrüstung Erdricks), verworrene Labyrinthe zu durchqueren und Monster zu schlachten. Dragon Quest ist so simpel, wie es nur geht - und doch nicht ganz einfach. Da es nun einmal nur diesen einen Helden gibt, die Möglichkeiten des Spielers dadurch begrenzt, wird hin und wieder stumpfe Auflevelei nicht zu vermeiden sein. Glücklicherweise geben die meisten Monster doppelt so viel Erfahrung und Gold gegenüber der NES-Version, was die Mühsalen erträglicher gestaltet (das gilt auch für den zweiten Teil, beim dritten bin ich mir gerade nicht ganz so sicher). Es tritt immerhin auch nur maximal ein Gegner auf einmal unserem Recken entgegen, darunter freilich grausige Gestalten wie Axtritter, grüne Drachen und Schimären. Wer jedoch weiß, wie die Geheimnisse zu lüften sind, wird Dragon Quest in vielleicht sechs bis acht Stunden durchspielen können.

Der Erzählung zweiter Teil spielt erheblich später, nunmehr sind es die Sprößlinge des Heroen aus dem ersten Spiel, die die Welt vor den Fängen des sinistren Hargons retten sollen. Drei wackere Gesellen finden sich ein, mit verteilten, festgesetzten Klassen (Kämpfer, Schwarzmagier, Heilerin). Die Welt ist weitaus größer geworden, enthält nun auch Transportmöglichkeiten und mehr Speicherplätze. Dragon Quest II gilt als der unangefochten schwerste Teil der Reihe, gar als eines der brutalsten JRPGs überhaupt. Genaues Wissen um die Schwächen der Gegner kann dem abhelfen, wer allerdings in einen Hinterhalt gefährlicher Monster gerät, um den kann es dennoch geschehen sein. Empfehlen kann ich die Strapazen dennoch, es handelt sich schon um eine andere Herausforderung als das seelenzermahlende 7th Saga.

Der dritte Teil behandelt die Legende von Erdrick daselbst. Das Universum ist noch größer, die Klassen der Helden sind nicht mehr festgelegt, sondern können ausgewählt werden. Wüsste ich mehr über das Spiel, ich führte es vermutlich hier aus.

Abschließend sei gesagt, dass das SFC abseits der Wii-Anthologie die beste Möglichkeit darstellt, die Erdrick-Trilogie zu genießen. Gegenüber den NES-Versionen sind Graphik und Musik aufpoliert (wenn auch immer noch nicht in spektakulären Ausmaßen), wenigstens die ersten beiden Teile sind dank der gnädigeren Ausbeute an Gold und Erfahrung auch wesentlich handhabbarer (wenngleich manche Bossgegner hier deutlich stärker sind als im Original).


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 Betreff des Beitrags: Re: Dragon Quest I-III (Erdrick-Trilogie)
BeitragVerfasst: 21.09.2013 22:10 
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Dragon Quest I & II fuer SNES mag zwar bis dato die beste Version dieser Spiele darstellen, aber sie spielen sich weiterhin syrupartig und sind enorm schwer. Ich bin leider kein grosser Fan der ersten beiden Teile, obwohl sie definitiv bereits den Charme und das Kampfsystem inne haben, die fuer die Dragon Quest Serie bis heute fundamental sind. Beide Spiele zockte ich etwa drei Stunden und habe sie dann fuer interessantere Genrevertreter zur Seite gelegt.

Teil 3 steht spaetestens seit Mois Review recht weit oben auf meiner "To Play"-Liste. Aber noch kann ich keine wirkliches Meinung zu dem Spiel abgeben, ausser dass ich es interessant finde und grosses Spielspass-Potential vom Hoeren-Sehen vermute.



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 Betreff des Beitrags: Re: Dragon Quest I-III (Erdrick-Trilogie)
BeitragVerfasst: 21.09.2013 22:22 
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Ich für meinen Teil habe den ersten Teil jetzt zweimal durchgespielt, beim zweiten bin ich ein paar Stunden im Geschehen drin. Was Du sagst, ist definitiv verständlich - gerade der Mangel an Optionen in den ersten Stunden beider Spiele im Allgemeinen und im Erstling bis zum Ende hin im Besonderen, der in einen Zwang mündet, aufzuleveln, wird für den einen oder anderen zäh wie Melasse wirken. Ich konnte dem ersten Teil einiges abgewinnen, vermutlich aufgrund meiner Vorliebe für alte Brettspiele dieser Machart. Die Anforderungen sind so rudimentär und die Aufmachung der Dörfer wie NPCs so zielgerichtet einfältig, dass die Erkundungslust eines willigen Abenteurers sofort geweckt wird. Dazu kommt ein zwar überschaubares, dafür staunenswert sinnvolles Repertoire an Zaubersprüchen, von denen jeder seinen Nutzen hat. Das ist bei den ersten Final Fantasy-Episoden so ganz anders. Die richtige Einstellung für beide Teile muss allerdings in der Tat vorliegen, sonst reduziert es sich auf monotones Monsterabschlachten. Den zwoten Part will ich demnächst mal durchspielen, vielleicht besorge ich mir vorher ein Bestiarium o. dgl., damit es schneller geht.


