Geänderte Spielevorliebe(n) im Laufe der Jahre

Hier könnt Ihr über alle je auf dem SNES erschienenen Spiele diskutieren.

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Geänderte Spielevorliebe(n) im Laufe der Jahre

Beitrag von Perikles » 31. Dezember 2012, 15:37

Vor einer Weile ist mir bewusst geworden, dass sich meine Prioritäten, was ein Videospiel ausmacht und in welcher Form es gestaltet sein sollte, über die Jahre hinweg nicht unwesentlich gewandelt haben. Da wollte ich doch gleich die Erfahrungen der hiesigen Benutzer einholen, um zu sehen, ob es nur mir so geht.

Die drei für mich wesentlichen Aspekte lauten wie folgt:

"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist" (Victor Hugo)
Früher war die musikalische Untermauerung des Spiels (genau wie die Soundeffekte) für mich nur dann auffällig, wenn sie besonders störte oder außergewöhnlich gute Stücke zu bieten hatte. Heute höre ich ganz bewusst die Musik und merke, wie sehr die Strukturelemente (Rhythmus, Melodie, Harmonie, Variation...) den Spielfluss vorgeben, zumindest aber maßgeblich prägen. Dabei kann ein für sich genommen ambitioniertes Stück in einer falschen Umgebung (mein Lieblingsbeispiel ist die Oberweltmusik bei A Link to the Past) den Gesamteindruck ebenso ruinieren wie ein technisch misslungenes Stück.

"Vita brevis, ars longa" (nach Hippokrates)
Mit zunehmendem Alter wird die Zeit knapp - sowohl im wörtlichen wie im implizierten Sinn, als dass die Freizeit abnimmt. Während zu seligeren Tagen ein Spiel nicht lang genug sein konnte, muss sich heute ein ausschweifendes Abenteuer seiner Inkubationszeit rechtfertigen. Während es damals ein großartiges Erlebnis war, kryptische NES-Spiele wie Battle of Olympus oder das originale Zelda (mit Freunden) zu enträtseln, ist das heute eine augenfällige Schwäche, die unerbittlich angeprangert wird. Das betrifft im besonderen Ausmaß RPGs; während Final Fantasy VI jede Sekunde Spielzeit mit herausragender Qualität rechtfertigt, fällt es schwer, ein Spiel wie 7th Saga von Anfang bis Ende zu verdauen.

"Repetitio est mater studiosum!"
Im nur scheinbaren Widerspruch zu und Abgrenzung vom letzten Unterpunkt überkam es mich, dass ich mittlerweile häufiger Spiele ein zweites oder drittes Mal spiele, anstatt ein unbekanntes in Angriff zu nehmen. Das konfligiert sichtlich mit dem Ausspruch, dass die Zeit zu knapp bemessen ist, deckt sich aber mit der Andeutung des ersten Unterpunkts, der auf ein erfüllteres Gesamterlebnis abzielt. Gerade Spiele, die für gewöhnlich als schwer eingestuft werden (vom ersten Mega Man über nahezu alle Battletoadstitel bis hin zu Contra 4), ziehen ihre Kraft aus dem Matthäus-Effekt ("Wer da hat, dem wird gegeben"), sprich: während der erste Lauf noch eine reine Schinderei sein kann, macht das wiederholte Durchspielen mit besserer Kenntnis und (hoffentlich) effektiverem Vorgehen erheblich mehr Spaß.


Was hat sich bei euch als entschiedene Wendestelle herausgestellt? Oder habt ihr ganz gegenteilig nach wie vor eure Gewohnheiten beibehalten? Ich bin auf eure Einlassungen zu dem Thema sehr gespannt!

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Re: Geänderte Spielevorliebe(n) im Laufe der Jahre

Beitrag von Gandalf » 31. Dezember 2012, 17:11

Bevor ich etwas deinen Ausführungen hinzufügen möchte, würde ich gerne auf einen deiner Punkte eingehen.

Wenn du davon sprichst, dass du dich entgegen des Wunsches Zeit zu sparen auch auf schwere Spiele einlässt, handelt es sich dann lediglich um schon bekannte und "bezwungene" Titel? Wenn ja, dann kann ich glaube ich deinen vermeintlichen "Widerspruch" auflösen. Denn ein Spiel welches man schon durchgespielt hat verliert ja dadurch einen erheblichen Teil seines Anspruches. Vor allen Mega Man und noch mehr die Battletoad-Reihe werden durch gute Kentnisse der Level wesentlich einfacher. Das würde dann nämlich bedeuten, dass du mit zunehmendem Alter generell eher ein einfaches Spielerlebnis suchst, bzw. der Wunsch nach unbekannter Herausforderung nicht mehr da ist.

