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von Radagast » 12. Januar 2014, 20:33
Wäre dieser Plattformer nicht das Ejakulat seiner cineastischen Vorlage, ich weiß nicht, ob ich es durchgespielt hätte. Doch als bekennender Indiana-Jones-Jünger sah ich es vielmehr als meine Pflicht an, alle drei Abenteuer auf diese Art und Weise einmal selbst zu erleben.
Eine kleine Einleitung zum Verständnis meines Handelns: Mein Verhältnis zur filmischen Tetralogie ist simpel. Indiana Jones ist für mich die wohl beste Filmreihe aller Zeiten, die in jeglicher Hinsicht normsetzend war. Teil Eins (Jäger des verlorenen Schatzes) und Teil Drei (Der letzte Kreuzzug) kratzen für mich an der lustvollen Perfektion. Der zweite Teil (Tempel des Todes) weiß auch auf hohem Niveau zu unterhalten, doch driftet zeitweise in übertriebenen Infantilismus ab. Tja, und Teil Vier (Königreich des Kristallschädels) spaltet die Gemüter. Nach meiner Meinung betötige es allerdings nur drei kleine Änderungen und wir hätten einen rundum gelungenen Indy-Film der alten Schule: 1) Die Eröffnungsszene mit der atomaren Bombe rausschneiden, 2) die Schlussszene mit dem interstellaren Unfug rausschneiden, 3) Shia LeBeouf rausschneiden - et voilá, c'est Indy! Ich denke, die beiden großartigen Lucas-Arts-Point&Click-Abenteuer - von denen ich jedoch nur The Fate of Atlantis; ohne Komplettlösung; durchspielte - trugen weiter zur Glorifizierung bei.
So war es mir bewusst, dass ich nun auch den gelobten Plattformer auf dem SNES durchspielen werde - koste es, was es wolle. Das dieses Vorhaben doch so haarsträubend wird, hatte ich nicht erwartet - vor allem nach dem derart vielversprechenden Beginn: Castlevaniaesk startet das Spiel mit beweglicher Peitsche, man schwingt über Schluchten und es ertönt der gute, alte Indy-Sound. Doch nach den ersten unfairen Fallen, den ersten missglückten Abstürzen und dem ersten "Was? Das wollt ich doch gar nicht?" beginnt das Jump & Run zu frustrieren.
Die ungenaue Kollisionsabfrage ist dabei das gravierendste Problem, zusätzlich hängt auch phasenweise einfach der Sprungknopf, bzw. unser Held verweigert aus unerfindlichen Gründen die Ausführung der gewünschten Aktion, was mich sogar zwischenzeitlich felsenfest davon überzeugte, dass mein Controller kaputt sein müsse. Die Levels sind insgesamt recht langweilig aufgebaut und durch stupides Auswendiglernen alsbald zu meistern. Dieser Fakt wäre jedoch mit einer gerechten Kollisionsabfrage verzeihbar.
Weitere rätselhafte Programmierungen lassen einen weiter zweifeln: So befinden sich die zu sammelnden Herzcontainer für die Regenerierung der Energieleiste in einem eigenartigen Intervall; was die Continues sollen, wenn man doch nur wieder bei der letzten Passworteingabe startet, blieb mir auch schleierhaft. Ich habe hier die Frage gelesen, wann man mit neuen Passwörtern rechnen darf. Die Antwort ist: Unterschiedlich. Mal tauchen Passwörter nach einem gemeisterten Level auf, oft nach zwei, gelegentlich nach drei bis sechs. Mit insgesamt 29 Leveln finde ich das Spiel vom Umfang her okay.
Es ist freilich nicht alles schlecht an diesem Werk. Es gibt abwechslungsreiche Ideen wie die Lorenfahrt, die Endgegner sind auch nicht völlig talentfrei und vor allem der letzte Akt verlangt einem doch einiges an Fingerfertigkeit ab. So erhält das Spiel noch eine akzeptable Benotung, teils auch sicherlich durch mein verklärtes Verhältnis zur filmischen Basis.
6,5/10 (durchgespielt auf der mittleren Schwierigkeitsstufe)
Zuletzt geändert von
Radagast am 13. Januar 2014, 00:57, insgesamt 2-mal geändert.