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 Betreff des Beitrags: Re: Dragon Quest I-III (Erdrick-Trilogie)
BeitragVerfasst: 22.09.2013 12:01 
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Also ich kann zu den ersten 3 teilen nix sagen,hab aber den 6 auf meinen Nintendo 3ds,und warum jetzt rundenbasiertes Kämpfen altbackens ein soll,versteh ich nicht,ich mag rundenbasierte Kämpfe viel mehr als Echtzeit-bin bei DQ6 aber noch nicht sehr weit(da wo man den Schmied aus den Wald holen muss,und runterfällt und jetzt irgendwie nen Geist oder so)wollte aber schon immer mal sehen wie sich DQ gegenüber FF ,dem grossen Konkurrenten spielt



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 Betreff des Beitrags: Re: Dragon Quest I-III (Erdrick-Trilogie)
BeitragVerfasst: 22.09.2013 12:52 
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Zitat:
[...] und warum jetzt rundenbasiertes Kämpfen altbackens ein soll,versteh ich nicht,ich mag rundenbasierte Kämpfe viel mehr als Echtzeit [...]

Strikt rundenbasierte Systeme sind naturgemäß weniger actionreich als Echtzeitgefechte, bei denen (idealerweise) unter Druck Entscheidungen zustande kommen. Persönlich gefallen mir Dragon Quest-Spiele im Schnitt auch viel besser als vergleichbare Final Fantasy-Gegenspieler, nicht zuletzt deswegen, weil Dragon Quest immer auf derselben grundsoliden Mechanik beruht, während nicht wenige FFs Totalausfälle sind.

Die Zenithia-Trilogie auf dem DS gehört fraglos zur Spitzenklasse der JRPGs, der vierte Teil ist das am besten ausbalancierteste RPG, das ich je gespielt habe.


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 Betreff des Beitrags: Re: Dragon Quest I-III (Erdrick-Trilogie)
BeitragVerfasst: 22.09.2013 13:23 
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Zitat:
Strikt rundenbasierte Systeme sind naturgemäß weniger actionreich als Echtzeitgefechte

eben bei RPGS bevorzuge ich das;ich habe mehr Zeit zum planen bei Echtzeit artet das bei mir in Hektik aus

Zitat:
bei denen (idealerweise) unter Druck Entscheidungen zustande kommen

Na ob das so ideal ist?



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 Betreff des Beitrags: Re: Dragon Quest I-III (Erdrick-Trilogie)
BeitragVerfasst: 22.09.2013 13:44 
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Ich finde, beides hat seinen Reiz. Ähnlich einer Partie Schach, bei der fünf Minuten für jeden Spieler eingeplant sind, und einer anderen, in der beide Spieler je eine Stunde zur Verfügung haben. Die Erfahrung ist eine ganz andere, obwohl Regelwerk, Figuren und Gegenspieler in beiden Fällen identisch sind. Es ist allerdings fraglos ein kolossales Unterfangen, ein JRPG auf die Beine zu stellen, das einerseits stressig ist, andererseits fair (es bringt natürlich nichts, wenn alles in Echtzeit abläuft und der Schwarzmagier wertvolle Sekunden verbummelt, weil er sich durch eine ellenlange Liste von Zaubern durcharbeiten muss, bevor er endlich Meteor wirken kann).


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 Betreff des Beitrags: Re: Dragon Quest I / II / III (Erdrick-Trilogie)
BeitragVerfasst: 27.06.2014 23:25 
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Habe mir Teil 1+2 für Gameboy importiert, spiele grad den ersten Teil. Ein grundsolides Spiel, das mich doch überzeugen kann. Leider nicht so schöne Grafik wie die SNES Version, dafür keine Sprachbarriere 8)



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 Betreff des Beitrags: Re: Dragon Quest I / II / III (Erdrick-Trilogie)
BeitragVerfasst: 16.12.2014 15:18 
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Ich habe inzwischen auch Dragon Quest I beendet (in der englischen Fan-Translation). Prima Spiel! Nach EarthBound war es eine richtige Wohltat, das heroische Gefühle eines Rollenspiels, welches mir bei der Persiflage so fehlte, hier in seiner reinsten Form serviert zu bekommen.