Ich hoffe, dass ich diesen Aspekt von dir richtig interpretiert habe.
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Re: Geänderte Spielevorliebe(n) im Laufe der Jahre

Beitrag von Perikles » 31. Dezember 2012, 20:18

Ich hoffe, dass ich diesen Aspekt von dir richtig interpretiert habe.
Es ist schon sehr nahe dran.
Grundsätzlich scheue ich mich keineswegs vor schweren Spielen, solange die Bewältigung der Herausforderung trotzdem in vertretbarer Zeit zu gewährleisten ist. R-Type III war für mich ein sehr schweres Spiel, da es aber gerade einmal sechs kurze Level umfasst, hat es insgesamt "nur" rund sieben Stunden in Anspruch genommen (auch wenn ich hier kein Bedürfnis verspüre, es noch einmal zu versuchen). Bei 7th Saga dagegen weiß ich, dass ich wegen der vielen Auflevelei vermutlich die fünf-, sechs- oder siebenfache Zeit aufwenden müsste, um es durchzuspielen, was mich schon im Ansatz abschreckt.

Losgelöst davon habe ich aber festgestellt, dass ich heute mehr auf "Qualität" wert lege, die sich darin äußert, ein Spiel, in dem ich Potential sehe, mehrfach und hoffentlich auch besser (auf einer höheren Schwierigkeitsstufe, mit mehr Leben am Ende...) durchzuspielen, als nur die "Quantität" zu bemühen (so viele Spiele wie möglich durchziehen). Früher wollte ich einen möglichst großen Radius abdecken und habe daher grundsätzlich ein durchgespieltes Spiel in die Ecke gelegt und mir das nächste geholt (wenn ich noch eines hatte bzw. genug Geld, um mir ein neues zuzulegen), heute lasse ich mich nicht mehr so sehr von dem Stapel unangetasteter Module unter Druck setzen. Das sieht zunächst einmal widersprüchlich aus (zwar habe ich weniger Freizeit und bin wählerischer geworden, was die Gesamtspielzeit betrifft, trotzdem spiele ich dasselbe Spiel mehrmals), umfasst allerdings einen neugewonnenen Aspekt meiner Spieleerfahrung.

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Re: Geänderte Spielevorliebe(n) im Laufe der Jahre

Beitrag von Gandalf » 1. Januar 2013, 11:41

Die durch das Studium bedingte erhebliche Verringerung meiner Freizeit ist bei mir auch der Hauptfaktor, der bei der Spielauswahl eine Rolle spielt. Deshalb haben sich meine Vorlieben im Gegensatz zur Schulzeit beträchtlich verändert.

Ich war nie ein großer RPG-Fan, dennoch fand ich Zelda und die Secret of.. -Vertreter auf dem SNES recht spaßig. Wenn man allerdings keine längeren Spiele-Sessions mehr einlegen kann, sich die Spielzeit pro Tag auf unter 30 Minuten einpendelt, dann macht es wenig Sinn derart komplexe Spiele zu spielen. Man kommt sehr schwer mit der Story hinterher, und oft weiß man nicht was zu tun ist; vor allem bei mehrteiligen Quests.

Auch fallen Spiele mit langer Spielzeit aber fehlender Speicherfunktion aus meinem Raster. Spiele wie Plok oder Super Smash TV, Goof Troop oder Batman Returns sind an einem Stück sicherlich in weit weniger als einer Stunde zu bewältigen, dennoch ist es recht frustrierend wenn man im vorletztem Level aus zeitlichen Gründen aufhören muss, oder bei weichen Faktoren aufhören sollte.

In der Studienzeit liegen also vor allem Spiele wie Super Mario Kart, NBA Jam, Micro Machines, Turtles in Time, Final Fight 2 und 3 in meinem Focus, da sie kurzweilig sind und dennoch eine Herausforderung für mich bieten.

Wenn man die alltäglichen Faktoren ausschließt, dann muss ich noch hinzufügen, dass ich keine Spiele sammel oder spiele die für mich "nichts neues" bieten. Auf der Suche nach neuen Spielen interessieren mich also die Titel, die etwas neu oder besser gemacht haben. Ich verhalte mich zwar nicht wie ein Discounter, der nur eine Art Weizenehl (ein Jump'n'Run) in seinem Regal stehen hat, aber dennoch bin ich recht streng bei der Art wie ich meine Zeit verschwende.