DQ1 ist kurz (ca. 8 Stunden Spielzeit), es ist knackig und es macht unglaublich Laune - was im Besonderen vom Soundtrack getragen wird. Nun gut, die viele Lauferei mag manchmal ermüdend wirken, aber das verzeihe ich einem Spiel, das ein ganzes Genre mitbegründet hat. Auch die Rätsel sind nett, wer aber fleißig die Hinweise der Dorfbewohner mitschreibt, dürfte an keinem lange zu knabbern haben; nur bei dem Fundort der Sonnen-Nüsse musste ich nachlesen).

Ich habe jede Sekunde des Abenteuers genossen und wurde abermals in meiner leicht ne­ga­ti­vistischen Sicht gegenüber EarthBound bestärkt. So wie DQ1 müssen JRPGS sein.


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 Betreff des Beitrags: Re: Dragon Quest I/II/III (Erdrick-Trilogie)
BeitragVerfasst: 27.09.2016 01:33 
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Mein jährliches RPG zum Durchspielen sollte dieses Mal Dragon Quest II sein, damit habe ich jetzt von den ersten sechs Teilen der Reihe alle bis auf III durchgearbeitet. Mühsam nährt sich das Eichhörnchen!

Zunächst dringlich vorweg: ich hatte zunächst auf der Konsole angefangen, mittels der ins Englische übersetzten Fassung. Das hatte beim ersten Teil wunderbar geklappt, darum war ich auch froher Dinge. Mir war schon vorher bewusst, dass man nicht in der Gaststätte im Dorf Beran einkehren darf, da sich das Spiel sonst unweigerlich aufhängt, ansonsten, dachte ich, sollte es aber problemlos vonstatten gehen. Nur begab es sich leider anders: als ich einmal mit einem der NPCs sprach, die das Spiel speichern, während zeitgleich einer meiner Kameraden das Zeitliche gesegnet hatte, ist mir das Spiel ebenfalls abgeschmiert - die des Speicherns Kundigen rasseln zuvor immer herunter, wieviel Erfahrungspunkte ein Charakter noch braucht, um zum nächsten Level zu kommen, offenkundig war der Anblick eines Toten da zu viel des Guten. Es war gar so schröcklich, dass nicht nur das Spiel stoppte, sondern der Spielstand auch flöten ging. Ich war danach nicht eben im Zustand ausgeglichener Seelenruhe, wie man sich wird denken können. So viel also zur allgemeinen Warnung.

Da kam mir die Idee, einen Verbündeten ins Boot zu ziehen: die allmächtige Fast-Forwardtaste auf dem Emulator. Ich hatte mir schon gedacht, dass diese mir erlauben würde, den verlorenen Fortschritt in angenehmer Zeit wieder aufzuholen, war mir allerdings nicht im Klaren, wie sehr das aushilft. Mein Spielstand umfasste grob die Hälfte des Spiels, das hat mich ein paar Nachmittage/Abende zu jeweils ein paar Stündchen gekostet. Das konnte ich in zwei Stunden mittels Fast-Forward wieder einholen. Freilich wusste ich, was ich tun musste und konnte dementsprechend schnell die Wege abklappern, aber das Aufleveln ist einfach nur phänomenal, das geht in Sekunden. Da Dragon Quest II das brutalste RPG ist, das ich bis dato gespielt habe, und insofern Aufleveln dann und wann nicht wünschenswert, sondern notwendig ist, hilft das im gigantischen Ausmaß. Ich fragte mich gar, wo diese Funktion mein bisheriges Leben lang geblieben ist.

Passend zur simplistischen Natur des Spiels gebe ich schlaglichtartig meine positiven und negativen Noten wieder:


+ Komplett vorhersehbare, praktisch nicht existente erzählerische Handlung, es steht das Abenteuer im Vordergrund, das Erforschen auf eigene Faust. Keine Melodramen, keine versuchten und doch verpfuschten Versuche zum Charakteraufbau, keine jämmerlich schwachen Dialoge, keine klischeedurchsetzt extremen Emotionen zum Fremdschämen, stattdessen oftmals - nichts. Ich stoße mich gewiss nicht an komplexen Handlungen, bin aber mittlerweile der festen Überzeugung, dass JRPGs in mehr als 9 von 10 Fällen das sowieso gekonnt in den Sand setzen, da bin ich mit so einer Erwartungshaltung gleich viel besser dran.

+ Grundlegendes, doch fabelhaft konzipiertes Verständnis des Spielsystems. Blocken z.B. ist ein integraler Bestandteil des Spiels, praktisch alle Zaubersprüche sind nützlich. Vom Stopspell zu Sleep, von Defeat zu Increase. Nehmen wir Defeat als Beispiel: trifft eine Gruppe von Gegnern für 4 MP und ruft sofortigen Tod hervor, manche Gegner sind recht anfällig dafür, andere weniger. Bei einer Gruppe, die groß genug ist, erwischt man auch mal ein oder zwei Widersacher - so muss ein Spruch dieser Machart wirken. Das bekommt auch beinahe exklusiv nur die Dragon Quest-Serie richtig hin. Oftmals ist so ein Spruch viel zu inakkurat, kostet zu viel MP oder man kann Gegner ohnehin in ein oder zwei Treffern ausschalten.

+ Großteils knackiger Schwierigkeitsgrad mit erinnerungswürdigen Momenten als Resultat. Mein Scharmützel mit dem letzten Endgegner ging um Haaresbreite gut aus, da wollte jeder Zug wohl bedacht sein. Teils schlägt es ins brutal Unfaire über (s. unten), gerade gegen Ende hin, aber im Großen und Ganzen entsteht eine genuine Spannung, wenn man durch ein langes Labyrinth herumirrt und die Ressourcen beständig knapp werden. Traut man sich noch einen Flur weiter? Wäre es nicht besser, Outside zu wirken und noch einmal zur Stadt zu gehen, um zu heilen? Was, wenn einen eine Gruppe grüner Drachen überfällt, die alle ihren Feueratem wirken und die Gruppe in Asche umsetzen?

+ Nachdem man das Schiff hat, kommt man praktisch überall hin auf die Welt und kann sich, so der Mut (oder die Fortüne) vorliegt, schnell sehr mächtige Gegenstände besorgen. Allerlei Leute auf dem Globus geben etliche Ratschläge, was man als nächstes besichtigen/aufsuchen sollte, um die Queste zu erleichtern. Kein Händchenhalten, sondern die Lust aufs Erkunden ist gefragt. Später im Spiel kann man auch Schreine/Monolithen aufsuchen, mit deren Hilfe man schnell hin- und herteleportieren kann, was die Angelegenheit beschleunigt.

+ Sinnhaltige Veränderungen im Vergleich zum 8-Bit-Original trimmen das Leveln herunter. Es gibt deutlich mehr Gold von Gegnern, andere Gegner sind rundheraus etwas harmloser, dafür gibt es ein paar Stellen, die auf dem SFC deutlich schwerer sind, insbesondere die Bosse und wiederum insbesondere der allerletzte solche. Das war auch schon beim Erstling so und scheint mir die richtige Priorität zu sein.


+- Audiovisuelle Darstellung ist insgesamt doch etwas mäßig. Nicht grauenhaft, aber auch alles andere als herausragend. Die Instrumentalisierung einiger Stücke auf dem NES gefällt mir schon deutlich besser, und das ist bei mir schon sehr selten. Zwar gibt es bunte Hintergründe bei den Zufallskämpfen statt des pechschwarzen Zuschnitts, das allein reißt es jedoch nicht raus. Aufgrund der rudimentären, schnurgeraden Natur des Spiels ist das kein großer Verlust, mehr wäre hier allerdings wahrhaftig mehr gewesen.


- Ich lobte das Erkunden, manche Sachen sind allerdings lachhaft kryptisch. Man muss fünf Wappen auflesen, die auf der ganzen Welt zerstreut sind, eines davon liegt an einer völlig unscheinbaren Stelle in einer unbeschriebenen Ecke, da muss man suchen. Wie man das wissen soll? Keine Ahnung. Sagt einem keiner. Ich nutze nicht auf jedem Bildschirm die komische Flöte, um auszuschließen, dass hier eines der Dinger vergraben sein könnte, tut mir leid. Manchmal muss man gegen eine Stelle in der Wand pressen, die genauso aussieht wie jede andere auch, ebenfalls eine Angelegenheit für unzählige Stunden. Ein anderes Mal muss man einen Gegenstand benutzen, von dem man dachte, dessen Nutzen habe sich bereits erledigt, wiederum ohne Ankündigung oder Hinweis. Das sind so Stellen, bei denen ich mich nicht im Geringsten schäme, nachzuschlagen.