Ich würde also z.B. nie Fifa 97 spielen, da mir International Super Star Soccer eine bessere Alternative scheint. Ich brauche keinen anderen Fun Racer außer Mario Kart, und NBA Jam deckt mein Verlangen nach Basketball. Bei Jump'n'Run ist meine Auswahl dann allerdings schon wesentlich größer als nur ein Titel.

Ich versuche also die Quintessenz der SNES-Library zu extrahieren, und diese dann Teil meiner Sammlung werden zu lassen. Früher war das sicherlich anders, da ich ich jedes Modul behalten habe ohne den spielerischen Wert für mich festzustellen. Ich besitze diese Spiele auch noch, allerdings habe ich im letzten Jahr einen Teil meiner Sammlung weggeräumt und versucht einen Fundus von Spielen zu schaffen die ich aktiv spiele.
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Re: Geänderte Spielevorliebe(n) im Laufe der Jahre

Beitrag von Radagast » 4. August 2014, 14:59

Ich vermute, dass die Super-Nintendo-Generation weltweit denselben Blues trällert: Die Tage werden strukturierter, die freie Zeit knapper, der Müßiggang auf das Wochenende verlegt - und ab einem gewissen Alter wird man schief beäugt, wenn man Videospiele als Freizeitaktivität lanciert. So verhält es sich auch bei mir, sodass meine Art des Spielens effizienter geworden ist.

Die Ausgangslage:
Zugegebenermaßen habe ich - da mein Studium in den finalen Zügen liegt, in wenigen Wochen ist die Abgabe der Masterarbeit - schleunigst eine JRPG und Action-Adventure-Perlen nachgeholt. Allerdings bereiteten mir die Unterfangen bei weitem nicht so viel Vergnügen wie noch zu Jugendzeiten. Waren Rollenspiele einst mein favorisiertes Genre, fehlt mir inzwischen schlichtweg die Muse für die heroischen Abenteuer (Lufia II: Rise of the Sinistrals bildete dabei jedoch eine angenehme Ausnahme). Ich spiele RPGs immer noch gerne bis zum Abspann, aber viele optionale Nebenquests werden von mir auf dem Pfad dorthin links liegen gelassen (zwar nicht alle, aber vor allem diejenige, die intensives Backtracking und Suchen beinhalten). Die Geduld, wie damals bei Zelda: Ocarina of Time, drei Stunden zu angeln, um den größten Fisch aus dem Teich zu ziehen, habe ich leider nicht mehr. Generell empfinde ich Rollenspiele jüngst als relativ wenig fordernd. In rundenbasierten Gefechten fehlt mir oft die taktische Tiefe und die spielerische Herausforderung. Hinzu kommt der allgemeine Leerlauf: Wenn ich ein Dorf betrete und sehe auf einen Schlag dreißig begehbare Häuser, graut es mir schon. Ich weiß, dass ich mit jedem Bewohner reden muss, um die eine wertvolle Information zu erhalten und mir dabei ansonsten zu 95% Nonsens anhören darf ("Mama verbietet uns in den düsteren Wald voller gruseliger Monster zu gehen, um dort zu spielen. Irgendwie ist sie seltsam geworden"). Das soll kein Abgesang auf Rollenspiele sein. Die Liste der Spiele, die ich noch gerne durchspielen würde, ist lang (Seiken Denetsu 3, Star Ocean, Breath of Fire 1 & 2, Lufia 1, Final Fantasy V, Tales of Phantasia, Robotrek, uvm.). Allerdings bezweifele ich stark, dass ich diese - mit Blick gen Zukunft - jemals abarbeiten werde.

Die Folgen:
Neben Rollenspielen bildeten klassische Jump & Runs meine zweitliebste Sparte. Das Sub-Genre der Action-Platformer bietet durch die veränderten Zeitumstände hier eine gelungene Alternative. Die Spiele sind kürzer, es kann jeden Tag ein wenig trainiert werden, eine etwas längere Pause wirft einen nicht so sehr zurück wie bei Rollenspielen. Außerdem weisen Action-Platformer meist ein erwachseneres Setting auf als die kindlichen Jump & Runs, was mir jetzt im forangeschrittenen Alter von 28 eher zusagt. Mir ist beim Sinnieren über klassische Jump & Runs übrigens aufgefallen, dass es auf dem Super Nintendo (immerhin gepriesen als die Konsole des Goldenen Zeitalters der Plattformer) gar nicht mal so viele wirklich ausgezeichnete Vertreter gibt.