- Gleichsam fand ich gewogene Worte zur Brutalität. Manches ist allerdings schon wirklich übersteigert. Mein liebstes Beispiel sind die Golden Batboons am Ende des Spiels: die können sich opfern, um alle drei Mitglieder der Truppe garantiert ohne Umschweife sofort auszuradieren. Spiel vorbei! Später lernte ich, dass Stop gegen die Burschen wirkt, dennoch: was für eine dreckige Saubande! Läuft man in einen Hinterhalt gegen die falschen Gegner, ist auch sofort Zapfenstreich, selbst mit den besten Rüstungen ist der Schaden so extrem hoch, dass man hoffnungslos ausgeliefert ist. Einer der letzten Bosse kann sich ständig komplett heilen, ohne dass sich das unterbinden lässt. Wenn man anfangs mit dem Schiff über die Meere segelt, wird man dann und wann mit Gegnern konfrontiert, die die Truppe im Nu ausradieren - allein, woher soll ich im Vorhinein wissen, wo das Verderben lauert? Versuch macht klug etc., hat auch seinen Reiz, dann und wann wird man sich allerdings schon aufrichtig über die waschecht schäbigen Tricks ärgern.

- Zu viel Geraffel, das man ständig durch die Gegend schleppt. Immerhin funktioniert einiges automatisiert in dieser Version, man muss sich nicht durch alle Menüs klicken, um eine Tür zu öffnen, der Schrott kleistert trotzdem nach einer Weile alles zu. Da wünscht man sich den Beutel aus den DS-Teilen, in dem man alles verstauen kann. Die GBC/SFC-exklusiven Samen/Eicheln vergeben ferner eine zufällige Menge desjenigen Wertes, den sie verleihen: nur kann man vorher abspeichern und es erneut versuchen, was also soll dieser Mumpitz?

- Stumpfes Aufleveln ist und bleibt langweilig. Anders als die herausragende Zenithiatrilogie auf dem DS bleibt es leider partienweise unumgänglich. Fehlen die nötigen Sprüche, die Ausrüstung, die Statuswerte, geht es dann und wann nicht weiter. Ferner kommt es zu einer sehr steilen Kurve am Ende des Spiels, die etwas arg ungleichmäßig wirkt.


Summa summarum: ich hatte definitiv meinen Spaß. Ich kann mir nicht vorstellen, es irgendwann in den nächsten Jahren noch einmal zu spielen, auch wird es nie Einzug halten in der Halle meiner liebsten RPGs, nichtsdestominder bin ich positiv angetan. Die Fülle an nützlichen Zaubersprüchen, Gegenständen, die man für Zaubersprucheffekte nutzen kann, das wahrlich klug durchdachte Blocken und der allgemeine Verlauf des Schwierigkeitsgrads schnurren sich zu einem sehr respektablen Gesamtprodukt zusammen. Anders als Final Fantasy-Teile, die seit jeher von allen möglichen Perspektiven sperrangelweit offen stehen und gnadenlos exploitiert werden können, ist die DQ-Saga grundsolide. II ist da keine Ausnahme. Es gibt halt nur wenig außerhalb der Anspannung des endlosen Scharmützels, die Handlung ist karg, die Graphik reichlich primitiv, der Knalleffekte gibt es keine. Muss man also wissen, ob man sich darauf einlassen möchte.


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 Betreff des Beitrags: Re: Dragon Quest I/II/III (Erdrick-Trilogie)
BeitragVerfasst: 27.09.2016 09:07 
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Ein sehr schöner Erfahrungsbericht. Aufgrund der fehlenden, offiziellen Portierung in ein deutsch- oder englischsprachiges Land werde ich das Game sicherlich niemals spielen (mit Gehacktem tue ich mich etwas schwer, da ich oft in die berüchtigten Fehlerquellen tappe und das Spiel einfriert). Trotzdem ist es interessant, etwas über den Urvater unserer geliebten J-RPGs zu erfahren. Im Grunde also bebilderter Geschichtsunterricht. Vielen Dank dafür!

Oh ja, die Vorspultaste. Ob das geschummelt ist oder nicht, ist wohl jedem selbst überlassen. Ich spiele ja gern zunächst mal auf der Originalhardware, um das Geschehen in vollem Umfang zu erleben. Für meine schriftlichen Erfahrungsberichte inklusive Bildmaterial greife ich im zweiten Durchgang natürlich auf den Emulator zurück und nutze dann auch den Turbo-Boost.

Man muss ja zugegeben, dass vor allem RPGs nicht nur bedeutend schneller ablaufen, sondern auch teils grotesk einfach werden, sofern man die Zeit beschleunigt. Die Kämpfe erhalten im Fast-Forward-Modus ein gewisses Muster, das man zügig erkennt und dem man sich mit stoischer Gelassenheit anpasst. Mir geht es zumindest so, dass ich nur noch die Energie meiner Helden sehe, die nach und nach sinkt und die bei Bedarf eben wieder aufgefrischt wird. Man begreift rasch, ob der Energieverlust die eigene Party oder die Gegnergruppen stärker belastet. Die Originalgeschwindigkeit lebt vor allem durch die Tücke der emotionalen Bindung. Man sucht laufend nach neuen Taktiken, womit man sich im Endeffekt selbst ein Bein stellt. Somit verschenkt man unter Umständen diverse Runden und sieht sich selbst einem viel stärkeren Druck ausgesetzt, das Blatt noch zu wenden. Im Zeitraffer fällt das einfach weg.

Noch krasser und einfacher wird diese Spielerfahrung natürlich, wenn der Emulator eine Rückspultaste zulässt. Ich habe die Spiele zuletzt via zsnes emuliert - leider zunehmend mit fehlerhafter Darstellung, Soundbugs, Input Lag, bis hin zu gänzlichem Stillstand. Seit einiger Zeit nutze ich snes9x . Na ja, meine Begeisterung hält sich in Grenzen, aber immerhin gibts weniger Softwarefehler. Dafür merke ich, wie ungleich nerviger es ist, mit Save- und Loadtasten zu arbeiten, als einfach per Knopfdruck die Zeit rückwärts laufen zu lassen, um Fehler auf die Schnelle auszubügeln.



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Sebel hat geschrieben:
Jeder Horst muss seine Pups-Sammlung präsentieren...

WE WANT A SHRUBBERY!!!
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 Betreff des Beitrags: Re: Dragon Quest I/II/III (Erdrick-Trilogie)
BeitragVerfasst: 27.09.2016 13:17 
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Danke für die netten Worte! Soweit ich weiß, sind diese Fehlerquellen auch direkt auf die Übersetzung zurückzuführen, im originalen SFC-Spiel kommt es wohl nicht zu Abstürzen. Das finde ich dann doch einigermaßen peinlich, wir reden ja nicht von Begebenheiten, die man gewaltsam konstruieren muss, sondern von sehr fundamentalen Ereignissen, wie sie stattfinden können.

Grundsätzlich ist alles, was außerhalb der Möglichkeiten liegt, die man original an der Konsole zur Verfügung stehen hat, in gewisser Hinsicht "Schummeln". Man greift ja auf Hilfsmittel zurück, die man anderweitig nicht gebrauchen könnte. Nur: ob ich jetzt dreißig Minuten lang im Kreis laufe und Monster mittels Angriffstaste plätte, um an Erfahrung zu kommen, oder genau denselben Ablauf in wenigen Minuten, vielleicht sogar Sekunden abspule, weil ich es massiv beschleunige, ist ja kein wirklicher Unterschied. Es wird von mir in beiden Fällen nichts gefordert, ich für meinen Teil würde auch nichts rückgängig machen, wenn ich mal einen kapitalen Fehler begehe (das nähme dann in der Tat die Spannung raus), also komme ich auch nicht aus brenzligen Situationen. Das Kampfsystem ist darüber hinaus komplett rundenbasiert, ohne Echtzeitkomponente wie in Final Fantasy-Teilen ab IV, d.h. wenn ich nicht die Aktionstaste gedrückt halte, kann sowieso nichts passieren.

Letztlich wäre es mir natürlich bedeutsam lieber gewesen, es auf authentischer Hardware zu absolvieren, keine Frage. Da ich allerdings so selten die Motivation habe, ein RPG zu spielen, war es mir um die verlorene Zeit zu schade. Aufleveln ist so schon dröge, aber doppelt? Dann lieber mittels Beschleunigung als überhaupt nicht.


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 Betreff des Beitrags: Re: Dragon Quest I/II/III (Erdrick-Trilogie)
BeitragVerfasst: 27.09.2016 18:13 
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Sehr schönes, ausführliches Review, danke! :nice:
BTW, ich mag deinen Schreibstil. :D



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