Daran anschließend entwickele ich unterdessen eine Passion für Shoot'em Ups (wie man freilich durch meine jüngsten Einträge hier im Forum mitbekommen hat). Die Schießereien bieten allesamt einen überschaubaren Zeitrahmen, verlangen permanente spielerische Konzentration und vereinen all das, was ich mit Zocken assoziiere: schnelle Reflexe, eine Gesamtübersicht über den gesamten Bildschirm, taktisches Kalkül in vielen Situationen, d.h. verschiedene Herangehensweisen an Gegner und Levelstrukturen bzw. die Nutzung der Levelstruktur zu Ausbildung der Taktik, das nötige Maß Ruhe und mit dem 1CC ein schönes optionales Ziel vor Augen. Ein weiterer Aspekt, der meinen jagdinstinkt geweckt hat, gehört ebenso zu dieser Leidenschaft: Meine Fotokamera liegt beim Erreichen des letzten Endgegners stets neben mir griffbereit, um das erfolgreiche Abschneiden ablichten zu können und man fühlt dabei fast denselben Adrenalinkick wie ein Graffitiwriter, der nach einer gelungenen nächtlichen Aktion einen Schnappschuss seines besprühten Wagons macht. Außerdem habe ich durch viel Lesearbeit entdeckt, dass die Shmup-Szene einen wunderbaren Mikrokosmos darstellt, der viele Jünger nostalgischer Spiele vereint, und in dem ich mich sehr wohl fühle.

Was ich leider noch nicht geschafft habe zu spielen, ich aber auch glaube, dass es mir gefallen könnte, sind Brawler: Sie verfügen über einen abgesteckten zeitlichen Rahmen und fordern eher die Fingerakrobatik in puncto Tasteneingabe, wodurch sie sie ein anderes spielerisches Element als Shmups bedienen. Irgendwann werde ich mich auch daran mal setzen.

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Horst_Sergio
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Re: Geänderte Spielevorliebe(n) im Laufe der Jahre

Beitrag von Horst_Sergio » 4. August 2014, 19:52

Ein interessantes Thema. Wie so oft aber natürlich sehr subjektiv. Es ist die Frage, ob tatsächlich weniger Zeit zum Zocken vorhanden ist oder nicht. Oder warum weniger Zeit vorhanden ist.

Bei mir siehts tatsächlich so aus, dass ich weniger zocke als vor meinetwegen sechs, sieben Jahren, aber mehr als damals, als das NES und SNES aktuell auf dem Markt waren. Ich habe ganz klar andere Prioritäten, als vor besagten sechs, sieben Jahren, und ich bin sehr glücklich darüber. Zu jener Zeit kam ich spät abends von der Arbeit, setzte mich vor den PC und zockte ausgiebig bis in die frühen Morgenstunden, um dann vollkommen übermüdet und nach zu wenig Schlaf wieder zur Arbeit zu gehen. Tag für Tag. Das ging ein paar Jahre lang gut, bis ich irgendwann den Job verlor. Die Kündigung kam nicht erstlinig durch das Zocken, sondern auch durch wachsende Unzufriedenheit. Ich drückte mich selbst in eine gefühlte Opferrolle auf der Arbeit und ließ es zu, dass mich meine Vorgesetzten gängelten, u.a. weil ich schlichtweg überbezahlt war. Das war so eine Art Abwärtsspirale. Ich konnte meinen angestauten Frust in irgendwelchen Shootern abladen und virtuellen Personen herrlich toll die Fresse wegballern. Oder andersrum: Ich konnte schön vor der Realität in irgendwelche komplexen Universen á la Elder Scrolls flüchten, denn da war ich der Held, der ich im echten Leben nicht sein konnte.

Irgendwann wurde ich wach, weil ich mir auch im Freundeskreis nicht nur Beifall einhandelte. Verschiedene Umstände führten letzten Endes dazu, dass ich mein Tun und Handeln überdachte und mir Ziele setzte, auf die ich hinarbeiten konnte. Ich fing an gesünder zu leben, Sport zu machen, den Rechner auch mal aus zu lassen. Daraufhin erst lernte ich meine jetzige Frau kennen, und beruflich konnte ich mich auch anders motivieren. Das sind halt stetige Lernprozesse, die man im Normalfall mal mitmacht. Ich will jetzt nicht rumjammern und klagen, aber es ist wohl völlig normal, wenn man die Daddelei irgendwann auch Daddelei sein lässt, weil sie einfach nicht mehr im Alltag integriert werden kann. Dennoch denke ich, dass es wichtig und auch gesund ist, das Spielerische - quasi das Kind in einem - nicht komplett wegzuschieben, nur weil irgendwann der Ernst des Lebens einsetzt.

Im Großen und Ganzen erkenne ich an mir selbst in vielen Dingen, denen ich seit Jahren oder schon immer nachgehe, eine gewisse Wellenform. Mal ist ein Hobby und Interesse stärker ausgeprägt, mal schlummert es ein wenig vor sich hin. Momentan spiele ich nahezu täglich. Aber, mal ist ne halbe Stunde, mal sind es zwei oder drei Stunden am Stück. Je nachdem, was sonst noch gerade anliegt und natürlich, was ich gerade spiele. Es ist wohl eine Art Selbstkontrolle. Wenn ich der Meinung bin, dass es reicht, dann ist es auch sinnvoll, die Kiste auszuschalten.

Das sind so meine persönlichen Erkenntnisse. Was die Spiele selbst angeht, sind noch wieder andere Dinge zu beachten. Komfort. Der Mensch ist bequem und arbeitet stets daraufhin, dass es ihm die Technik noch bequemer macht. Weniger körperliche oder geistige Arbeit leisten, indem man immer feinere Hilfsmittel benutzt. Schönstes Beispiel: "Wenn einer eine Reise tut." Früher war man gezwungen, stundenlang Karten und Straßenpläne zu studieren, um eine bestmögliche Reiseroute zu finden. Heute wird einem während der Fahrt bereits erzählt, wo man überhaupt hin muss. Der Lerneffekt dabei ist gleich null. Nächstes Mal, wenn man wieder die Strecke fahren muss, gehts mit ganz hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht ohne Navi. Bei Spielen ist das genauso. Früher musste man Lösungs- und Marschwege der Helden erahnen und durch ausprobieren offensichtlich machen. Heute kriegt man soviele Hints und Kunts (... :ugly: ...), dass es keinen Sinn macht, für ein Game die grauen Zellen anzustrengen. Diese schleichenden "Innovationen" wirken sich drastisch auf das Spielverhalten aus. Zum Beispiel Shooter: Bei Doom brauchte man nicht nach oben oder unten gucken und konnte auch nicht springen. Das Gameplay war dennoch grandios. Heute ist es am PC in seiner ursprünglichen Form dank manifestierter WASD-Steuerung und Geballer via Maustaste kaum mehr spielbar. Dazu kommen eben diese ganzen Komfortfunktionen, die einem den Genuss des Gameplays meiner Meinung nach dauerhaft vermiesen. Heute gehört es im Point & Click Adventure zum guten Ton, dass einem angezeigt wird, was wo zu tun ist und wo Items versteckt sind. In Shootern wie auch in RPGs wird man gleichermaßen unfreiwillig vom System ausgehend zum Ende hingeschoben, ohne links und rechts des Wegrandes irgendwelche Nebensächlichkeiten mitzubekommen. Oder es gibt (wie bei den Elder Scrolls) so derart viele Nebensächlichkeiten, dass man hoffnungslos überfordert wird.

Ich sage mal, zu alten Games zu greifen, hat irgendwo auch was von Arbeit. Aber auf nem anderen Level. Man erarbeitet sich den Sieg und das macht einfach Spaß. Sicher haben die alten Games enorm viel Nostalgiefaktor, und ich fühl mich beim Blick in mein Regal immer wieder so, wie damals der kleine Bengel im Toys 'R' Us, der stolz geschwellt mit dem NES-Family Set Schnippel in der Hand zur Kasse marschierte. Oder entsprechend der etwas größere Bengel, als ein Super Nintendo mit Street Fighter 2 unterm Tannebaum stand. Na ja, eigentlich stand es schon unterm Fernseher und Vattern war bereits eifrig am Daddeln...

Abgesehen von Sammlerwerten gewisser Spiele und das nachträgliche Atmen des Zeitkolorits, ziehe ich einfach meinen Hut vor den Kids von heute, die diese ganzen modernen und glattgebügelten Grafikwunderwerke beiseite legen und sich bewusst dem alten Spielekram widmen, gerade weil sie davon spielerisch gefordert werden. Als halbwegs alter Sack von heute ist die Rückbesinnung auf die alten Tugenden allerdings auch nicht immer einfach. Also ich hab jedenfalls noch niemanden kennengelernt, der freiwillig sein Navi wieder gegen die Falk-Pläne eingetauscht hat. Oder bereitwillig das Smartphone (von mir aus auch Handy) gegen eine Rolle Münzen für Telefonzelle hergab.
Sebel hat geschrieben:Jeder Horst muss seine Pups-Sammlung präsentieren...
WE WANT A SHRUBBERY!!!
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